Jeder dritte Deutsche schläft schlecht: RKI-Daten zeigen wachsendes Problem
RKI-Studie 2026: 35 % der Erwachsenen in Deutschland schläft nicht gut – 5 Prozentpunkte mehr als vor 15 Jahren. Was dahintersteckt und was hilft.
Mehr als jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat Probleme beim Durchschlafen – und die Zahlen steigen. Das zeigen neue Daten des RKI-Panels „Gesundheit in Deutschland", die im Juni 2026 im Journal of Health Monitoring veröffentlicht wurden. Für die Analyse wurden über 26.000 Erwachsene befragt – die bislang größte aktuelle Erhebung zu Schlafstörungen in Deutschland. Das Ergebnis: Schlechter Schlaf ist längst kein Randproblem mehr, sondern ein Volksgesundheitsthema mit steigender Tendenz.
Was die RKI-Studie im Detail zeigt
Laut der Jahreserhebung 2024 des RKI-Panels berichtet fast jeder Dritte Erwachsene von Problemen beim Durchschlafen. Etwa jeder sechste hat Schwierigkeiten beim Einschlafen. Und rund jeder achte Erwachsene ist von beidem betroffen – sowohl Einschlaf- als auch Durchschlafproblemen. Für die Auswertung wurden die Daten von mehr als 14.000 Frauen und über 12.000 Männern ausgewertet.
Besonders auffällig ist der Trend über die Zeit: In der DEGS-1-Studie des RKI, die auf Daten aus den Jahren 2008 bis 2011 basiert, lag die Gesamtprävalenz für Ein- und/oder Durchschlafstörungen noch bei 30,3 Prozent. Heute sind es 35,3 Prozent – ein Anstieg um fünf Prozentpunkte innerhalb von gut zehn Jahren. Das klingt nach einer kleinen Verschiebung, entspricht aber Millionen von Menschen.
Warum schlechter Schlaf krank machen kann
Schlafprobleme, die über längere Zeit anhalten und die Lebensqualität oder Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, werden medizinisch als Insomnie bezeichnet – und sind mehr als nur lästig. Laut RKI stellen Insomnien einen Risikofaktor für körperliche Erkrankungen dar, insbesondere für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch das Risiko für psychische Störungen wie Depressionen und Angsterkrankungen ist erhöht.
Hinzu kommen gesellschaftliche Kosten: Menschen mit Schlafstörungen nutzen das Gesundheitssystem häufiger, sind öfter krankgeschrieben und bringen am Arbeitsplatz weniger Leistung. Eine europäische Analyse (COIN-EU-Studie, März 2026) beziffert die Kosten der europäischen Schlafkrise auf rund 423 Milliarden Euro jährlich – durch Produktivitätsverlust, Krankenstandskosten und direkte Behandlungsaufwände.
Was hinter dem Anstieg steckt
Die Autorinnen und Autoren der RKI-Studie benennen mögliche Erklärungen für den Anstieg an Schlafproblemen über die letzten Jahre: Gestiegene Mediennutzung – insbesondere von Smartphones – dürfte eine Rolle spielen, ebenso wie multiple gesellschaftliche Krisen. Die COVID-19-Pandemie, die Klimakrise und wahrgenommene militärische Bedrohungen hinterlassen auch schlafbiologische Spuren: chronischer Stress und dauerhafte Anspannung sind bekannte Schlafräuber.
Das blaue Licht von Bildschirmen supprimiert das Schlafhormon Melatonin und verschiebt die innere Uhr nach hinten. Wer abends noch lange auf Smartphone oder Laptop schaut, signalisiert dem Körper: Es ist noch Tag. Das Einschlafen fällt schwerer, die Schlafdauer verkürzt sich.
Wann ist es ernst – und was hilft?
Gelegentliche Schlafprobleme, etwa in Stressphasen oder bei Zeitumstellungen, sind normal und meist vorübergehend. Medizinisch relevant wird es, wenn Schlafprobleme über mindestens drei Nächte pro Woche über mehr als drei Monate auftreten und den Alltag beeinträchtigen. In diesem Fall empfiehlt das RKI, ärztlich abzuklären, ob eine Insomnie vorliegt und welche Behandlung sinnvoll ist.
Als besonders wirksam gilt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). Sie wird inzwischen als Erstlinientherapie empfohlen – noch vor Schlafmitteln, die zwar kurzfristig helfen, aber abhängig machen können. KVT-I zielt darauf ab, ungünstige Gedanken rund ums Schlafen zu verändern und schlaffördernde Verhaltensweisen aufzubauen. Digitale Therapieprogramme machen diese Methode inzwischen auch ohne Wartezeit auf einen Therapieplatz zugänglich: somnovia, das einzige zugelassene Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für Insomnie in Deutschland, basiert auf KVT-I und wird von der Krankenkasse bezahlt.
Was du selbst tun kannst
Auch ohne Therapie gibt es Maßnahmen, die die Schlafqualität nachweislich verbessern. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) empfiehlt unter anderem: feste Schlaf- und Aufstehzeiten – auch am Wochenende. Eine regelmäßige Schlafzeit ist der stärkste einzelne Faktor für guten Schlaf. Außerdem: Bildschirme mindestens eine Stunde vor dem Schlafen meiden, das Schlafzimmer kühl (16–18 Grad) und dunkel halten und auf Alkohol am Abend verzichten – er erleichtert zwar das Einschlafen, stört aber die Schlafarchitektur und erhöht nächtliche Wachphasen.
Schlaf-Tracking-Apps wie Sleep Cycle können helfen, Muster im eigenen Schlaf zu erkennen – etwa welche Tage oder Verhaltensweisen mit schlechtem Schlaf korrelieren. Für Entspannungsübungen und mentale Entlastung vor dem Schlafen bieten Apps wie 7Mind geführte Meditationen und Atemübungen an, die nachweislich zur Schlafverbesserung beitragen können.
Was die Zahlen für die Gesellschaft bedeuten
Ein Anstieg von 30 auf 35 Prozent Betroffener in zehn Jahren klingt nüchtern – ist aber eine öffentliche Gesundheitsherausforderung, die bisher zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Schlafmangel ist kein individuelles Versagen, sondern hat strukturelle Ursachen: Schichtarbeit, Pendeln, Überstunden, Dauererreichbarkeit per Smartphone, gesellschaftliche Krisen. Das RKI plädiert dafür, Schlafgesundheit als Querschnittsthema der Public Health ernst zu nehmen – genauso wie Bewegung oder Ernährung.
Wer regelmäßig nicht gut schläft, sollte nicht warten, bis die Beschwerden unerträglich werden. Frühzeitige Abklärung und – wenn nötig – gezielte Behandlung können verhindern, dass aus vorübergehenden Schlafproblemen eine chronische Insomnie wird.