Sechs von zehn Beschäftigten in Deutschland sind aktuell als burnout-gefährdet einzustufen. Das geht aus der Studie "Working 2025/2026" der Pronova BKK hervor [1]. Gleichzeitig bestätigt der Techniker Krankenkasse-Gesundheitsreport 2026, dass psychische Erkrankungen mehr als 20 Prozent aller Krankheitstage ausmachen und damit zum häufigsten Einzelgrund für Arbeitsunfähigkeit geworden sind [2]. Depressionen stehen seit Jahren an der Spitze.

Die Zahlen reihen sich ein in eine anhaltende Entwicklung. Der DAK-Psychreport 2025 hatte bereits gezeigt, dass die psychisch bedingten Fehltage gegenüber dem Vorjahr erneut gestiegen sind – um 6,9 Prozent [3]. Besonders betroffen: Beschäftigte in der Pflege, der Kinderbetreuung und im Sozialbereich.

Was hinter den Zahlen steckt

Burnout im klinischen Sinne ist keine eigenständige Diagnose, sondern beschreibt einen Zustand chronischer beruflicher Erschöpfung, der häufig in Depressionen oder Angststörungen übergeht. In der Pronova-BKK-Studie gaben Befragte als häufigste Belastungsquellen an: zu hohe Arbeitsbelastung, fehlende Wertschätzung und mangelnde Kontrolle über die eigene Arbeitssituation.

Pflegekräfte weisen laut DAK-Psychreport 2025 mit 573 psychisch bedingten Fehltagen pro 100 Versicherte die höchsten Werte auf – deutlich über dem Branchendurchschnitt [3]. Beschäftigte in Kindertagesstätten kommen auf 586 Fehltage. Die Zahlen zeigen, dass Berufe mit hoher emotionaler Belastung und gleichzeitig oft niedrigem gesellschaftlichem Status überproportional betroffen sind.

Psychotherapieplätze: Wartezeiten weiter zu lang

Die steigende Nachfrage trifft auf ein Versorgungssystem, das an seine Grenzen stößt. Laut Bundespsychotherapeutenkammer warten Patienten trotz einer Wartezeit-Reform im Schnitt noch immer mehrere Monate auf einen Therapieplatz. Online-Therapieangebote und digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) für psychische Erkrankungen haben zuletzt Marktanteile gewonnen – nach Zahlen des BfArM sind Indikationsfelder rund um Psyche und Psychosomatik weiterhin die häufigsten Nutzungsbereiche von DiGA überhaupt.

Die WHO hatte psychische Erkrankungen 2024 als eine der drei größten globalen Gesundheitsherausforderungen bis 2030 eingestuft. Dass Deutschland trotz gut ausgebautem Gesundheitssystem im europäischen Vergleich bei Versorgungsqualität und Wartezeiten hinterherhinkt, gilt als strukturelles Problem.

Was Betroffene tun können

Wer sich dauerhaft erschöpft, gereizt oder antriebslos fühlt, sollte nicht warten, bis sich die Symptome zur handfesten Depression entwickelt haben. Der erste Schritt ist in der Regel das Gespräch mit dem Hausarzt. Dieser kann eine psychiatrische Notfallüberweisung oder einen Therapieplatz über die "Terminservicestellen" der Kassenärztlichen Vereinigungen vermitteln. Digitale Ansätze – von App-basierten Stimmungstrackern bis zu DiGA – können überbrückend helfen.

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Quellen:
[1] Pronova BKK. "Working 2025/2026 – Arbeit und Gesundheit." 2026. https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/ueberblick/psychische-belastung-erreicht-2026-neuen-hoechststand/69075732
[2] Techniker Krankenkasse. "TK-Gesundheitsreport 2026." 2026. https://www.tk.de/presse/themen/gesundheitsreport
[3] DAK-Gesundheit. "DAK-Psychreport 2025." 2025. https://www.dak.de/dak/unternehmen/reporte-forschung/psychreport-2025_91766