Von Redaktion

Wechseljahre 2026: Erste hormonfreie Tablette gegen Hitzewallungen in Deutschland

Seit April 2026 ist Elinzanetant (Lynkuet) verfügbar – die erste duale hormonfreie Therapie gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren. Was die Studien zeigen.

Schweißausbrüche mitten in der Nacht, plötzliche Hitzewallungen mehrfach täglich, Schlaf der nicht mehr erholt – für viele Frauen gehört das jahrelang zum Alltag in den Wechseljahren. Bis zu 80 Prozent aller Frauen sind von vasomotorischen Beschwerden betroffen, also von Hitzewallungen und Schweißausbrüchen, die durch sinkende Östrogenspiegel ausgelöst werden. Seit April 2026 gibt es in Deutschland eine neue Option – und die kommt ganz ohne Hormone aus: Elinzanetant, verkauft unter dem Markennamen Lynkuet von Bayer. Die EU-Kommission hatte das Mittel im November 2025 zugelassen; seit dem 1. April 2026 ist es in deutschen Apotheken erhältlich.

Warum Hitzewallungen entstehen – und wo Elinzanetant ansetzt

Der Mechanismus hinter Hitzewallungen war lange nicht vollständig verstanden. Heute weiß man: Mit sinkendem Östrogenspiegel verändert sich das Gleichgewicht bestimmter Nervenzellen im Hypothalamus, dem Bereich des Gehirns, der Körpertemperatur und Schlaf reguliert. Sogenannte KNDy-Neuronen – benannt nach drei Botenstoffen, die sie ausschütten – werden überaktiv und lösen die typischen Hitzeschübe aus.

Bisherige Behandlungsoptionen waren entweder Hormone (Östrogenpräparate, die für Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko nicht in Frage kommen) oder pflanzliche Mittel mit begrenzter Wirksamkeit. Elinzanetant blockiert gleich zwei dieser Nervenzell-Rezeptoren auf einmal – die sogenannten Neurokinin-1- und Neurokinin-3-Rezeptoren. Das normalisiert die neuronale Überaktivität und unterbricht den Auslösemechanismus der Hitzewallungen. Weil kein Östrogen beteiligt ist, gilt das Mittel auch für Frauen als geeignet, die nach einer Brustkrebsbehandlung keine Hormone nehmen dürfen – und diese Gruppe ist in den Zulassungstext explizit aufgenommen.

Was die Studien zeigen

Die Zulassung basiert auf den Phase-III-Studien OASIS 1 und OASIS 2, die in mehreren Ländern mit tausenden Frauen durchgeführt wurden. Die Ergebnisse, zuletzt in der Zeitschrift Gynäkologische Endokrinologie zusammengefasst, sind deutlich: Nach zwölf Wochen hatten rund 71 bis 75 Prozent der Frauen mit Elinzanetant ihre Hitzewallungen um mindestens die Hälfte reduziert – unter Placebo waren es lediglich 42 bis 48 Prozent.

In absoluten Zahlen fällt der Unterschied noch deutlicher auf. Die Studienteilnehmerinnen litten zu Beginn unter 13 bis 16 Hitzewallungen pro Tag. Nach zwölf Wochen unter Elinzanetant sank diese Zahl auf durchschnittlich 1,5 Anfälle täglich – unter Placebo waren es noch 4,5. Wer profitierte, merkte die erste Wirkung oft schon in der ersten Behandlungswoche. Neben den Hitzewallungen verbesserten sich auch Schlafqualität und allgemeine Lebensqualität messbar, wie die Pharmazeutische Zeitung im Mai 2026 berichtete.

Für wen das Mittel geeignet ist – und für wen nicht

Elinzanetant ist zugelassen für Frauen bis 65 Jahre mit moderaten bis schweren vasomotorischen Beschwerden. Die Tagesdosis beträgt 120 Milligramm, aufgeteilt auf zwei Kapseln, die abends vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Das Mittel kann mit oder ohne Mahlzeit genommen werden – Grapefruitsaft sollte jedoch gemieden werden, da er den Abbau des Wirkstoffs beeinflusst.

Bei Frauen mit eingeschränkter Nierenfunktion (moderat bis schwer) wird die Dosis auf 60 Milligramm reduziert. Bei schwerer Leberfunktionsstörung ist das Mittel nicht empfohlen. In der Schwangerschaft ist Elinzanetant kontraindiziert, ebenso während der Stillzeit. Eine gleichzeitige Anwendung mit anderen Östrogentherapien wird nicht empfohlen – lokale vaginale Östrogenpräparate sind aber möglich.

Als häufigste Nebenwirkungen nannten die OASIS-Studien Kopfschmerzen und vorübergehende Müdigkeit. Das Sicherheitsprofil wurde als gut verträglich eingestuft.

Was das für Frauen in den Wechseljahren bedeutet

Neun Millionen Frauen in Deutschland befinden sich schätzungsweise derzeit in den Wechseljahren. Rund drei von vier haben vasomotorische Beschwerden, ein Drittel davon in einem Ausmaß, das den Alltag erheblich beeinträchtigt – Schlaf, Konzentration und Leistungsfähigkeit im Beruf eingeschlossen. Einer Studie der Wake Forest School of Medicine zufolge leiden Frauen im Schnitt 7,4 Jahre an Wechseljahresbeschwerden; beginnen die Symptome bereits in der Perimenopause, kann sich das auf bis zu fast zwölf Jahre ausdehnen.

Für diejenigen, die Hormone aus medizinischen Gründen nicht nehmen können oder wollen, gab es bislang kaum gut belegte Alternativen. Pflanzliche Präparate – etwa auf Basis von Traubensilberkerze oder Soja-Isoflavonen – zeigen in klinischen Studien eine deutlich schwächere Wirkung. Elinzanetant ist nach Fezolinentant (Veoza) bereits das zweite nicht-hormonelle Mittel dieser neuen Wirkstoffklasse – womit sich die Optionen für betroffene Frauen innerhalb kurzer Zeit erheblich erweitert haben.

Das Mittel ist verschreibungspflichtig. Gynäkologinnen und Gynäkologen sowie Hausarztpraxen können es verordnen. Für Frauen, die nach einer Brustkrebsbehandlung jahrelang auf wirksame Hilfe gegen starke Hitzewallungen verzichten mussten, dürfte die neue Option besonders relevant sein – sie ist explizit für diese Gruppe zugelassen.

Häufige Fragen

Muss ich ein Rezept haben, um Lynkuet zu bekommen?

Ja. Elinzanetant (Lynkuet) ist verschreibungspflichtig. Sie benötigen ein Rezept von Ihrer Gynäkologin, Ihrem Gynäkologen oder einer Hausarztpraxis.

Kann ich Elinzanetant nehmen, wenn ich Brustkrebs hatte?

Ja, für diese Gruppe ist das Mittel explizit zugelassen – gerade weil es ohne Hormone funktioniert. Besprechen Sie die Eignung mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt, da individuelle Faktoren eine Rolle spielen.

Wie schnell wirkt Elinzanetant?

In den OASIS-Studien berichteten viele Frauen bereits in der ersten Behandlungswoche von einer spürbaren Verbesserung. Der volle Effekt auf Häufigkeit und Schwere der Hitzewallungen sowie auf die Schlafqualität zeigt sich nach Angaben der Forschenden nach etwa vier bis zwölf Wochen Einnahme.

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