Von Redaktion

Kein Cannabis-Boom nach Legalisierung: RKI zieht erste Bilanz

Ein Jahr nach der Teillegalisierung zeigt das RKI: Bei Jugendlichen kein Anstieg. Aber bei jungen Männern setzt sich ein alter Trend fort.

Am 27. März 2024 wurde Cannabis in Deutschland für Erwachsene teilweise legalisiert. Seitdem schwelt die Debatte: Greifen jetzt mehr Jugendliche zur Droge? Oder war die Legalisierung harmloser als befürchtet? Zum ersten Jahrestag liefert das Robert Koch-Institut eine datenbasierte Antwort – und die ist differenzierter als viele erwartet hatten.

Die Zahlen: Kein Boom, aber auch keine Entwarnung

Das RKI hat im Journal of Health Monitoring die bisher umfassendste Auswertung zur Wirkung des Konsumcannabisgesetzes veröffentlicht. Grundlage waren zwölf repräsentative Studien aus den Jahren 2008 bis 2025, darunter eine Befragung von 7.001 jungen Menschen zwischen April und Juli 2025.

Das zentrale Ergebnis: Ein unmittelbarer Effekt der Legalisierung auf den Cannabiskonsum bei Jugendlichen lässt sich nicht belegen. Bei 12- bis 17-Jährigen gaben 2025 laut RKI 4,6 Prozent der Mädchen und 7,2 Prozent der Jungen an, Cannabis im vergangenen Jahr konsumiert zu haben. Die Werte sind seit 2023 statistisch stabil – kein signifikanter Anstieg. Auch bei jungen Frauen zwischen 18 und 25 Jahren blieb die Quote weitgehend unverändert, bei 18,8 Prozent.

Diese Befunde decken sich mit der Trierer Studie 2026, die ebenfalls keinen legalisierungsbedingten Konsumboom identifizieren konnte.

Der Männer-Trend: 18 Jahre Anstieg – unabhängig vom Gesetz

Anders sieht es bei jungen Männern zwischen 18 und 25 Jahren aus. Dort ist der Cannabiskonsum gestiegen: 31,6 Prozent gaben 2025 an, die Droge konsumiert zu haben. Klingt alarmierend – ist es aber in einem wichtigen Kontext zu betrachten. Laut RKI ist dieser Anstieg keine neue Entwicklung, die sich auf die Legalisierung zurückführen ließe. Der Trend bei jungen Männern zieht sich über fast 20 Jahre – er begann 2008, also lange vor dem Konsumcannabisgesetz und sogar vor der ersten deutschen Debatte über Legalisierung.

„Ein unmittelbarer kurzfristiger Effekt auf die Verbreitung des Cannabiskonsums unter jungen Menschen fand sich ein Jahr nach der Teillegalisierung nicht", fasst das RKI die Studienergebnisse zusammen. Die Forschenden betonen jedoch, dass Langzeiteffekte noch nicht abschätzbar seien. Weitere Studien sollen die Entwicklung in den nächsten Jahren beobachten.

Was die Legalisierung verändert – und was nicht

Cannabis ist seit dem 1. April 2024 für Erwachsene in Deutschland unter Auflagen legal: bis zu 25 Gramm im öffentlichen Raum, bis zu 50 Gramm zuhause. Unter 18 Jahren bleibt der Konsum weiterhin verboten. Die Legalisierung sollte unter anderem den Jugendschutz stärken, indem Cannabis aus dem Schwarzmarkt in einen geregelten Rahmen überführt wird.

Ob dieser Effekt eintritt, ist nach einem Jahr noch nicht messbar. Was sich aber zeigt: Die kurzzeitige Verharmlosung durch die Legalisierung – der sogenannte „Gateway-Effekt" in Richtung Normalisierung – hat sich bei Jugendlichen und jungen Frauen bislang nicht in steigenden Konsumzahlen niedergeschlagen.

Fachleute warnen dennoch: Besonders bei Jugendlichen bleibt Cannabis keine harmlose Freizeitdroge. Das sich entwickelnde Gehirn reagiert empfindlicher auf THC als das Erwachsenengehirn. Regelmäßiger Konsum in der Adoleszenz steht im Zusammenhang mit kognitiven Einschränkungen, einem erhöhten Psychoserisiko und Abhängigkeitsentwicklung – Risiken, die laut Bundesgesundheitsministerium durch die Teillegalisierung nicht verschwunden sind.

Hilfe bei riskantem Konsum: Was es gibt

Wer merkt, dass Cannabis mehr als gelegentlicher Genuss wird – oder wer sich Sorgen um nahestehende Menschen macht – muss heute nicht mehr allein damit fertigwerden. Digitale Angebote können einen niedrigschwelligen Einstieg in professionelle Unterstützung bieten.

Apps wie HelloBetter bieten psychologisch fundierte Online-Kurse für Menschen, die Suchtmuster erkennen und verändern wollen. MindDoc hilft dabei, die eigene psychische Gesundheit zu beobachten und einzuschätzen, wann professionelle Hilfe sinnvoll ist. Selfapy bietet Online-Psychotherapie und Begleitung auch für suchtbezogene Belastungen. Für Raucher, die mit dem Konsum von Nikotin und Cannabis gleichzeitig aufhören wollen, ist Smoke Free eine bewährte App-Begleitung. 7Mind unterstützt mit Meditationsübungen und Stressreduktion – beides kann helfen, riskante Konsummuster zu durchbrechen.

Auf bestes.com gibt es eine Übersicht digitaler Gesundheitsangebote für psychische Gesundheit, Suchtbegleitung und Prävention.

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