Krankenstand gesunken – aber psychische Erkrankungen auf Rekordhoch: DAK-Halbjahresbericht 2026
DAK-Analyse H1 2026: Gesamtkrankenstand auf 5,3 %, psychische Erkrankungen +9 % – erstmals häufigste Fehlzeitenursache in Deutschland.
Die gute Nachricht zuerst: Der Krankenstand in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 leicht gesunken. Nach einer Analyse der DAK-Gesundheit auf Basis von 2,2 Millionen versicherten Beschäftigten lag der Wert bei 5,3 Prozent – einen Zehntelprozentpunkt unter dem Vorjahreswert. Haupttreiber des Rückgangs: Atemwegserkrankungen brachen um 21 Prozent ein, nachdem in den Vorjahren vor allem COVID-Nachwirkungen die Zahlen in die Höhe getrieben hatten.
Doch der positive Gesamttrend trügt. Denn gleichzeitig hat eine andere Gruppe von Erkrankungen erstmals die Atemwege vom Spitzenplatz der häufigsten Fehlzeitenursachen verdrängt: psychische Erkrankungen. Ihr Anteil stieg im ersten Halbjahr 2026 um neun Prozent – auf 184 Fehltage je 100 Versicherte. Damit liegen sie vor Atemwegserkrankungen mit 175 Fehltagen. Das ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern der Kulminationspunkt eines jahrelangen Trends.
Psychische Erkrankungen: Warum der Trend seit Jahren nach oben zeigt
Burnout, Depressionen, Angststörungen – diese Diagnosen sind in den vergangenen Jahren in der Arbeitswelt weit sichtbarer geworden. Das liegt nicht allein daran, dass psychische Erkrankungen häufiger werden; auch die Bereitschaft, sie offen zu benennen und sich krankschreiben zu lassen, hat deutlich zugenommen. Gleichzeitig sind die gesellschaftlichen Belastungen gestiegen: Homeoffice, Unsicherheit über Jobsicherheit, gestiegene Lebenshaltungskosten und ein nach wie vor angespanntes gesellschaftliches Klima hinterlassen Spuren.
Psychische Erkrankungen verursachen besonders lange Ausfallzeiten. Während ein grippaler Infekt nach wenigen Tagen überstanden ist, dauern Krankschreibungen wegen Depressionen oder Angststörungen im Durchschnitt mehrere Wochen – in schweren Fällen Monate. Das erklärt, warum der Anteil an den Fehltagen wächst, obwohl die absolute Zahl der betroffenen Personen zwar hoch, aber nicht explosiv steigt.
DAK-Chef fordert Teilkrankschreibung als Lösung
DAK-Vorstandschef Andreas Storm forderte anlässlich der Halbjahresergebnisse eine flexiblere Regelung bei Krankschreibungen: die sogenannte Teilkrankschreibung. Das Modell würde es Beschäftigten ermöglichen, in reduziertem Umfang weiterzuarbeiten, wenn sie nicht vollständig erwerbsunfähig, aber noch nicht vollständig arbeitsfähig sind. Befürworter sehen darin eine Möglichkeit, Wiedereingliederung zu erleichtern und den sozialen Anschluss zu erhalten – beides gilt als entscheidend für die Genesung bei psychischen Erkrankungen.
Kritiker hingegen befürchten, dass die Teilkrankschreibung Druck auf Erkrankte erhöhen könnte, früher als gesundheitlich sinnvoll zurückzukehren. Die Koalition diskutiert das Thema bereits; eine gesetzliche Regelung für 2027 gilt als möglich.
Atemwegserkrankungen: Normalisierung nach COVID-Jahren
Der deutliche Rückgang bei Atemwegserkrankungen um 21 Prozent – auf 175 Fehltage je 100 Versicherte – spiegelt eine Rückkehr zur Normalität wider. In den Pandemie- und Post-Pandemie-Jahren hatten COVID-Infektionen, ausgedehnte Grippewellen und RSV-Ausbrüche die Krankenstände erheblich in die Höhe getrieben. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Infektionszahlen auf einem niedrigeren Niveau, und die Immunität in der Bevölkerung – durch Impfungen und durchgemachte Infektionen – hat sich stabilisiert.
Das bedeutet aber nicht, dass Atemwegserkrankungen als Thema erledigt wären. Im Herbst und Winter 2026/2027 wird sich zeigen, wie sich neue Erregervarianten auf die Krankenstände auswirken. Und: Der Rückgang bei Atemwegserkrankungen kompensiert den Anstieg bei psychischen Leiden in der Gesamtrechnung – nicht aber in der gesellschaftlichen Debatte über Versorgung.
Was die Zahlen für Beschäftigte bedeuten
Die DAK-Analyse deckt einen strukturellen Wandel der Krankheitslast in Deutschland auf: Körperliche Erkrankungen – insbesondere Infektionskrankheiten – sind zyklisch und oft schnell überwunden. Psychische Erkrankungen dagegen entwickeln sich schleichend, werden oft spät erkannt und erfordern intensive, langfristige Behandlung.
Für Beschäftigte bedeutet das: Wer anhaltende Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen oder Angstzustände bei sich bemerkt, sollte das nicht auf sich beruhen lassen – und muss dabei nicht sofort den Weg in eine monatelange Wartezeit beim Psychotherapeuten antreten. Digitale Angebote können eine niedrigschwellige erste Anlaufstelle sein: HelloBetter bietet GKV-erstattungsfähige Online-Kurse gegen Stress, Depressionen und Angststörungen; MindDoc hilft mit einer App-basierten Selbstauskunft, die psychische Symptome beobachtet und einordnet. Wer lieber sofort mit einem Psychologen spricht, findet bei Instahelp Online-Psychologiegespräche ohne Wartezeit. Für präventive psychische Gesundheit am Arbeitsplatz – bevor es zur Krankschreibung kommt – hat sich Mindance auf mentales Wohlbefinden in Unternehmen spezialisiert. Und wer sich langfristig besser mit Stress und emotionalen Belastungen auseinandersetzen möchte, findet bei Selfapy strukturierte Online-Kurse für psychische Gesundheit.
Hintergrund: Die DAK-Halbjahresanalyse 2026
Die DAK-Gesundheit ist eine der größten gesetzlichen Krankenversicherungen Deutschlands. Die Halbjahresanalyse 2026 basiert auf Fehlzeiten-Daten von 2,2 Millionen DAK-versicherten Beschäftigten im ersten Halbjahr 2026 (Januar bis Juni) und wurde am 20. Juli 2026 veröffentlicht. Die Daten unterscheiden sich von Jahresberichten wie dem BARMER Gesundheitsreport dadurch, dass sie aktuelle Trends in Echtzeit abbilden – und damit als Frühindikator für die Gesamtentwicklung des Jahres gelten.