Tubulis

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) gelten als eine der vielversprechendsten Klassen neuartiger Krebstherapeutika – und Tubulis GmbH gehört zu den europäischen Vorreitern auf diesem Feld. Das Münchener Biotechnologieunternehmen entwickelt mit seiner proprietären P5-Biokonjugations-Plattform ADCs, die eine präzise Wirkstoffzulieferung an Tumorzellen ermöglichen sollen, ohne gesundes Gewebe unverhältnismäßig stark zu belasten.

01 · Profil

Über Tubulis

Wie funktioniert's

Das Kernprinzip eines ADC besteht darin, einen zielgerichteten monoklonalen Antikörper mit einem zytotoxischen Wirkstoff zu koppeln: Der Antikörper erkennt ein tumorspezifisches Antigen, bindet an die Krebszelle und gibt den Wirkstoff gezielt frei. Tubulis setzt auf seine P5-Konjugationstechnologie, die laut Unternehmensangaben eine gleichmäßigere Wirkstoffbeladung und verbesserte Stabilität im Blutkreislauf erzielt. Das führende Programm TUB-040 richtet sich gegen das Antigen NaPi2b, das bei Eierstockkrebs und Lungenadenokarzinomen überexprimiert wird, und befindet sich in einer Phase-1/2-Studie für platinresistenten Eierstockkrebs sowie rezidivierten nicht-kleinzelligen Lungenkrebs. Ein zweites klinisches Programm, TUB-030 mit Ziel 5T4, wird ebenfalls in soliden Tumorentitäten evaluiert.

Studienlage und Belege

ADCs haben in den vergangenen Jahren eine klinische Renaissance erlebt: Seit der Zulassung von Enhertu durch die FDA vervielfachte sich die Zahl der Kandidaten in klinischen Studien weltweit. Tubulis präsentierte erste klinische Daten zu TUB-040 auf dem ESMO-Kongress 2025, die laut Unternehmensangaben die Weiterentwicklung in weitere Tumorentitäten und frühere Therapielinien stützen. Parallel zeigten neue Daten, die ebenfalls auf dem AACR 2025 vorgestellt wurden, dass die GDF-15-Blockade die Wirksamkeit von ADCs steigern kann – ein Befund, der Kombinationsstrategien für Tubulis-Programme eröffnet.

Wer steckt dahinter

Tubulis wurde 2019 in München gegründet und ist aus dem Helmholtz-Pionier-Campus München hervorgegangen. Im Oktober 2025 schloss das Unternehmen eine Series-C-Finanzierungsrunde über 308 Millionen Euro ab, angeführt von Venrock Healthcare Capital Partners mit Beteiligung von Wellington Management und Ascenta Capital – laut EU-Startups die größte Series C, die je ein europäisches Biotech-Unternehmen abgeschlossen hat. Im Jahr 2026 kündigte der US-amerikanische Pharmariese Gilead Sciences die Übernahme von Tubulis für bis zu fünf Milliarden US-Dollar an; der Abschluss wird für das zweite Quartal 2026 erwartet, wie Gilead Sciences in einer Pressemitteilung bekannt gab. Der Münchener Standort soll als ADC-Innovationszentrum innerhalb des Gilead-Konzerns weitergeführt werden.

Im Vergleich zu Alternativen

Tubulis positioniert sich im Wettbewerb mit globalen ADC-Entwicklern wie AstraZeneca/Daiichi Sankyo, ImmunoGen und Pfizer/Seagen. Gegenüber anderen deutschen Onkologie-Biotechs – etwa CatalYm, das auf den GDF-15-Immunmodulator Visugromab setzt, oder Abalos Therapeutics, die mit arenaviralem Immun-Virotherapeutikum arbeiten – verfolgt Tubulis einen zielgerichteten biochemischen Ansatz. Das Unternehmen ist eines der wenigen europäischen Biotechs, das in der ADC-Klasse eine globale Partnerschaft mit einem Big-Pharma-Konzern dieser Größenordnung realisiert hat.

02 · Wer profitiert

Zielgruppe

Die Zielgruppe von Tubulis umfasst hauptsächlich medizinische Fachkräfte und Institutionen im Bereich der Onkologie, wie Krankenhäuser, Forschungseinrichtungen und Pharmaunternehmen. Darüber hinaus richtet sich das Unternehmen an Investoren, die an innovativen Krebstherapien interessiert sind.

FAQ · 04 Fragen

Häufig gefragt zu Tubulis

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Bei ADCs wird ein zytotoxischer Wirkstoff an einen zielgerichteten Antikörper gekoppelt. Dieser bindet selektiv an Tumorzellantigene und gibt den Wirkstoff erst nach Internalisierung in die Krebszelle frei – was die systemische Toxizität gegenüber konventionellen Zytostatika deutlich reduzieren soll.

TUB-040 richtet sich gegen das Antigen NaPi2b und wird in Phase-1/2-Studien für platinresistenten Eierstockkrebs sowie rezidivierten oder refraktären nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) untersucht.

Gilead Sciences hat 2026 die Übernahme von Tubulis für bis zu fünf Milliarden US-Dollar angekündigt. Nach Abschluss der Transaktion soll der Münchener Standort als eigenständiges ADC-Forschungszentrum innerhalb von Gilead weitergeführt werden.

Die Series C von Oktober 2025 umfasste 308 Millionen Euro, angeführt von Venrock Healthcare Capital Partners. Das ist laut EU-Startups die größte Series-C-Runde eines europäischen Biotechs.

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