Hitzesommer 2026: RKI zählt über 800 Hitzetote – und die schlimmsten Zahlen fehlen noch
RKI-Wochenbericht Juli 2026: 810 hitzebedingte Sterbefälle bis Mitte Juni – die extremen Tage Ende Juni sind noch nicht gezählt.
Schon vor den schlimmsten Hitzetagen des Jahres hat die Wärme in Deutschland mehr als 800 Menschenleben gekostet. Das teilte das Robert Koch-Institut (RKI) am 2. Juli 2026 in seinem Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität mit. Die Zahl klingt groß – dabei fehlen noch die Daten für die heftigste Phase des Sommers. Ende Juni brach Deutschland seinen Temperaturrekord. Die eigentliche Hitzerechnung wird erst noch präsentiert.
Was das RKI bisher gezählt hat
Der RKI-Wochenbericht erfasst hitzebedingte Sterbefälle vom 6. April bis zum 21. Juni 2026. In diesem Zeitraum starben demnach geschätzt rund 810 Menschen an den Folgen der Hitze. Davon waren etwa 500 Personen 85 Jahre oder älter, etwa 190 zwischen 75 und 84, rund 80 im Alter von 65 bis 74 Jahren – und ungefähr 40 Menschen unter 65 Jahren.
Wichtig: Diese Zahlen sind eine statistische Schätzung. Denn auf Totenscheinen wird Hitze kaum je als Todesursache eingetragen. Das RKI berechnet die hitzebedingten Todesfälle stattdessen indirekt: Es vergleicht die tatsächliche Sterblichkeit in heißen Wochen mit der zu erwartenden Sterblichkeit bei normalen Temperaturen. Grundlage sind Sterbedaten des Statistischen Bundesamtes und Temperaturdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von 52 Messstationen.
In der Woche vom 15. bis 21. Juni lag die bundesweite Wochenmitteltemperatur bei 21,1 Grad Celsius – knapp über der Schwelle, ab der laut RKI ein messbarer Anstieg der Sterblichkeit einsetzt. Erst danach begann die extreme Hitzewelle – also gerade dort, wo der aktuelle Bericht aufhört.
Dann kam der Rekord: Deutschland auf dem Hitze-Hochpunkt
Ende Juni 2026 erlebte Deutschland eine Hitzewelle, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) als historisch einstufte. Am 26. Juni wurden in Coschen in Brandenburg 41,7 Grad Celsius gemessen – der höchste offiziell registrierte Temperaturwert in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Damit wurde der bisherige Rekord von 41,2 Grad Celsius aus dem Juli 2019 übertroffen.
Die Hitzewarnungen des DWD galten über zwölf Tage hinweg für weite Teile des Landes – die längste ununterbrochene Warnperiode seit Einführung des DWD-Hitzewarnsystems im Jahr 2005. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verknüpfte die Hitzewelle mit mehr als 1.300 zusätzlichen Todesfällen in ganz Europa und bezeichnete sie als "Generalprobe" für die künftigen Sommer unter dem Klimawandel.
Die Daten für diese Extremphase fehlen im aktuellen RKI-Bericht noch. Sie werden in den kommenden Wochen veröffentlicht. Auf Basis früherer Jahre lässt sich erahnen, was dann kommt: Im Rekordsommer 2018 starben in Deutschland mehr als 8.000 Menschen hitzebedingt, 2019 waren es rund 7.000. In den Jahren 2023, 2024 und 2025 lagen die Zahlen bei jeweils rund 3.000 Fällen.
Warum ältere Menschen das größte Risiko tragen
Die Zahlen zeigen klar: Wer 75 Jahre oder älter ist, ist am stärksten gefährdet. Auf diese Altersgruppe entfallen in den RKI-Daten rund 85 Prozent aller hitzebedingten Sterbefälle. Hinzu kommt: In Deutschland hat die Gruppe der über 85-Jährigen einen hohen Frauenanteil – was teilweise erklärt, warum Frauen in der Statistik häufiger als Männer hitzebedingt sterben.
Der physiologische Hintergrund: Mit dem Alter lässt das Hitzegefühl nach. Ältere Menschen trinken weniger, weil das Durstgefühl sich abschwächt. Die Fähigkeit des Körpers zu schwitzen – der wichtigste Kühlmechanismus – nimmt ebenfalls ab. Chronische Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Nierenerkrankungen oder Diabetes erhöhen die Empfindlichkeit gegenüber Wärme zusätzlich. Manche Medikamente – zum Beispiel bestimmte Blutdrucksenker oder Diuretika – können den Flüssigkeitshaushalt weiter stören.
Laut RKI sterben die meisten Betroffenen nicht am Hitzschlag selbst, sondern an einer Kombination aus Hitzeexposition und bestehenden Vorerkrankungen. Das macht Hitzetote schwerer erkennbar – und damit auch schwerer zu verhindern.
Was jetzt konkret schützt
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und das RKI geben übereinstimmende Empfehlungen heraus. Die wichtigsten Schutzmaßnahmen in heißen Perioden:
Viel trinken: Mindestens 1,5 bis 2 Liter täglich, auch ohne Durstgefühl – bei Hitze und körperlicher Aktivität deutlich mehr. Alkohol, Kaffee und stark gesüßte Getränke meiden, da sie dehydrieren.
Kühle Räume aufsuchen: Während der heißen Tagesstunden (11 bis 18 Uhr) in schattigen, kühlen Innenräumen bleiben. Rollläden und Vorhänge schließen. Lüften nur morgens und abends, wenn die Außentemperatur unter der Innentemperatur liegt.
Körperliche Belastung reduzieren: Sport und schwere körperliche Arbeit in die frühen Morgenstunden verlegen. Besonders Arbeitnehmer im Freien sind gefährdet.
Auf vulnerable Personen achten: Angehörige, Nachbarn oder alleinstehende ältere Menschen regelmäßig kontaktieren. Ältere Menschen vergessen häufig, ausreichend zu trinken – aktive Erinnerung hilft.
Warnsignale kennen: Schwäche, Schwindel, Verwirrtheit, aufgehörtes Schwitzen oder sehr heiße Haut können Anzeichen eines Hitzschlags sein. Das ist ein Notfall – sofort Notruf 112 wählen.
Häufige Fragen zur Hitzegefahr
Ab welcher Temperatur wird Hitze gefährlich?
Es gibt keine feste Grenze. Das RKI orientiert sich an der Wochenmitteltemperatur: Ab etwa 20 bis 21 Grad Celsius über den Wochendurchschnitt steigt die Sterblichkeit messbar. Entscheidend sind aber auch Nachttemperaturen – wenn sich Wohnräume nachts nicht abkühlen, erholt sich der Körper nicht.
Warum werden Hitzetote auf Totenscheinen nicht erfasst?
Ärzte tragen als Todesursache meist die Erkrankung ein, die zum Tod geführt hat – etwa Herzversagen oder Niereninsuffizienz. Dass die Hitze diese Erkrankung ausgelöst oder verschlechtert hat, wird nur selten dokumentiert. Deshalb muss das RKI die hitzebedingten Todesfälle statistisch schätzen.
Ist Deutschland auf Hitze vorbereitet?
Noch unzureichend, lautet die einhellige Einschätzung von Experten. Viele Wohngebäude haben keine Klimaanlage – laut einer aktuellen Auswertung werden nur rund fünf Prozent der Neubauten damit ausgestattet. Kommunale Hitzeschutzpläne existieren zwar, aber ihre Umsetzung ist uneinheitlich. Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet an einem nationalen Hitzeschutzplan.