Von Redaktion

Wenn Hitze die Psyche belastet: Was die SWEATR-Studie zeigt

Bereits ab 25 °C sinkt das psychische Wohlbefinden messbar – das zeigt die SWEATR-Studie der Universitätsklinik Magdeburg. Wer besonders gefährdet ist und was hilft.

Hitzewellen werden in Deutschland immer häufiger – und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit sind längst nicht mehr nur körperlicher Natur. Eine neue Studie des Universitätsklinikums Magdeburg zeigt erstmals anhand von Alltagsdaten: Bereits ab 25 Grad Celsius sinkt das psychische Wohlbefinden messbar. Besonders betroffen sind Menschen, die gleichzeitig psychisch und körperlich vorbelastet sind.

Was die SWEATR-Studie gemessen hat

Das Forschungsprojekt SWEATR – kurz für „Psychische Gesundheit bei Hitze: Belastungen, Risikowahrnehmung und Schutzverhalten" – wurde von der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Magdeburg (Direktor: Prof. Dr. Florian Junne) gemeinsam mit der Universitätsklinik Heidelberg durchgeführt. Es ist das erste Projekt in Deutschland, das den Zusammenhang zwischen Hitze und psychischer Gesundheit in einer naturalistischen Alltagsumgebung systematisch untersucht.

Der methodische Ansatz: das sogenannte Ecological Momentary Assessment (EMA), also eine Echtzeit-Befragung direkt im Alltag per Smartphone. 183 Teilnehmende – aus der Allgemeinbevölkerung sowie aus den psychosomatischen Ambulanzen der Universitätsklinika Magdeburg und Heidelberg – wurden im Sommer 2025 an Tagen mit Temperaturen über 25 °C viermal täglich zu ihrem Befinden befragt.

Ab 25 Grad steigen Angst und depressive Symptome

Die Ergebnisse sind eindeutig: An heißen Tagen steigt laut der Magdeburger Studie die Wahrscheinlichkeit, ängstliche oder depressive Symptome zu berichten, spürbar an. Dabei zeigt sich ein klares Muster: Menschen, die sowohl psychisch als auch körperlich vorbelastet sind, reagieren besonders empfindlich auf Hitzestress. Die bloße Summe einzelner Belastungen greift dabei zu kurz – entscheidend ist das gleichzeitige Vorliegen beider Faktoren.

Damit liefert SWEATR erstmals valide Alltagsdaten für Deutschland – kein Laborexperiment, sondern echte Beobachtungen im echten Leben. Bislang fehlten solche Daten für den deutschsprachigen Raum weitgehend.

Warum manche Menschen bei Hitze schützend handeln – und andere nicht

In einem zweiten Teil der Studie wurde mit 1.803 repräsentativ ausgewählten Erwachsenen in Deutschland untersucht, welche psychologischen Faktoren dazu führen, dass Menschen bei Hitze tatsächlich Schutzmaßnahmen ergreifen. Denn bekannt zu sein, was zu tun ist, reicht oft nicht aus.

Das Ergebnis zeigt laut der Universitätsklinik Magdeburg: Zwei Faktoren sind entscheidend – Risikowahrnehmung (das Gefühl, dass Hitze einem selbst gefährlich werden kann) und Selbstwirksamkeit (die Überzeugung, selbst etwas dagegen tun zu können). Besonders interessant: Wer Hitze mit negativen Gefühlen verbindet, zeigt deutlich häufiger tatsächliches Schutzverhalten. Emotionale Verbindung ist ein stärkerer Prädiktor als reine Wissensvermittlung.

Aktuelle Folgestudie: Wann und wie wirkt Hitzeschutz-Kommunikation?

Aufbauend auf diesen Befunden untersucht das Magdeburger Forschungsteam seit Sommer 2026 in einer Folgestudie, ob und wie gezielte Informationen Menschen zu rechtzeitigem Schutzverhalten motivieren können. 539 Teilnehmende werden dabei über 14 Tage im Sommer mehrmals täglich per Smartphone-App zu ihrer Risikowahrnehmung und ihrem tatsächlichen Verhalten befragt – und erhalten zugleich Hitzeschutzinformationen in einem experimentellen Design.

„Unsere Daten zeigen, dass Hitze unmittelbar das psychische Befinden beeinträchtigen kann, besonders bei Menschen, die vorbelastet sind. Gleichzeitig wissen wir, dass psychologische Faktoren wie Risikowahrnehmung und Selbstwirksamkeit das Schutzverhalten steuern", erklärt die Studienleiterin Jun.-Prof. Dr. Hannah Wallis von der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Magdeburg. „Mit unserer laufenden Studie gehen wir den nächsten Schritt: Wir wollen verstehen, wann und wie Risikowahrnehmung im alltäglichen Leben einsetzt und zu Schutzverhalten führt."

Die Dimension des Problems: 60.000 Hitzetote in Europa pro Jahr

Die Relevanz dieser Forschung wird durch erschreckende Zahlen untermauert: Bereits heute sterben in Europa nach Angaben des Forschungsteams jährlich mehr als 60.000 Menschen an hitzebedingten Ursachen. Für Deutschland prognostizieren Modellrechnungen bis zum Ende des Jahrhunderts einen Anstieg auf 12.000 bis 42.000 jährliche hitzebedingte Todesfälle – abhängig davon, wie konsequent Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen umgesetzt werden.

Verhaltensbasierte Prävention, die auf den richtigen Zeitpunkt und die richtige Ansprache setzt, könnte einen wesentlichen Beitrag leisten, diese Zahlen zu senken. Das ist die eigentliche Botschaft hinter SWEATR: Nicht nur wissen, was hilft – sondern verstehen, wann Menschen bereit sind, es anzuwenden.

Was das für Betroffene bedeutet

Die Ergebnisse haben praktische Konsequenzen. Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen – sowie alle, die gleichzeitig körperlich erkrankt sind – sollten Hitzephasen besonders ernst nehmen. Zu den empfohlenen Schutzmaßnahmen zählen: ausreichend Flüssigkeit, kühle Räume aufsuchen (Kühlräume, klimatisierte öffentliche Gebäude), körperliche Belastung meiden und den sozialen Kontakt aufrechterhalten.

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Häufige Fragen

Ab welcher Temperatur beeinträchtigt Hitze die Psyche?

Laut der SWEATR-Studie der Universitätsmedizin Magdeburg zeigt sich bereits ab 25 °C ein messbares Absinken von psychischem und körperlichem Wohlbefinden. Ängstliche und depressive Symptome nehmen an solchen Tagen nachweislich zu.

Wer ist bei Hitzestress psychisch besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind Menschen, bei denen sowohl psychische als auch körperliche Vorbelastungen gleichzeitig vorliegen. Das Zusammentreffen beider Faktoren – nicht eines allein – erhöht laut SWEATR-Studie das Risiko deutlich.

Was hilft, bei Hitze die Psyche zu schützen?

Neben klassischen Hitzeschutzmaßnahmen (Wasser trinken, kühle Räume, körperliche Belastung meiden) zeigt die Studie: Wer die Risiken für sich persönlich wahrnimmt und glaubt, selbst etwas tun zu können (Selbstwirksamkeit), handelt eher schützend. Konkrete Information und emotionale Ansprache helfen dabei.

Was ist das SWEATR-Projekt?

SWEATR ist ein Verbundprojekt der Universitätsklinika Magdeburg und Heidelberg, gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Seit Sommer 2026 läuft eine Folgestudie mit 539 Teilnehmenden, die untersucht, wie gezielte Risikokommunikation Schutzverhalten beeinflussen kann.

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