Von Redaktion

DAK-Report 2026: Jeder Zweite ab 50 will früher in Rente – Krankenstand steigt

DAK-Gesundheitsreport 2026: 52 % der Beschäftigten ab 50 planen vorzeitigen Renteneintritt. Krankenstand erreicht 11 % mit 66 Jahren.

Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten ab 50 Jahren in Deutschland will nicht bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten. Das zeigt der DAK-Gesundheitsreport 2026, für den das IGES Institut rund 7.000 Erwerbstätige befragt hat. Besonders auffällig: Bei Menschen mit schlechterer Gesundheit sind es sogar 60 Prozent, die einen vorzeitigen Ausstieg planen. Für Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels ist das ein wachsendes Problem.

Wer früher geht – und warum

44 Prozent aller Beschäftigten – über alle Altersgruppen hinweg – denken laut der Befragung über einen vorzeitigen Renteneintritt nach. Unter den ab 50-Jährigen steigt dieser Anteil auf 52 Prozent. Entscheidend ist dabei die eigene Gesundheit: Beschäftigte dieser Altersgruppe, die ihren Gesundheitszustand als gut bewerten, planen zu 49 Prozent einen früheren Abgang. Bei denjenigen mit schlechterer Gesundheit liegt der Wert bei 60 Prozent – ein Unterschied von elf Prozentpunkten.

Nur neun Prozent aller Befragten planen, über das gesetzliche Rentenalter hinaus tätig zu bleiben. 35 Prozent möchten bis zur regulären Altersgrenze arbeiten. Für Unternehmen bedeutet das: Die erfahrensten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen den Betrieb früher als nötig – mit erheblichen Folgen für Wissenstransfer und Personalplanung.

Krankenstand steigt mit dem Alter stark an

Parallel zur Befragung hat IGES den Krankenstand von 2,4 Millionen DAK-versicherten Beschäftigten ausgewertet. Das Ergebnis widerlegt ein verbreitetes Vorurteil: Ältere Beschäftigte werden seltener krankgeschrieben als jüngere. Auf 100 Beschäftigte ab 50 Jahren kamen im Jahr 2025 nur 165 Krankschreibungen – bei den unter 50-Jährigen waren es 213.

Doch wenn Ältere krank werden, dauert es länger. Eine Krankschreibung dauert bei Beschäftigten über 50 im Schnitt 16,3 Tage – doppelt so lang wie bei Jüngeren. Insgesamt kommen ältere Beschäftigte so auf 26,9 Fehltage pro Kopf und Jahr, während es bei den unter 50-Jährigen 17,4 Tage sind. Ab Mitte 50 zeigt sich eine besonders deutliche Dynamik: Der Krankenstand liegt bei den 50-Jährigen bei 5,8 Prozent, steigt bis 60 auf 7,7 Prozent und erreicht mit 66 Jahren einen Durchschnittswert von 11 Prozent. Das bedeutet: An jedem Arbeitstag fehlen rechnerisch elf von 100 Beschäftigten dieser Altersgruppe.

Wertschätzung als wichtigster Hebel

Was würde Menschen dazu bringen, länger zu arbeiten? Laut dem DAK-Gesundheitsreport steht Wertschätzung an erster Stelle. 40 Prozent der Befragten ab 50 nennen „mehr Wertschätzung für meine Arbeitsleistung" als wichtigste Voraussetzung, um gesund, motiviert und leistungsfähig zu bleiben. Weitere 36 Prozent fordern, dass ihr Erfahrungswissen stärker anerkannt und genutzt wird.

Die Zahlen zeigen: Fehlende Anerkennung hat direkte Folgen. Beschäftigte ab 50, die wenig Wertschätzung für ihr Erfahrungswissen erfahren, planen häufiger einen vorzeitigen Renteneintritt als solche mit hoher Anerkennung – 55 gegenüber 49 Prozent. Dabei geben nur 44 Prozent aller Befragten an, tatsächlich ein hohes Maß an Anerkennung durch Vorgesetzte zu erhalten.

„Der Schlüssel für ein längeres Erwerbsleben sind ein nachhaltiges betriebliches Gesundheitsmanagement und eine Unternehmenskultur, die die Erfahrung älterer Beschäftigter wertschätzt", kommentiert DAK-Vorstandschef Andreas Storm die Ergebnisse. „Unternehmen müssen Gesundheitsangebote verstärken, denn sie können es sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels nicht mehr leisten, ältere Beschäftigte und deren Kompetenzen zu verlieren."

Aktivrente: offen, aber kein Selbstläufer

Mit der Aktivrente hat die Bundesregierung ein Modell eingeführt, das Menschen finanziell belohnt, wenn sie über das Rentenalter hinaus arbeiten. Die Befragung zeigt eine gemischte Resonanz: 65 Prozent der ab 50-Jährigen sind dem Modell grundsätzlich offen gegenüber. Doch eine klare Nutzungsabsicht haben nur 24 Prozent. Weitere 41 Prozent schließen es nicht aus, während 35 Prozent die Aktivrente klar ablehnen.

Frauen stehen dem Modell skeptischer gegenüber: 36 Prozent nennen gesundheitliche Einschränkungen als Haupthindernis. Zudem zweifeln Frauen häufiger als Männer (32 gegenüber 27 Prozent) daran, überhaupt ein passendes Arbeitsangebot zu finden – und sie gehen öfter davon aus, dass ältere Beschäftigte am Arbeitsmarkt weniger gefragt sind.

Häufige Fragen

Was ist der DAK-Gesundheitsreport?

Der DAK-Gesundheitsreport erscheint jährlich und analysiert Krankenstände und Gesundheitstrends bei Beschäftigten in Deutschland. Die Ausgabe 2026 hat das IGES Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit erstellt und konzentriert sich auf die Situation von Beschäftigten ab 50 Jahren.

Warum fallen ältere Beschäftigte länger aus?

Ältere Beschäftigte erkranken seltener, aber an ernsteren Erkrankungen. Herzerkrankungen, Muskel-Skelett-Beschwerden und psychische Erkrankungen verlaufen im höheren Alter häufig schwerer und führen zu längeren Ausfallzeiten. Das ist kein Zeichen geringerer Leistungsfähigkeit, sondern Ausdruck schwererer Diagnosen.

Was können Beschäftigte ab 50 tun, um länger gesund zu arbeiten?

Regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf bilden die Grundlage. Ebenso wichtig: Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen, Stress aktiv managen und offen mit Vorgesetzten über belastende Arbeitsbedingungen sprechen. Gesetzlich Krankenversicherte haben zudem Anspruch auf Bonusprogramme und Gesundheitskurse ihrer Kasse – diese lohnen sich konkret zu nutzen.

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