Von Redaktion

Krebs überlebt – und dann? DKFZ-Studie: Gesunder Lebensstil senkt Sterberisiko um 30 Prozent

DKFZ-Studie mit 6.000 Langzeitüberlebenden: Nichtrauchen, Bewegung und gesundes Gewicht senken das Sterberisiko nach Krebs um bis zu 30 Prozent.

Mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland haben eine Krebserkrankung überlebt. Doch was passiert danach? Eine große Kohortenstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigt: Wer nach der Diagnose nicht raucht, sich regelmäßig bewegt und gesund ernährt, lebt im Schnitt deutlich länger. Das Sterberisiko sinkt um bis zu 30 Prozent – unabhängig davon, welche Krebsart jemand hatte oder wie alt er ist.

6.000 Überlebende, zwölf Jahre Beobachtung

Das Forschungsteam um DKFZ-Studienleiter Volker Arndt hat mehr als 6.000 Menschen untersucht, die mindestens fünf Jahre nach einer Diagnose von Brust-, Darm- oder Prostatakrebs noch lebten – Langzeitüberlebende also, bei denen die akute Behandlung längst abgeschlossen war. Die Teilnehmenden wurden aus ganz Deutschland rekrutiert und über einen Zeitraum von bis zu zwölf Jahren begleitet.

Im Mittelpunkt standen vier Lebensstilfaktoren: Rauchverhalten, körperliche Aktivität, Körpergewicht und Alkoholkonsum. Wer auf allen vier Ebenen günstige Gewohnheiten zeigte, hatte laut der im European Journal of Epidemiology veröffentlichten Studie ein um rund 30 Prozent geringeres Sterberisiko als Überlebende mit ungünstigen Lebensgewohnheiten.

Besonders auffällig: Schon die Zugehörigkeit zur mittleren Lebensstil-Gruppe – also nicht die gesündeste, aber auch nicht die ungesündeste – senkte die Sterblichkeit um 27 Prozent im Vergleich zu den Teilnehmenden mit dem ungünstigsten Lebensstil. Der Effekt trat bei Frauen und Männern gleichermaßen auf und blieb auch dann bestehen, wenn chronische Begleiterkrankungen wie Herzerkrankungen oder Diabetes berücksichtigt wurden.

Nichtrauchen ist der stärkste Schutzfaktor

Unter den vier untersuchten Lebensstilfaktoren hatte das Rauchverhalten den mit Abstand stärksten Einfluss. Teilnehmende, die nie geraucht hatten, verzeichneten im Beobachtungszeitraum fast 50 Prozent weniger Todesfälle als aktive Raucherinnen und Raucher. Auch Ex-Raucherinnen und Ex-Raucher – also Menschen, die nach der Krebsdiagnose aufgehört hatten – profitierten deutlich.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rauchen in Deutschland noch immer rund 16 Millionen Menschen. Tabakkonsum erhöht nicht nur das Ersterkrankungsrisiko, sondern verschlechtert auch Heilungschancen und erhöht das Rückfallrisiko bei bestehenden Tumorerkrankungen.

Körperliche Aktivität war der zweitwichtigste Faktor: Wer mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche einhielt – entsprechend den WHO-Empfehlungen –, lebte signifikant länger. Ähnlich positiv wirkte sich ein gesundes Körpergewicht aus, während mäßiger oder kein Alkoholkonsum den geringsten, aber immer noch messbaren Effekt zeigte.

Mehr als die Hälfte erfüllt die Empfehlungen nicht

Trotz dieser klaren Befunde zeigt die Studie einen besorgniserregenden Befund: Mehr als die Hälfte der Langzeitüberlebenden erfüllte die Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil nur teilweise oder gar nicht. Nach einer Krebstherapie fehlen vielen Betroffenen konkrete Angebote, die sie beim Aufbau gesünderer Gewohnheiten unterstützen.

„Ein gesunder Lebensstil hilft nicht nur, Krebs zu vermeiden, sondern kann auch nach einer Krebsdiagnose einen großen Unterschied machen", fasst Studienleiter Arndt zusammen. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat Langzeitüberleben nach Krebs im Nationalen Krebsplan als eigenes Handlungsfeld etabliert – die Förderung gesundheitsfördernder Lebensstile in der Nachsorge ist darin ausdrücklich verankert.

Was Krebsüberlebende jetzt tun können

Rauchstopp priorisieren: Kein anderer Lebensstilfaktor hat einen so großen Effekt. Wer nach der Krebsdiagnose noch raucht, sollte ärztliche Unterstützung bei der Entwöhnung in Anspruch nehmen. Hausärzte können verhaltenstherapeutische Beratung und, wenn nötig, Nikotinersatztherapien einleiten.

Regelmäßige Bewegung einplanen: Die WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche – etwa 30 Minuten an fünf Tagen. Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren erfüllen diese Anforderung. Sport in der Krebsnachsorge ist medizinisch anerkannt und wird von vielen Tumorzentren als festes Angebot bereitgestellt.

Gewichtsmanagement nach der Therapie: Viele Krebstherapien – insbesondere Hormonbehandlungen bei Brust- und Prostatakrebs – fördern Gewichtszunahme. Gezielte Ernährungsberatung kann helfen, das Körpergewicht langfristig zu stabilisieren.

Digitale Unterstützung nutzen: Inzwischen gibt es speziell für Krebsüberlebende entwickelte digitale Gesundheitsanwendungen, die auf ärztliche Verschreibung erhältlich sind und bei der Umsetzung gesunder Gewohnheiten begleiten.

Häufige Fragen

Gilt das für alle Krebsarten?

Die Studie untersuchte Brust-, Darm- und Prostatakrebs – die drei häufigsten Krebsarten in Deutschland. Der Lebensstil-Effekt war bei allen drei ähnlich stark. Ob er sich auf seltenere Tumorarten überträgt, ist noch nicht abschließend erforscht.

Ist es nach der Therapie zu spät, den Lebensstil zu ändern?

Nein. Die Studie beobachtete Menschen, bei denen die Therapie mindestens fünf Jahre zurücklag. Das zeigt: Lebensstiländerungen wirken sich auch dann noch positiv aus, wenn die Behandlung längst abgeschlossen ist. Es ist nie zu spät.

Welche Unterstützung bietet die Nachsorge?

Viele Tumorzentren bieten Nachsorgeprogramme mit Ernährungs- und Bewegungsberatung an. Hausärzte und Onkologen können zudem auf digitale Gesundheitsanwendungen hinweisen, die speziell für Krebsüberlebende entwickelt wurden.

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