Studie
Von Redaktion

Sarkopenie: Jeder dritte Mensch über 60 verliert gefährlich viel Muskelmasse

RKI-Daten: 1 von 3 Ü60 hat Sarkopenie. Neue Studie im Ärzteblatt zeigt den Zusammenhang zwischen Muskelkraft und Sterblichkeit – und was dagegen hilft.

Laut Auswertungen des Robert Koch-Instituts ist etwa jeder dritte Mensch über 60 Jahre in Deutschland von Sarkopenie betroffen – dem altersassoziierten Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft [1]. Eine neue Studie im Deutschen Ärzteblatt (März 2026) zeigt, dass ein Rückgang der Muskelkraft bei älteren Frauen direkt mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden ist [2]. Die gute Nachricht: Sarkopenie ist kein unabwendbares Schicksal – wer frühzeitig gegensteuert, kann Muskelmasse erhalten und Lebensqualität schützen. ## Was ist Sarkopenie? Sarkopenie (griechisch: sarx = Fleisch, penia = Mangel) bezeichnet den progressiven, generalisierten Verlust von Muskelmasse und Muskelfunktion. Der Prozess beginnt bereits ab dem 30. Lebensjahr: Ab dann verliert der Körper jährlich etwa 0,5 bis 1 Prozent seiner Muskelmasse. Ab dem 60. Lebensjahr beschleunigt sich dieser Abbau deutlich [3]. Hauptursachen auf zellulärer Ebene sind der Verlust von Motoneuronen und Muskelfasern, eine Atrophie der sogenannten Typ-II-Muskelfasern (die für schnelle und kraftvolle Bewegungen zuständig sind) sowie eine anabolische Resistenz: Ältere Menschen bauen auf einen Proteinreiz hin weniger neues Muskelgewebe auf als jüngere. ## Muskelkraft und Sterblichkeit: Was die neue Studie zeigt Eine im März 2026 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte Studie analysierte Daten von mehreren Tausend älteren Frauen und stellte einen klaren Zusammenhang zwischen Muskelkraft und Sterblichkeit fest: Je geringer die Griffstärke, desto höher das Risiko, frühzeitig zu sterben [2]. Die Ergebnisse bestätigen, was Geriatrie-Experten seit Jahren betonen: Muskelkraft ist ein unterschätzter Vitalparameter – vergleichbar mit Blutdruck oder Blutzucker. Dass Muskeln und Langlebigkeit eng verknüpft sind, zeigen auch internationale Daten: Eine Metaanalyse im Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle kommt zu dem Schluss, dass ein niedriger Skelettmuskelindex mit einem um 25 bis 45 Prozent erhöhten Sterberisiko assoziiert ist. ## Überraschende Verbindung: Darm und Muskeln Aktuelle Forschung zeigt eine unerwartete Verbindung zwischen Darmgesundheit und Muskelkraft. Ältere Erwachsene mit nachweisbarer Roseburia inulinivorans – einem Darmbakterium, das kurzkettige Fettsäuren produziert – hatten in einer Studie eine um rund 29 Prozent höhere Handkraft als Gleichaltrige ohne diesen Keim. Der Anteil von Roseburia inulinivorans sinkt genau in der Lebensphase stark, in der Sarkopenie häufiger wird. Forscher sprechen von einer Darm-Muskel-Achse, die künftig therapeutisch relevant werden könnte. ## Wie wird Sarkopenie erkannt? Die Diagnose erfolgt über zwei Wege: - **Handgrip-Test (Griffstärke):** Ein einfaches, kostengünstiges Instrument. Grenzwerte: unter 16 kg für Frauen, unter 27 kg für Männer (EWGSOP2-Konsensus) - **Körperzusammensetzungsmessung:** DXA-Scan (Dual-Energy X-ray Absorptiometry) oder bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) zur Bestimmung der Muskelmasse - **Ganggeschwindigkeit:** Unter 0,8 m/s gilt als Hinweis auf eingeschränkte Muskelfunktion Ein einheitliches, einfaches Diagnosekriterium fehlt bislang in der klinischen Praxis [3]. In der Regel ist ein Geriatrie- oder Sportmedizin-Spezialist die richtige Anlaufstelle. ## Krafttraining: Die effektivste Therapie Der wissenschaftliche Konsens ist eindeutig: Gezieltes Krafttraining ist die wirksamste Maßnahme gegen Sarkopenie – auch im hohen Alter. Eine Metaanalyse zeigt, dass bereits zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche die Muskelproteinsynthese bei älteren Erwachsenen messbar anregen [3]. Dabei muss es kein Fitnessstudio sein: Treppensteigen, Kniebeugen und Liegestütz im Alltag sind nachweislich ebenso effektiv wie Gerätetraining – und verbessern die Alltagsmobilität sogar besser. Für eine optimale Wirkung gilt: - **Proteinzufuhr:** Ältere Menschen benötigen 1,0 bis 1,2 g Protein pro kg Körpergewicht täglich (mehr als die allgemeine Empfehlung von 0,8 g/kg). Pro Mahlzeit sollten mindestens 20 bis 40 g Protein aufgenommen werden. - **Timing:** Protein direkt nach dem Training fördert den Muskelaufbau. - **Kreatin:** Kann in Kombination mit Krafttraining die Muskelmasse bei älteren Menschen moderat erhöhen – die Evidenz ist für Kreatin unter allen Nahrungsergänzungsmitteln am stärksten [3]. - **Vitamin D:** Ein Mangel (häufig bei Ü65) schwächt die Muskelkraft. Substituieren nach ärztlicher Messung. ## Häufige Fragen zu Sarkopenie **Kann ich selbst prüfen, ob ich gefährdet bin?** Ein einfacher Haustest: Stellen Sie sich aus einem Stuhl auf, ohne die Hände zu benutzen. Gelingt das nicht, kann das auf eingeschränkte Beinmuskelkraft hinweisen. Der Griffstärketest mit einem Dynamometer ist in sportmedizinischen Praxen verfügbar. **Ab wann sollte ich zum Arzt?** Wenn Sie bemerken, dass alltägliche Aktivitäten – Treppensteigen, schwere Einkaufstaschen tragen – spürbar schwerer fallen als vor einigen Jahren, ist ein Gespräch mit dem Hausarzt sinnvoll. Geriatrische und sportmedizinische Praxen führen gezielte Muskelfunktionstests durch. **Helfen Eiweißshakes?** Proteinpulver können die Einnahme von 20 bis 40 g Protein pro Mahlzeit erleichtern, sind aber kein Ersatz für Krafttraining. Ohne mechanischen Reiz durch Bewegung wird das extra Protein nicht effektiv in Muskelmasse umgewandelt. ## Früh beginnen zahlt sich aus Sarkopenie lässt sich nicht vollständig verhindern, aber erheblich verlangsamen. Experten empfehlen, spätestens ab 40 Jahren regelmäßig Kraft- und Ausdauertraining in den Alltag zu integrieren. Wer bis 60 eine gute Muskelmasse aufgebaut hat, startet mit einem deutlich besseren Ausgangswert in den natürlichen Abbau. Selbst wer erst mit 70 oder 80 Jahren beginnt, profitiert: Studien belegen, dass auch Hochbetagte durch Krafttraining messbar Muskelmasse aufbauen und ihre Mobilität verbessern können. Hausärzte und Sportmediziner auf bestes.com/services helfen bei Diagnose und individuellem Trainingsplan. --- **Quellen:** [1] Sarkopenie – Häufigkeit nach RKI-Daten (2026), alles-biss-fit.de/sarkopenie-jeder-dritte-ue60-betroffen [2] Muskelkraft und Sterblichkeit bei älteren Frauen, Deutsches Ärzteblatt (März 2026), die-gesunde-wahrheit.de/2026/03/23/staerkere-muskeln-laengeres-leben [3] Sarkopenie: Ursachen und Behandlung – Studienzusammenfassung, zeitschrift-sportmedizin.de/sarkopenie-ursachen-und-behandlung

Die Bestes-App

Gesundheit, die kostenlos in deiner Tasche ist.

Quiz, Vorsorge, KI-Coach und mehr — für dich und deine Familie. Jetzt im App Store und bei Google Play.