Transformationsfonds 2026–2035: 50 Milliarden Euro für das Gesundheitssystem
Seit Januar 2026 läuft der Transformationsfonds: 50 Milliarden Euro für Krankenhaus-Digitalisierung, Telemedizin und ePA – was das für Patienten bedeutet.
Seit Januar 2026 steht der Transformationsfonds bereit: Bis zum Jahr 2035 stellt Deutschland bis zu 50 Milliarden Euro für die grundlegende Modernisierung seiner Krankenhäuser zur Verfügung. Das ist das größte Investitionsprogramm für das deutsche Gesundheitswesen seit Jahrzehnten – und ein direktes Signal dafür, wohin die Reise geht: weg von veralteten Strukturen, hin zu digital vernetzter, patientennaher Versorgung. Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) trägt der Bund 25 Milliarden Euro aus den Liquiditätsreserven des Gesundheitsfonds bei, die Bundesländer steuern die andere Hälfte zu.
Was ist der Transformationsfonds?
Der Transformationsfonds ist ein zentraler Baustein des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes (KHVVG), das Ende 2024 von Bundestag und Bundesrat beschlossen wurde und seit Januar 2026 aktiv ist. Verwaltet wird der Fonds beim Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS). Krankenhäuser erhalten keine Direktzuweisungen – stattdessen stellen die Bundesländer Förderanträge für konkrete Projekte über ein neu eingerichtetes Online-Portal. Erstmals konnten Länder bereits im zweiten Halbjahr 2025 Anträge für das Jahr 2026 einreichen. Das BAS veröffentlicht monatlich – erstmals zum 31. März 2026 – Angaben über die Anzahl der gestellten Anträge, differenziert nach Bundesländern.
Das Reformziel ist ehrgeizig: weniger Doppelstrukturen, mehr Spezialisierung, bessere Qualitätskontrolle. Statt überall alles anzubieten, sollen Kliniken klarer definierte Leistungsgruppen übernehmen – 65 davon sind laut KHVVG bundesweit einheitlich geregelt. Das soll sicherstellen, dass komplexe Eingriffe nur noch dort durchgeführt werden, wo ausreichend Erfahrung und Ausstattung vorhanden sind. Eine Vorhaltevergütung soll künftig 60 Prozent der bisherigen diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG) ausmachen.
Was wird konkret gefördert?
Ein erheblicher Teil der Fördermittel fließt in die Digitalisierung. Laut dem Verordnungsentwurf zur Krankenhaustransformationsfonds-Verordnung (KHTFV), den das Deutsche Ärzteblatt einsehen konnte, zählen dazu: der Wechsel von Krankenhausinformationssystemen (KIS), Maßnahmen zur IT-Sicherheit sowie die Verbesserung der Interoperabilität – also der Fähigkeit verschiedener Systeme, miteinander zu kommunizieren. Auch der Aufbau telemedizinischer Netzwerkstrukturen zwischen Kliniken ist förderfähig, einschließlich robotergestützter Teleoperation. Das BMG hat bis September 2026 Zeit, verbindliche Bundesstandards für diese Telemedizin-Netzwerke festzulegen.
Daneben unterstützt der Fonds strukturelle Maßnahmen wie Zusammenschlüsse von Kliniken, den Aufbau sektorenübergreifender Versorgungseinrichtungen sowie die geordnete Schließung nicht mehr bedarfsgerechter Standorte. Letzteres gilt ausdrücklich nur, wenn die Versorgung der Bevölkerung dadurch nicht schlechter wird. Reine bauliche Instandhaltung ohne Strukturveränderung ist nicht förderfähig. Ebenfalls ausgeschlossen: Vorhaben, die bereits vor dem 1. Juli 2025 begonnen haben oder durch andere Programme finanziert werden.
Warum das für Patientinnen und Patienten direkt relevant ist
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Laut Digital Health Report 2026 finden 70 Prozent der Befragten, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu langsam voranschreitet. Gleichzeitig aktualisierte das BMG im Februar 2026 seine Digitalstrategie unter dem Titel „Gemeinsam Digital 2026" – mit dem erklärten Ziel, digitale Innovationen stärker in den Versorgungsalltag zu integrieren und die systematische Nutzung von Gesundheitsdaten auszubauen.
Ein Schlüsselelement ist die elektronische Patientenakte (ePA). Derzeit greifen laut BMG rund vier Millionen Versicherte aktiv auf ihre ePA zu – bis 2030 soll diese Zahl auf 20 Millionen steigen. Der Transformationsfonds schafft die technische Grundlage dafür auf Krankenhausseite: interoperable Systeme, die Behandlungsdaten strukturiert erfassen und weitergeben können. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das konkret: weniger Zettelwirtschaft, weniger doppelte Befunde, weniger Risiko durch Informationslücken zwischen verschiedenen Behandlern.
Was das für digitale Gesundheits-Apps bedeutet
Wenn Krankenhäuser interoperable IT-Systeme einführen und Telemedizin-Netzwerke entstehen, profitieren davon auch Apps, die Menschen im Alltag bei ihrer Gesundheit begleiten. Die ePA wird zum verbindenden Element: Behandlungsdaten können mit Einwilligung der Nutzerinnen und Nutzer in den persönlichen Gesundheitsalltag einfließen. Apps, die auf verständliche Gesundheitsinformationen und Orientierung im Versorgungssystem setzen, ergänzen diese digitalen Strukturen auf der Patientenseite – etwa bei der Vor- und Nachbereitung von Krankenhausaufenthalten, bei der Medikamentenübersicht oder beim Verständnis von Behandlungsplänen. Der Transformationsfonds ist also kein abstraktes Programm für Klinikmanager – er legt die Basis für ein Gesundheitssystem, das digitale Begleitung vom ersten Symptom bis zur Nachsorge ermöglicht.
Kritik und offene Fragen
Das Programm ist nicht unumstritten. Mehrere Krankenkassen haben laut Deutschem Ärzteblatt rechtliche Schritte geprüft, weil ein Teil der Bundesmittel aus den Liquiditätsreserven des Gesundheitsfonds stammt – also aus Beitragsgeldern der Versicherten. Auch der Sozialverband VdK hat Klage angekündigt. Der Bundesrechnungshof kritisierte, dass die Strukturverantwortung für Krankenhäuser Ländersache sei und der Bund nicht allein finanzieren sollte.
Hinzu kommt eine praktische Hürde: Krankenhäuser, die zu spät umstrukturieren oder deren Insolvenzrisiko als zu hoch eingestuft wird, könnten leer ausgehen. Die Reform ist kein Gießkannenprogramm: Wer Mittel aus dem Fonds möchte, muss echten strukturellen Wandel nachweisen und ein Insolvenz-Prüftestat sowie das Einvernehmen der Landesverbände der Krankenkassen vorlegen. Ob das Programm die erhofften Effekte tatsächlich entfaltet, wird sich in den nächsten Jahren zeigen – der erste Transparenzbericht des BAS war für den 31. März 2026 angekündigt. Klar ist bereits jetzt: Die Krankenhauslandschaft in Deutschland wird sich in den nächsten Jahren grundlegend verändern – und die digitale Gesundheitsversorgung rückt dabei ins Zentrum. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das eine Versorgung, die besser vernetzt, transparenter und erreichbarer ist als heute.