Von Redaktion

Stress im Studium 2026: Fast jeder Dritte von Burnout bedroht

TK-Dossier 2026: 41% der Studierenden häufig gestresst – fast doppelt so viele wie vor Corona. 35% zeigen Burnout-Warnsignale.

Fast die Hälfte aller Studierenden in Deutschland fühlt sich durch Prüfungen stark unter Druck gesetzt – und mehr als ein Drittel zeigt Symptome, die Fachleute als Burnout-Zeichen werten. Das sind die zentralen Befunde des TK-Dossiers 2026 "Wie geht's Deutschlands Studierenden?", das die Techniker Krankenkasse (TK) am 10. Juni 2026 veröffentlicht hat. Für die repräsentative Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Januar 2026 bundesweit 1.000 Studierende ab 18 Jahren per Telefon. Das Ergebnis macht deutlich: Die mentale Belastung an Deutschlands Hochschulen ist seit der Coronapandemie dauerhaft auf einem hohen Niveau verharrt.

Stress auf Rekordniveau: Der Vergleich vor und nach Corona

41 Prozent der Studierenden geben laut TK-Dossier 2026 an, sich häufig gestresst zu fühlen. Das ist zwar ein leichter Rückgang gegenüber der vorherigen Befragung aus dem Jahr 2023, als es noch 44 Prozent waren – aber deutlich höher als vor der Pandemie. Im Jahr 2015 gaben nur 23 Prozent der Studierenden an, sich häufig gestresst zu fühlen. Das entspricht fast einer Verdopplung. Das TK-Dossier erscheint nach Befragungen in 2015 und 2023 bereits zum dritten Mal und ermöglicht damit einen Langzeitvergleich über mehr als zehn Jahre.

Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Blick auf die sogenannte emotionale Erschöpfung – dem zentralen Warnzeichen für einen drohenden Burnout. 35 Prozent der Befragten wiesen 2026 eine hohe oder sehr hohe emotionale Erschöpfung auf. Zum Vergleich: In einer wissenschaftlichen Studie der TK in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin aus dem Jahr 2017 lag dieser Wert bei 24 Prozent. Mehr als jede dritte studierende Person zeigt damit Merkmale, die auf ein erhöhtes Burnout-Risiko hinweisen.

Was Studierende besonders belastet

Der stärkste Stressfaktor ist klar: Prüfungen. Knapp die Hälfte der Befragten – 49 Prozent – fühlt sich durch Prüfungen unter Druck oder stark unter Druck gesetzt. Auf Platz zwei folgt die Doppelbelastung durch Studium und Erwerbstätigkeit: 34 Prozent der Studierenden jobben neben dem Studium und empfinden das als Belastung. Angst vor schlechten Noten nannte fast jede vierte Person (28 Prozent) als Stressquelle, gefolgt von zu umfangreichem oder zu schwerem Lernstoff (ebenfalls 28 Prozent). Finanzielle Sorgen belasten 24 Prozent der Studierenden – ein Wert, der den wachsenden wirtschaftlichen Druck auf junge Menschen in Deutschland widerspiegelt.

"Ein gewisses Maß an Stress im Studium gehört dazu. Aber wenn sich die jungen Studierenden dauerhaft so stark belastet fühlen, sollte das zu denken geben. Gesundheit ist nicht nur die Basis für ein erfolgreiches Studium, sondern auch Voraussetzung für einen guten Start ins Berufsleben", kommentierte Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, die Ergebnisse bei der Veröffentlichung des Dossiers.

Warum gerade junge Erwachsene besonders gefährdet sind

Das Studium ist für viele Menschen die erste Lebensphase mit echter Selbstverantwortung – ohne feste Tagesstruktur, oft weit weg von Familie und sozialem Netz, mit dem permanenten Druck zu performen. Hinzu kommt, dass psychische Erkrankungen typischerweise erstmals im Alter zwischen 18 und 25 Jahren auftreten. Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) beginnen rund 75 Prozent aller psychischen Störungen vor dem 24. Lebensjahr. Das Studium fällt damit genau in ein Hochrisiko-Fenster.

Gleichzeitig scheuen viele Studierende den Gang zum Arzt oder zur Psychotherapeutin. Lange Wartezeiten – oft sechs Monate und mehr für einen Therapieplatz – sowie die Angst vor Stigmatisierung erschweren den Zugang zur Versorgung zusätzlich. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) aus dem Jahr 2024 zeigte, dass weniger als ein Drittel der Studierenden mit klinisch relevanten psychischen Symptomen professionelle Hilfe in Anspruch nimmt.

Was Studierende jetzt tun können

Die TK empfiehlt Studierenden, aktiv gegenzusteuern – mit konkreten Maßnahmen im Alltag. Dazu gehören regelmäßige Pausen, körperliche Bewegung und gezielte Entspannungsübungen. Die TK bietet ein kostenloses mehrstufiges Stressbewältigungsseminar namens TK-MentalStrategien an, das an vielen Hochschulen vor Ort zugänglich ist. Auch digitale Angebote – von Achtsamkeits-Apps über geführte Selbsthilfe-Programme bis hin zu Online-Psychotherapie – können eine erste Anlaufstelle sein, insbesondere wenn der Zugang zur klassischen Therapie erschwert ist.

Viele gesetzliche Krankenversicherungen beteiligen sich an den Kosten für anerkannte Gesundheitskurse zur Stressprävention und Entspannung. Wer erste Anzeichen von Erschöpfung, anhaltender Schlafstörungen oder Interessenverlust bemerkt, sollte frühzeitig das Gespräch mit einer Hausärztin oder einem Hochschulpsychologen suchen. Fast alle deutschen Hochschulen bieten kostenfreie psychologische Beratungsstellen an.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob mein Stress schon krankhaft ist?

Ein wichtiges Warnsignal ist, wenn Erschöpfung und Anspannung dauerhaft anhalten – also über Wochen statt nur in der Prüfungsphase. Weitere Zeichen: Schlafstörungen, sozialer Rückzug, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl, gar keine Freude mehr empfinden zu können. Wer mehrere dieser Symptome über mehr als zwei Wochen kennt, sollte das ernst nehmen und ärztliche oder psychologische Beratung suchen.

Was tun, wenn ich keinen Therapieplatz bekomme?

Als erste Anlaufstellen eignen sich die Psychologischen Beratungsstellen der Hochschulen (dort oft kostenlos und kurzfristig verfügbar), Hausärztinnen und Hausärzte sowie die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, kostenlos, 24/7). Digitale Angebote wie geführte Selbsthilfe-Programme können überbrücken, bis ein regulärer Therapieplatz verfügbar ist.

Welche Hochschule bietet Unterstützung an?

Nahezu alle deutschen Hochschulen verfügen über eine Psychologische Beratungsstelle des Deutschen Studentenwerks. Die Angebote sind in der Regel kostenlos und vertraulich. Außerdem bieten viele Krankenkassen Programme zur Stressbewältigung an – einfach bei der eigenen Krankenkasse anfragen.

Finde Psychotherapeutinnen und psychologische Unterstützungsangebote in deiner Nähe auf bestes.com.

Die Bestes-App

Gesundheit, die kostenlos in deiner Tasche ist.

Quiz, Vorsorge, KI-Coach und mehr — für dich und deine Familie. Jetzt im App Store und bei Google Play.