Von Redaktion

Drogentote 2025: Jeder vierte ist unter 30 – Mischkonsum als tödlichste Falle

2.150 drogenbedingte Todesfälle 2025 in Deutschland – Rekordniveau. Besonders alarmierend: Jeder vierte Drogentote ist jünger als 30 Jahre.

2.150 Menschen sind im Jahr 2025 in Deutschland an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. Die Zahl bleibt damit auf Rekordniveau – und sie zeichnet ein besonders beunruhigendes Bild: Fast jeder vierte Drogentote war jünger als 30 Jahre. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor, die der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Prof. Dr. Hendrik Streeck, am 7. Juli 2026 veröffentlicht hat. Seit 2021 sind die Todesfälle unter 30-Jährigen um mehr als die Hälfte gestiegen. Bei den unter 20-Jährigen hat sich die Zahl nahezu verdoppelt.

Mischkonsum: Die unterschätzte Todesfalle

Mehr als vier von fünf Drogentoten – 81,5 Prozent – starben laut Bundesdrogenbeauftragten nach dem gleichzeitigen Konsum mehrerer Substanzen. Dieses sogenannte Mischkonsum-Muster ist besonders verbreitet unter jungen Menschen. Häufig kombinieren sie Alkohol mit Benzodiazepinen (also rezeptpflichtigen Beruhigungs- und Schlafmitteln), opioidhaltigen Schmerzmitteln oder anderen psychoaktiven Arzneimitteln. Jede einzelne dieser Substanzen kann das zentrale Nervensystem dämpfen – zusammen wirken sie oft tödlich.

„Viele junge Menschen unterschätzen die Risiken und wissen nicht, wie gefährlich Mischkonsum mit Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen werden kann", warnt Streeck. Erschwerend kommt hinzu: Viele Jugendliche erkennen die Anzeichen einer gefährlichen Situation nicht – weder bei sich selbst noch bei anderen.

Kokain, Fentanyl, Nitazene: Ein sich wandelnder Drogenmarkt

Neben dem Mischkonsum verändert sich auch das Substanzspektrum rapide. Besonders dramatisch ist der Anstieg bei Kokain und Crack: 769 Todesfälle im Jahr 2025 weisen einen Zusammenhang mit diesen Substanzen auf – mehr als doppelt so viele wie noch 2021 (+110,7 Prozent). Parallel dazu breiten sich synthetische Opioide weiter aus. Bei Fentanyl – einem vielfach stärker wirkenden Schmerzmittel als Morphin – wurden 118 Todesfälle registriert, über 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Besonders besorgniserregend: Im Drug-Checking, also bei der Analyse sichergestellter Substanzen, tauchen zunehmend Tabletten auf, die äußerlich wie bekannte Medikamente aussehen, aber mit hochpotenten synthetischen Opioiden wie Nitazenen versetzt sind. Wer solche Tabletten einnimmt, weiß oft nicht, was wirklich darin steckt. Schon kleinste Mengen können tödlich sein. „Der Dealer an der Straßenecke ist längst nicht mehr das einzige Problem", so Streeck. „Drogen, gefälschte Medikamente und hochriskante Mischungen sind heute oft nur wenige Klicks entfernt."

Warum junge Menschen besonders gefährdet sind

Die Motive für Drogenkonsum im Jugendalter sind vielfältig: psychische Belastung, Neugier, sozialer Druck oder schlicht Übermut. Hinzu kommt, dass Jugendliche die mittel- und langfristigen Risiken von Substanzkonsum neurologisch noch nicht vollständig einschätzen können – das Gehirn ist bis etwa Mitte 20 noch in Entwicklung. Streeck betont, dass gerade psychische Vorbelastungen wie Angststörungen, Depressionen oder Schlafprobleme häufig der Einstieg in risikoreichen Substanzkonsum sind.

Diese Entwicklung ist kein deutsches Sonderproblem: Auch der aktuelle Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen und der Europäische Drogenbericht zeigen weltweit gestiegenen Konsum, insbesondere bei Kokain und synthetischen Drogen.

Was Bundesregierung und Suchthilfe jetzt tun – und was Betroffene wissen sollten

Die Bundesregierung arbeitet laut Bundesdrogenbeauftragten ressortübergreifend an Maßnahmen: Ausbau von Monitoring- und Frühwarnsystemen für synthetische Opioide, Stärkung der Präventionsangebote und bessere Erreichbarkeit der Suchthilfe für Jugendliche. Der Zugang zum Notfallmedikament Naloxon – es kann eine Opioid-Überdosierung abwenden – wurde bereits erleichtert.

Für Menschen mit riskantem Substanzkonsum oder deren Angehörige gibt es konkrete Anlaufstellen: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) betreibt unter 0800 111 0 550 eine kostenfreie Drogenberatungs-Hotline. Digitale Therapeutika wie HelloBetter bieten zudem evidenzbasierte Online-Programme für Stress, Angst und psychische Belastung – Zustände, die häufig dem Substanzkonsum vorausgehen. Achtsamkeits-Apps wie 7Mind können helfen, Stressmuster frühzeitig zu erkennen und gesündere Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Auf der Gesundheitsplattform bestes.com findest du eine Übersicht digitaler Unterstützungsangebote im Bereich psychische Gesundheit.

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