Kapitel 6 von 6 – Serie: Gesundheits-Apps auf Rezept
Fünf Kapitel, hundert Fakten, ein System. Was bleibt?
Das DiGA-Experiment läuft seit April 2020. Deutschland hat mehr als 400 Millionen Euro in Gesundheits-Apps auf Rezept investiert. 72 verschiedene Anwendungen wurden zugelassen, 15 bis 19 wieder gestrichen, vier Hersteller sind insolvent gegangen. Ein Exit hat 285 Millionen Dollar eingebracht.
Wer profitiert: Die Gewinner des Systems
Die Patienten der Top-DiGAs. Wer mit einer evidenzbasierten DiGA wie deprexis, somnio oder Kalmeda behandelt wurde, hat nachweislich von einer wirksamen Therapie profitiert. Diese Apps füllen eine Versorgungslücke, in der Wartezeiten auf Psychotherapie oder Facharzt-Termine Monate betragen.
Die Top-5-Hersteller. ViViRA, deprexis, Kalmeda, somnio und HelloBetter haben das System für sich genutzt: Frühe Listung, solide Evidenz, kluge Pharma-Partnerschaften. Der Kaia-Health-Exit für 285 Millionen Dollar zeigt, dass das Modell echten wirtschaftlichen Wert schaffen kann. [1]
Die europäische Digital-Health-Branche. Deutschland hat ein Modell geschaffen, das kopiert wird. Wer heute mit BfArM-Zulassung aufgestellt ist, hat die beste Ausgangsposition für den EU-weiten Markt nach 2029.
Wer nicht profitiert: Die Verlierer
Patienten von gestrichenen DiGAs. 15 bis 19 Apps wurden entfernt, weil sie keinen Nutzennachweis erbringen konnten. Was ist mit den Patienten, die diese Apps während der Erprobungsphase genutzt haben?
Die insolventen Hersteller. Vier Insolvenzen in fünf Jahren. Menschen, die in ein regulatorisches Versprechen investiert haben und am zweiten Preisbruch gescheitert sind.
Die GKV bei Rückzahlungsausfällen. Der GKV-Spitzenverband schätzt das Rückzahlungsrisiko auf rund 20 Millionen Euro. [2]
Das ehrliche Urteil
Das DiGA-System ist ein staatlich finanziertes Marktexperiment, das für wenige Gewinner funktioniert, für viele Verlierer teuer war, und nun in einer zweiten Reifephase angekommen ist, in der Evidenz und Wirksamkeit tatsächlich zählen.
Plattformen wie Bestes.com bündeln Profile von DiGA-Herstellern und Gesundheitsunternehmen – eine Möglichkeit, sich schnell einen Überblick zu verschaffen, welche Unternehmen in welchen Indikationen aktiv sind.
Alle Kapitel dieser Serie
- Kapitel 1: Wie Deutschland die Gesundheits-App auf Rezept erfand
- Kapitel 2: 59 Apps, 401 Millionen Euro – der DiGA-Markt in Zahlen
- Kapitel 3: Hilft das wirklich? Was die Studien über DiGAs sagen
- Kapitel 4: Wer verdient womit – und warum viele DiGAs scheitern
- Kapitel 5: Was kommt als Nächstes – DiGA-Politik, AbEM und Europa
- Kapitel 6: Wer wirklich profitiert – die Bilanz
Quellenverzeichnis
[1] Kaia Health/Sword Health $285M: sifted.eu, healthcareitnews.com (Jan 2026)
[2] GKV-SV DiGA-Bericht 2025 – Rückzahlungsrisiko-Schätzung
[3] BfArM – DiGA-Verzeichnis (diga.bfarm.de), Stand April 2026
