Kapitel 2 von 6 – Serie: Gesundheits-Apps auf Rezept
Wer heute das BfArM-Verzeichnis aufruft, findet 59 zugelassene Gesundheits-Apps auf Rezept. 50 davon sind dauerhaft gelistet, 9 befinden sich noch in der Erprobungsphase. Seit 2020 wurden insgesamt rund 72 DiGAs aufgenommen – etwa 15 bis 16 wurden wieder gestrichen. [1]
Was auf den ersten Blick wie ein überschaubarer Markt aussieht, hat in fünf Jahren eine beachtliche finanzielle Dimension erreicht.
Das Geld: 401 Millionen Euro in fünf Jahren
Zwischen September 2020 und Dezember 2025 haben die gesetzlichen Krankenkassen rund 401 Millionen Euro für DiGA-Verordnungen ausgegeben – kumuliert über alle Kassen und alle Apps. Allein 2025 waren es 171 Millionen Euro, mehr als achtmal so viel wie 2021 (20 Millionen Euro). [2]
Das Preissystem: Zwei Welten
DiGAs haben ein ungewöhnliches Preismodell. Im ersten Jahr kann jeder Hersteller seinen Preis frei setzen. Das Ergebnis ist eine Preisspanne von 119 bis 2.077 Euro pro Dreimonatsverordnung – bei einem Durchschnitt von rund 544 Euro. [3]
Ab dem 13. Monat beginnt die GKV-Verhandlung. Der durchschnittliche verhandelte Preis liegt bei 221 bis 227 Euro – rund 59 Prozent unter dem Herstellererstpreis. [4]
Wo die DiGAs sind: Psyche dominiert
Mehr als die Hälfte aller gelisteten DiGAs – 31 von 59 – sind Anwendungen für psychische Erkrankungen. DiGAs füllen eine strukturelle Versorgungslücke bei Wartezeiten auf Psychotherapieplätze.
Wie viele Codes werden wirklich genutzt?
Die Aktivierungsrate liegt laut GKV-Spitzenverband bei 81 Prozent – fast jeder fünfte Code wird nie benutzt. [2] Von denen, die aktivieren, brechen mehr als ein Drittel die Nutzung vorzeitig ab (BARMER Arztreport 2024). Das bedeutet: Nur etwa 54 von 100 Verordnungen enden mit einer vollständig durchgeführten DiGA-Therapie.
Rechnet man diese Nutzungsquoten gegen die Gesamtkosten durch, kommt man auf rund 461 Euro pro vollständig genutzter Verordnung über den gesamten Zeitraum. [5]
Das Marktproblem: Konzentration
Die Verordnungen verteilen sich sehr ungleich. Nach TK-Daten entfallen auf die sechs meistverordneten DiGAs rund 61 Prozent aller Verordnungen. [6] Die sechs führenden DiGAs könnten nach eigener Berechnung einen Jahresumsatz von je rund 17 Millionen Euro erzielen. Die durchschnittliche DiGA außerhalb der Top-6 kommt auf geschätzte 1,3 Millionen Euro – ein Bruchteil der Entwicklungskosten.
Alle Kapitel dieser Serie
- Kapitel 1: Wie Deutschland die Gesundheits-App auf Rezept erfand
- Kapitel 2: 59 Apps, 401 Millionen Euro – der DiGA-Markt in Zahlen
- Kapitel 3: Hilft das wirklich?
- Kapitel 4: Wer verdient womit
- Kapitel 5: Was kommt als Nächstes
- Kapitel 6: Die Bilanz
Quellenverzeichnis
[1] diga-verzeichnis.de (April 2026)
[2] GKV-SV DiGA-Bericht 2025
[3] GKV-SV Analyse Herstellerpreise 2025
[4] LSG Brandenburg 2025; gelbe-liste.de
[5] Eigene Berechnungen; BARMER Arztreport 2024
[6] TK DiGA-Marktdaten 2023
