Prädiabetes: 8 Millionen Deutsche betroffen – und viele wissen es nicht
Prädiabetes betrifft 8 Mio. Deutsche – oft unbemerkt. DDG 2026: Mit Lebensstilveränderungen ist Typ-2-Diabetes in vielen Fällen vermeidbar.
Rund 8 Millionen Menschen in Deutschland haben Prädiabetes – eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes, die oft jahrelang unbemerkt bleibt. Die Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) warnte im Februar 2026 erneut vor der wachsenden Dunkelziffer [1]. Das Alarmierende: Prädiabetes ist in vielen Fällen umkehrbar – wenn man früh handelt.
## Was ist Prädiabetes?
Prädiabetes bedeutet: Der Blutzucker ist dauerhaft erhöht, liegt aber noch unterhalb der Grenze für Typ-2-Diabetes. Mediziner sprechen von einem Nüchternblutzucker zwischen 100 und 125 mg/dl oder einem HbA1c-Wert zwischen 5,7 und 6,4 Prozent. Der HbA1c zeigt, wie stark der Blutzucker in den vergangenen drei Monaten durchschnittlich war.
Viele Betroffene bemerken nichts. Es gibt kaum Beschwerden. Manche klagen über gelegentliche Müdigkeit oder vermehrten Hunger – Symptome, die leicht auf andere Ursachen geschoben werden. Dabei tickt die Uhr: Unbehandelt entwickeln rund 30 Prozent der Betroffenen innerhalb von fünf Jahren einen manifesten Typ-2-Diabetes [1].
## Wer ist besonders gefährdet?
Die DDG-Risikogruppen: Menschen mit Übergewicht (Body-Mass-Index über 25), körperlich Inaktive, Personen über 45 Jahre, Menschen mit erhöhten Blutfettwerten sowie Frauen, die während der Schwangerschaft an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt waren. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle – wer Eltern oder Geschwister mit Typ-2-Diabetes hat, trägt ein erhöhtes Risiko.
Der Deutsche Gesundheits-Check beim Hausarzt ab 35 Jahren enthält seit 2022 eine Nüchternblutzuckermessung. Viele Prädiabetes-Diagnosen werden dort zufällig gestellt.
## Die gute Nachricht: Prädiabetes ist oft umkehrbar
Das ist die entscheidende Botschaft: Anders als Typ-2-Diabetes, der zwar gut behandelbar, aber selten vollständig heilbar ist, lässt sich Prädiabetes in vielen Fällen durch Lebensstilveränderungen normalisieren. Mehrere große Studien belegen das.
Das Finnische Diabetes-Präventionsprogramm und die US-amerikanische Diabetes Prevention Program (DPP) Studie zeigten: Wer durch Ernährungsumstellung und mehr Bewegung das Körpergewicht um 5 bis 7 Prozent reduziert, senkt das Diabetesrisiko um rund 58 Prozent [2]. Bei über 60-Jährigen war der Effekt sogar noch stärker.
Die DDG empfiehlt: 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche – zum Beispiel zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen. Ernährungstechnisch hilft eine ausgewogene Kost mit weniger verarbeiteten Kohlenhydraten, mehr Ballaststoffen und gesunden Fetten.
## Was tun bei Prädiabetes-Diagnose?
Erster Schritt: Ruhe bewahren. Prädiabetes ist kein Urteil, sondern ein Signal. Wer jetzt handelt, hat gute Chancen. Hausärzte können in ein strukturiertes Abnehm- oder Bewegungsprogramm überweisen. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten viele Präventionsprogramme – etwa Kurse der deutschen Krankenkassen oder zertifizierte Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs).
Regelmäßige Kontrollen sind wichtig: Der HbA1c sollte alle 6 bis 12 Monate überprüft werden. So lässt sich erkennen, ob die Werte sinken, stagnieren oder steigen.
## Häufige Fragen
**Kann ich Prädiabetes selbst feststellen?**
Nicht sicher. Ein Nüchternblutzucker-Schnelltest aus der Apotheke gibt einen Hinweis, ersetzt aber keine ärztliche Diagnose mit HbA1c-Messung. Lassen Sie sich beim Gesundheits-Check testen – ab 35 Jahren ist er kostenlos.
**Muss ich bei Prädiabetes Medikamente nehmen?**
In der Regel nicht. Lebensstilveränderungen sind die erste und effektivste Maßnahme. Nur wenn diese nicht ausreichen, erwägen Ärzte Metformin – vor allem bei jüngeren Betroffenen mit stark erhöhtem Risiko.
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**Quellen:**
[1] Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). "Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2026." Kirchheim Verlag, 2026. https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/pressemitteilungen
[2] Knowler WC et al. "Reduction in the incidence of type 2 diabetes with lifestyle intervention or metformin." New England Journal of Medicine 2002;346:393-403. doi:10.1056/NEJMoa012512
## Digitale Unterstützung bei Prädiabetes
Die gesetzlichen Krankenkassen haben in den vergangenen Jahren ihr Präventions-Angebot deutlich ausgebaut. Viele bieten kostenlose Online-Kurse zur Gewichtsreduktion und Bewegungsförderung an, die auch für Menschen mit Prädiabetes geeignet sind. Darüber hinaus gibt es Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs), die vom Arzt verordnet werden können und von der Krankenkasse erstattet werden. Sie helfen beim Protokollieren von Mahlzeiten, der Planung von Bewegungseinheiten und der Selbstkontrolle des Blutzuckers.
Besonders effektiv: Wenn mehrere Bausteine kombiniert werden – also Ernährungsberatung, Bewegungsprogramm und regelmäßige ärztliche Kontrollen. Studien aus Deutschland zeigen, dass strukturierte Programme die Progression zu Typ-2-Diabetes um bis zu 60 Prozent verzögern können [2]. Der Hausarzt kann in ein passendes Programm überweisen und die Krankenkasse über die Kostenübernahme informieren.
## Prädiabetes und das Herzrisiko
Ein weiterer wichtiger Aspekt: Prädiabetes erhöht nicht nur das Diabetesrisiko, sondern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der chronisch leicht erhöhte Blutzucker schädigt die Gefäßwände über Jahre, bevor es zu Symptomen kommt. Wer Prädiabetes hat, sollte deshalb auch Blutdruck, Cholesterin und Übergewicht im Blick behalten.
Die gute Nachricht: Maßnahmen, die Prädiabetes verbessern – mehr Bewegung, gesündere Ernährung, weniger Gewicht – helfen auch dem Herz. Ein gesunder Lebensstil ist die effektivste Prävention für beide Erkrankungen gleichzeitig.
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## Wann zum Arzt?
Wer zu einer der genannten Risikogruppen gehört oder seit Jahren keine Blutzuckermessung hatte, sollte beim nächsten Hausarztbesuch gezielt danach fragen. Der Nüchtern-Blutzucker und der HbA1c-Wert sind Kassenleistung. Bei positivem Befund folgt eine ausführliche Beratung und ggf. die Überweisung in ein strukturiertes Präventionsprogramm. Wichtig: Frühzeitig handeln zahlt sich aus – wer Prädiabetes im Frühstadium erkennt und seinen Lebensstil anpasst, kann das Fortschreiten in den meisten Fällen stoppen oder sogar umkehren.
Fazit: Prädiabetes ernst nehmen, früh handeln.