Herzinfarkt bei Frauen: Warum Kardio-CT das Risiko unterschätzt

Kardio-CT übersieht SCAD-Dissektionen bei Frauen zu 76% – invasive Angiographie nötig.

Herzinfarkte bei Frauen werden häufig zu spät erkannt – und oft anders verursacht als bei Männern. Ein wesentlicher Grund ist die spontane koronare Arteriendissektion, kurz SCAD: ein Einriss in der inneren Schicht einer Herzkranzarterie, ohne Plaqueaufbau oder äußeres Trauma. SCAD trifft vor allem jüngere Frauen und verursacht fünf bis zehn Prozent aller Herzinfarkte bei Frauen unter 50 Jahren.[1] ## Was SCAD ist – und warum es oft übersehen wird Bei SCAD reißt die innere Arterienwand (Intima) spontan ein. Das entstehende Hämatom verengt oder verschließt das Gefäß und löst einen Herzinfarkt aus. Der Altersdurchschnitt der Betroffenen liegt bei etwa 42 Jahren – das ist der Grund, warum SCAD häufig nicht als erste Diagnose in Betracht gezogen wird: Klassische Herzinfarkt-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen oder erhöhte Cholesterinwerte sind bei SCAD-Patientinnen oft unauffällig.[1] Das ESC stellte auf dem EAPCI Summit 2026 in München neue Daten aus dem europäischen SCAD-Register vor: Von 123 Patientinnen aus 14 Zentren hatten drei Viertel keine klassischen Herzrisikofaktoren. Schwangerschaft und die postpartale Phase sind als Risikofaktoren etabliert – rund 25 Prozent aller SCAD-Fälle treten in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer Geburt auf. Auch die fibromuskuläre Dysplasie (FMD), eine genetische Bindegewebsveränderung, ist mit SCAD assoziiert und kommt neunmal häufiger bei Frauen vor als bei Männern.[2] ## Diagnose und Bildgebung Die invasive Koronarangiographie gilt weiterhin als Goldstandard für die SCAD-Diagnose. Kardio-CT kann SCAD übersehen, weil der Einriss sehr klein und kurzlebig ist. Das American College of Cardiology empfiehlt für Frauen unter 50 mit Infarktverdacht eine niedrige Schwelle für die invasive Diagnostik – insbesondere in der Peripartalperiode oder bei fehlendem Risikofaktorprofil. Ergänzend bietet OCT (optische Kohärenztomographie) während der Angiographie eine höhere Auflösung und kann SCAD-Einrisse zuverlässiger visualisieren.[3] Für Frauen mit diagnostizierter SCAD empfehlen Leitlinien ein Screening auf fibromuskuläre Dysplasie, da FMD das Langzeitmanagement beeinflusst. Bestes.com bietet eine Übersicht zu digitalen Gesundheitsangeboten und App-Vergleichen auf [bestes.com](https://www.bestes.com). **Quellen:** [1] ESC / EAPCI. „New data on spontaneous coronary artery dissection (SCAD) – a common cause of heart attacks in younger women.“ EAPCI Summit 2026, München, 20. Februar 2026. [escardio.org](https://www.escardio.org/news/press/new-data-on-spontaneous-coronary-artery-dissection-scad--a-common-cause-of-heart-attacks-in-younger-women/) [2] Deutsche Herzstiftung. „Spontane Koronardissektion (SCAD).“ [herzstiftung.de](https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/herzmedizin/spontane-koronardissektion) [3] American College of Cardiology. „Hidden in Plain Sight: SCAD as a Major Cause of MI in Women.“ August 2025. [acc.org](https://www.acc.org/Latest-in-Cardiology/Articles/2025/08/01/01/Cover-Story-Hidden-in-Plain-Sight)