Jeder Dritte schläft schlecht: RKI-Daten zeigen Anstieg seit 2011
Jeder dritte Erwachsene schläft schlecht: RKI-Studie (n=26.000) zeigt +5 Prozentpunkte seit 2011. Was Betroffene jetzt tun können.
Mehr als jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat Probleme beim Durchschlafen – und die Zahlen steigen. Das zeigen neue Daten des RKI-Panels „Gesundheit in Deutschland", die das Robert Koch-Institut im Journal of Health Monitoring veröffentlicht hat. Für die Studie werteten Forschende Angaben von mehr als 26.000 Frauen und Männern zwischen 18 und 79 Jahren aus dem Jahr 2024 aus. Das Ergebnis: Ein- und Durchschlafprobleme sind in der Bevölkerung deutlich häufiger als noch vor 15 Jahren – ein Befund, der Schlafmediziner und Public-Health-Experten seit Jahren besorgt.
Was die neuen RKI-Zahlen zeigen
Fast ein Drittel der Befragten berichtete von Durchschlafproblemen: Sie wachen nachts auf und finden schwer wieder in den Schlaf. Rund jeder Sechste gab an, Schwierigkeiten beim Einschlafen zu haben. Gut jeder Achte ist von beidem betroffen – kann also weder gut einschlafen noch durchschlafen. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer, und ältere Altersgruppen berichten generell häufiger von Schlafproblemen.
Besonders auffällig ist der historische Vergleich. In der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) aus den Jahren 2008 bis 2011 lagen Ein- und Durchschlafprobleme bei 30,3 Prozent der Bevölkerung. In der aktuellen Erhebung von 2024 sind es 35,3 Prozent – ein Anstieg um fünf Prozentpunkte in weniger als 15 Jahren. Für die Analyse wurden Angaben von mehr als 14.000 Frauen und über 12.000 Männern ausgewertet, womit die Studie als eine der größten repräsentativen Erhebungen zum Schlafverhalten Erwachsener in Deutschland gilt.
Wann Schlafprobleme zur behandlungsbedürftigen Erkrankung werden
Gelegentlich schlecht zu schlafen kennt fast jeder. Eine Insomnie – der medizinische Begriff für eine behandlungsbedürftige Schlafstörung – liegt erst vor, wenn Probleme regelmäßig über Wochen auftreten und die Leistungsfähigkeit oder Lebensqualität spürbar beeinträchtigen. Als Orientierung gilt: mindestens dreimal pro Woche, über mindestens drei Monate.
Laut dem RKI-Bericht ist Insomnie kein Randproblem. Sie gilt als anerkannter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herzinfarkt. Auch das Risiko für Depressionen und Angststörungen steigt bei chronischem Schlafmangel nachweislich. Dazu kommen erhebliche wirtschaftliche Folgen: mehr Arztbesuche, höhere Behandlungskosten und spürbar verminderte Produktivität am Arbeitsplatz. Das RKI spricht sowohl von direkten Kosten – etwa für Diagnostik und Therapie – als auch von indirekten Kosten durch Fehlzeiten und Leistungsminderung.
Warum schlafen wir schlechter als früher?
Die Forschenden des RKI nennen mehrere mögliche Erklärungen für den Anstieg. An erster Stelle steht die gestiegene Nutzung von Smartphones und anderen Bildschirmen, besonders in den Abendstunden. Das blaue Licht der Displays hemmt die Ausschüttung von Melatonin – dem Schlafhormon, das den Körper auf den Nachtschlaf vorbereitet. Wer kurz vor dem Zubettgehen noch auf Bildschirme schaut, signalisiert dem Gehirn: Es ist noch hell, noch nicht Zeit zu schlafen.
Neben der Mediennutzung benennen die Studienautorinnen und Studienautoren gesellschaftliche Stressoren als mögliche Ursache. Gesamtgesellschaftliche Krisen wie die COVID-19-Pandemie, die wachsende Sorge vor den Folgen des Klimawandels oder die Bedrohung durch militärische Konflikte könnten als anhaltender Hintergrundstress wirken und das Einschlafen erschweren. All das sind Faktoren, die seit dem Vergleichszeitraum 2008 bis 2011 deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Ob und in welchem Ausmaß sie tatsächlich für den Anstieg verantwortlich sind, lässt sich mit den vorliegenden Daten jedoch nicht abschließend klären.
Was Betroffene jetzt tun können
Wer über Wochen schlecht schläft und tagsüber unter Müdigkeit, Konzentrationsproblemen oder gereizter Stimmung leidet, sollte ärztlich abklären lassen, ob eine behandlungsbedürftige Insomnie vorliegt. Das empfiehlt das RKI ausdrücklich. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Bei schweren oder lang anhaltenden Fällen kann eine Überweisung an eine Schlafmedizinerin oder einen Schlafmediziner sinnvoll sein.
Als Therapie der ersten Wahl gilt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). Sie hilft, ungünstige Schlafgewohnheiten und Gedankenmuster zu erkennen und zu verändern, die schlechten Schlaf aufrechterhalten. Klinische Studien zeigen, dass KVT-I langfristig wirksamer ist als Schlafmittel, die allenfalls kurzzeitig eingesetzt werden sollten und bei regelmäßiger Einnahme abhängig machen können. Inzwischen ist KVT-I auch als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) verfügbar – verschreibungspflichtig, aber von der gesetzlichen Krankenkasse vollständig erstattet. Ergänzend können Schlaf-Tracking-Apps dabei helfen, Muster im eigenen Schlafverhalten zu erkennen und das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorzubereiten. Sie ersetzen keine Diagnose, sind aber ein nützlicher erster Schritt, um den eigenen Schlaf besser zu verstehen.
Häufige Fragen
Ab wann spricht man von einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung?
Laut internationaler Klassifikation liegt eine Insomnie vor, wenn Einschlaf- oder Durchschlafprobleme mindestens dreimal pro Woche auftreten, länger als drei Monate anhalten und die Alltagsfähigkeit deutlich einschränken. Wer diese Kriterien erfüllt, sollte ärztlichen Rat suchen. Insomnie tritt häufig zusammen mit anderen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder chronischen Schmerzen auf und kann diese verstärken.
Welche Behandlung ist am wirksamsten?
Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) ist die wirksamste Langzeitbehandlung und nachhaltiger als Schlafmittel. KVT-I ist inzwischen auch als digitale App auf Kassenrezept erhältlich. Bei körperlichen Ursachen wie Schlafapnoe – also nächtlichen Atemaussetzern – ist eine weiterführende Diagnostik im Schlaflabor notwendig.
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