Erste DiGA in der Schweiz: Depression-App deprexis jetzt erstattungsfähig
Ab 1. Juli 2026 wird deprexis von der Schweizer Krankenkasse erstattet. Warum das ein Meilenstein für digitale Psychotherapie in Europa ist.
Wer in Deutschland an Depressionen erkrankt, kann seit 2021 eine App auf Rezept bekommen: deprexis, entwickelt vom Hamburger Unternehmen GAIA, ist die meistverordnete digitale Gesundheitsanwendung bei Depressionen in Deutschland. Zum 1. Juli 2026 ist ein weiterer Meilenstein eingetreten: deprexis ist jetzt auch in der Schweiz verschreibungs- und erstattungsfähig – als erste DiGA überhaupt, die in zwei nationalen Gesundheitssystemen in die Regelversorgung gelangt ist.
Was die Schweizer Zulassung bedeutet
In der Schweiz übernimmt die Obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) – das Schweizer Äquivalent zur deutschen gesetzlichen Krankenversicherung – ab sofort einen erheblichen Teil der Kosten für deprexis. Gesamtpreis des 90-tägigen Programms: 271,32 Schweizer Franken. Die OKP erstattet davon 193,32 Franken als Höchstvergütungsbetrag. Den Differenzbetrag können viele Versicherte über Zusatzversicherungen abdecken.
Voraussetzung: eine ärztliche Verschreibung. Zugelassen sind Fachärztinnen und -ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Ärzte mit dem Schwerpunkt Psychosomatische und Psychosoziale Medizin. Eingesetzt werden kann deprexis bei leichten bis mittelschweren Depressionen sowie bei wiederkehrenden depressiven Störungen – ergänzend zu einer Psychotherapie oder als Überbrückung, bis ein Therapieplatz verfügbar ist.
Letzteres ist in der Schweiz besonders relevant: Wie in Deutschland warten Betroffene oft mehrere Wochen bis Monate auf einen kassenfinanzierten Psychotherapieplatz, besonders in ländlichen Regionen.
Warum gerade deprexis und nicht eine andere App
Ausschlaggebend für die Anerkennung als digitale Gesundheitsanwendung mit medizinischem Zweck war die Studienlage. deprexis gehört zu den am besten untersuchten digitalen Therapien weltweit: Laut BfArM-DiGA-Verzeichnis stützt sich der Wirksamkeitsnachweis auf randomisierte kontrollierte Studien, darunter die Arbeiten von Meyer et al. (2015) und Klein et al. (2016). Eine Meta-Analyse fasste Daten aus zwölf solcher Studien mit insgesamt fast 3.000 Patientinnen und Patienten zusammen – und zeigte eine statistisch signifikante Reduktion depressiver Symptome nach dreimonatiger Nutzung.
Prof. Dr. Thomas Berger, Leiter der Klinischen Psychologie an der Universität Bern, bringt es auf den Punkt: „Studien zeigen, dass digitale Therapien oft ebenso gut wirken wie persönliche Psychotherapiesitzungen. Deshalb glaube ich, dass medizinisch geprüfte Onlinetherapien wie deprexis in der Psychotherapie künftig eine zentrale Rolle spielen können." An der Universität Fribourg läuft derzeit eine weitere randomisierte kontrollierte Studie, die deprexis im realen Versorgungsalltag der frankophonen Schweiz prüft.
Was das für den europäischen DiGA-Markt bedeutet
Bislang galten digitale Gesundheitsanwendungen nach deutschem Muster als nationales Phänomen. Mit der Schweizer Erstattung von deprexis zeigt sich: Das Modell ist exportierbar. GAIA ist damit das erste Unternehmen überhaupt, das eine DiGA in zwei nationalen Regelversorgungssystemen verankert hat.
Für andere Anbieter digitaler Therapien in Deutschland ist das ein Signal: Die internationale Vermarktung von DiGAs ist möglich, wenn die Studienlage überzeugend ist. Länder wie Österreich, die Niederlande oder Frankreich beobachten das deutsche DiGA-Modell seit Jahren. Die Schweizer Entscheidung könnte als Blaupause dienen.
Was Betroffene in Deutschland und der Schweiz jetzt wissen sollten
In Deutschland ist deprexis bereits über alle gesetzlichen Kassen erstattungsfähig – Hausarzt oder Psychiater können es direkt auf Rezept ausstellen. Das 90-tägige Online-Programm basiert auf kognitiver Verhaltenstherapie und kann flexibel zu jeder Tages- und Nachtzeit genutzt werden.
Wer digitale Therapieangebote für Depressionen vergleichen möchte: Auf bestes.com gibt es eine Übersicht psychologisch geprüfter Apps und Programme. HelloBetter bietet ebenfalls als DiGA zugelassene Online-Kurse für Depressionen und Burnout. Selfapy ergänzt das Angebot mit Online-Psychotherapie auf Rezept. MindDoc hilft dabei, die eigene Stimmung zu beobachten und einzuschätzen, ob professionelle Unterstützung sinnvoll ist. Und Instahelp vermittelt kurzfristig Online-Psychologiegespräche, wenn der nächste Therapieplatz noch Wochen entfernt ist.