West-Nil-Virus in Deutschland: RKI warnt vor Mückensaison 2026
Das RKI warnt: West-Nil-Virus hat sich in Ostdeutschland etabliert – und die Asiatische Tigermücke breitet sich immer weiter aus.
Mit dem Sommer beginnt in Deutschland auch die Saison für mückenübertragene Infektionskrankheiten. Das Robert Koch-Institut warnt in seinem Epidemiologischen Bulletin vom 18. Juni 2026 vor zwei wachsenden Bedrohungen gleichzeitig: Das West-Nil-Virus hat sich in mehreren deutschen Regionen dauerhaft angesiedelt – und die Asiatische Tigermücke breitet sich immer weiter nach Norden aus. Was das für Menschen bedeutet, die in betroffenen Gebieten wohnen oder in den Urlaub fahren.
Was ist das West-Nil-Virus – und wie gefährlich ist es?
Das West-Nil-Virus wird von heimischen Stechmücken der Gattung Culex übertragen, also denselben Mücken, die hierzulande schon immer vorkommen. Die gute Nachricht: Etwa vier von fünf Infizierten bemerken die Ansteckung gar nicht. Rund ein Fünftel entwickelt grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen.
Gefährlich wird es bei weniger als einem Prozent der Fälle: Dann kann das Virus das Nervensystem angreifen und eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis) auslösen. Ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem tragen das höchste Risiko für einen schweren Verlauf. Laut RKI-Epidemiologischem Bulletin 25/2026 wurden im Jahr 2025 vier Fälle von im Inland erworbenen West-Nil-Infektionen gemeldet – drei davon mit schweren neurologischen Komplikationen.
Wo in Deutschland ist das Virus bereits verbreitet?
Seit 2019 werden in Deutschland jedes Jahr Menschen mit dem West-Nil-Virus infiziert, ohne zuvor ins Ausland gereist zu sein. Besonders betroffen sind laut RKI die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – hier hat sich das Virus mittlerweile fest etabliert. Im Jahr 2025 kamen erstmals auch autochthone, also im Inland erworbene, Infektionen in Bayern hinzu.
Als Frühwarnsystem dienen Nachweise bei Vögeln und Pferden: Diese Funde reichen bereits über die bekannten menschlichen Erkrankungsgebiete hinaus und deuten darauf hin, dass sich das Virus in den kommenden Jahren weiter ausbreiten wird. Die Übertragungssaison in Deutschland erstreckt sich typischerweise von Juli bis Ende September.
Die Tigermücke: Wie gefährlich ist sie für Deutschland?
Neben dem West-Nil-Virus bereitet das RKI auch die zunehmende Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke (wissenschaftlich: Aedes albopictus) Sorgen. Das schwarz-weiß gestreifte Insekt ist an seinen hellen Beinstreifen erkennbar und ursprünglich in Südostasien heimisch. Inzwischen hat es sich in Teilen Baden-Württembergs, Rheinland-Pfalz, Hessens und Nordrhein-Westfalens fest angesiedelt. Auch in einzelnen Städten Bayerns, Thüringens und Berlins gibt es etablierte Populationen.
Die Tigermücke kann prinzipiell Dengue-, Chikungunya- und Zikaviren übertragen. Wichtig zu wissen: In Deutschland wurden solche Übertragungen bislang nicht nachgewiesen. Voraussetzung wäre, dass eine Tigermücke zunächst einen infizierten Reiserückkehrer sticht – und danach eine weitere Person. Ein theoretisches, aber derzeit noch seltenes Szenario. Anders sieht die Lage in Südeuropa aus: Im Sommer 2025 kam es in Italien und Frankreich zu mehreren Chikungunya-Ausbrüchen, begünstigt durch viele Reiserückkehrer von den stark betroffenen Inseln La Réunion und Mauritius.
Was Reisende jetzt wissen müssen
Wer in Dengue- oder Chikungunya-Endemiegebiete reist – also etwa nach Süd- und Südostasien, in die Karibik oder nach Südamerika – sollte ganztägig Mückenschutz verwenden, nicht nur abends. Laut RKI-Bulletin wurden Ende 2025 und Anfang 2026 vermehrt Chikungunya-Infektionen bei Reisenden gemeldet, die auf den Seychellen oder in Kuba Urlaub gemacht hatten.
Nach der Rückkehr aus Regionen mit Tigermücken-Vorkommen empfiehlt das RKI, noch zwei Wochen lang Schutzmaßnahmen einzuhalten – um das Risiko einer Weiterübertragung durch hiesige Tigermücken zu minimieren. Wer nach dem Urlaub Fieber oder Gelenkschmerzen entwickelt, sollte den Arzt auf eine mögliche reisemedizinische Erkrankung hinweisen. Eine schnelle Einschätzung bieten auch Telemedizin-Dienste wie TeleClinic oder Kry, die ohne Wartezimmer eine erste ärztliche Einschätzung ermöglichen.
Wie Sie sich konkret schützen können
Die wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen Mückenstiche sind unabhängig vom Erreger dieselben:
- Mückenabwehrmittel (Repellentien) auf unbedeckte Hautstellen auftragen – Wirkstoffe wie DEET, Icaridin oder IR3535 gelten laut Auswärtigem Amt als wirksam
- Abends und in der Dämmerung lange Kleidung tragen – in Gebieten mit Tigermücken auch tagsüber
- Fenster mit Fliegengittern sichern und stehende Wasseransammlungen (Blumentopfuntersetzer, Regentonnen, Planschbecken) beseitigen, da Mücken darin brüten
- Beschwerden wie anhaltendes Fieber, starke Kopfschmerzen oder Verwirrtheit nach Mückenstichen ernst nehmen und ärztlichen Rat suchen
Bei Hautveränderungen nach Insektenstichen – etwa Rötungen, die sich ausbreiten – hilft ein Blick auf Dermanostic, einen Online-Dermatologen, der Fotos per App auswertet. Für eine allgemeine Symptom-Einschätzung bietet sich Ada Health an, ein KI-gestützter Symptom-Checker.
Häufige Fragen
Kann ich mich in Deutschland mit Denguefieber anstecken?
Bislang noch nicht durch Mücken im Inland. Alle bisher in Deutschland registrierten Dengue-Fälle wurden im Ausland erworben. Die Tigermücke, die Dengue theoretisch übertragen könnte, breitet sich zwar aus – aber autochthone Dengue-Übertragungen wurden hier noch nicht nachgewiesen.
Ist das West-Nil-Virus neu in Deutschland?
Nein. Seit 2019 werden jedes Jahr Infektionen gemeldet, die im Inland erworben wurden. Das Virus hat sich in bestimmten Regionen – vor allem im Osten und Süden Deutschlands – bereits dauerhaft etabliert. Der Trend zur weiteren Ausbreitung wird laut RKI anhalten.
Was tun bei Verdacht auf eine West-Nil-Infektion?
Bei anhaltendem Fieber, starken Kopfschmerzen oder neurologischen Symptomen wie Verwirrtheit oder Nackensteife in den Sommermonaten sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Auch ohne Auslandsreise ist eine West-Nil-Infektion in betroffenen Regionen möglich. Online-Arzt-Plattformen wie Zava können für eine erste Einschätzung genutzt werden, ersetzen aber bei neurologischen Symptomen keinen Notarztbesuch.