Von Redaktion

Gesundheits-Apps: Wissenschaft kann Wirksamkeit nicht belegen – JMIR-Review 2026

JMIR-Review 2026: Nur 2 Studien zu Aktivitäts-Apps, 0 zu Ernährungs-Apps. Wirksamkeit von Gesundheits-Apps für gesunde Erwachsene nicht belegbar.

Über 350.000 Gesundheits-Apps füllen die App-Stores von Apple und Google. Rund 46 Prozent der Deutschen nutzen solche Anwendungen laut Statista (2025) – für Kalorientracking, Schrittezählen oder strukturierte Ernährungspläne. Doch eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit im Fachjournal JMIR mHealth and uHealth kommt im Januar 2026 zu einem ernüchternden Befund: Ob diese Apps gesunden Menschen tatsächlich helfen, lässt sich wissenschaftlich nicht belegen – weil die belastbare Forschung schlicht fehlt.

Nur zwei Studien – und beide kaum aussagekräftig

Ein internationales Forscherteam der Universität Genua und der Vrije Universiteit Brüssel hat systematisch alle verfügbaren randomisierten kontrollierten Studien ausgewertet, die Mobile Apps für körperliche Aktivität und Ernährung bei gesunden Erwachsenen untersucht haben. Eingeschlossen wurden ausschließlich RCTs – also Studien, die mit einer Kontrollgruppe verglichen, ob eine App tatsächlich einen Unterschied macht.

Das Ergebnis ist verblüffend: Für Apps zur körperlichen Aktivität fanden die Autoren gerade einmal zwei Studien, die die Einschlusskriterien erfüllten. Für Ernährungs-Apps fanden sie keine einzige verwertbare Studie. Für kombinierte Ansätze – Apps, die Bewegung und Ernährung zusammen adressieren – ebenfalls null.

Die zwei eingeschlossenen Aktivitätsstudien waren zudem von niedriger Evidenzqualität – wegen hohem Risiko für Verzerrungen, erheblich fehlenden Daten und Abweichungen vom ursprünglichen Studienprotokoll, bewertet nach dem GRADE-Standard. Das Fazit der Autoren: Es ist nicht möglich zu sagen, ob Gesundheits-Apps als unterstützende Werkzeuge für Gesundheitsinterventionen bei gesunden Menschen eingesetzt werden können.

350.000 Apps, Millionen Nutzer – aber kaum Forschung

Das Paradox ist schwer zu übersehen. Apps wie <a href="https://www.bestes.com/services/yazio">Yazio</a> oder <a href="https://www.bestes.com/services/lifesum">Lifesum</a> verzeichnen Millionen aktiver Nutzer im deutschsprachigen Raum. <a href="https://www.bestes.com/services/keleya">keleya</a> bietet digitale Bewegungsprogramme für Betriebe, <a href="https://www.bestes.com/services/fitbase">fitbase</a> digitale Prävention für Krankenkassen und Arbeitgeber. Die Nachfrage ist real und wächst.

Gleichzeitig fehlt der Forschungsunterbau. Laut dem JMIR-Review wurden zwar zahlreiche Publikationen zu mHealth-Apps veröffentlicht, doch die meisten sind keine hochwertigen RCTs, sondern Beobachtungsstudien, Usability-Tests oder Pilotstudien ohne Kontrollgruppe. Die Autoren fordern eine neue Generation von Studien: hochwertige RCTs mit größeren Stichproben, längeren Beobachtungszeiträumen und einheitlichen Messstandards für Outcomes wie tägliche Schrittzahl und Ernährungsqualität.

Was die Evidenzlücke für Nutzer bedeutet

Die Studie bedeutet nicht, dass Apps nutzlos sind – sie zeigt, dass die Wissenschaft es bisher nicht ausreichend untersucht hat. Für gesunde Menschen, die eine App zur Prävention nutzen wollen, ist das eine wichtige Unterscheidung: Eine App kann hilfreich sein, aber die Beweislage ist eine andere als bei einem zugelassenen Medikament oder einer klinisch validierten Digitalen Gesundheitsanwendung.

In Deutschland existiert mit dem DiGA-Verfahren des BfArM ein gesetzlicher Rahmen, der genau das adressiert: Digitale Gesundheitsanwendungen müssen vor ihrer Aufnahme ins Verzeichnis einen Nutzennachweis erbringen – durch klinische Studien oder versorgungsrelevante Endpunkte. Consumer-Apps ohne DiGA-Status unterliegen dieser Anforderung nicht, was den grundlegenden Unterschied in der Evidenzlage erklärt, wie Studienklar.de im Januar 2026 aufzeigt.

Für Nutzer heißt das konkret: Wer eine App gezielt zur Prävention einsetzen will, sollte zwischen Apps mit belegter Wirksamkeit und solchen unterscheiden, für die diese Belege noch ausstehen. Das Etikett "Gesundheits-App" macht keinen Unterschied – der Evidenzgrad schon.

Bestes-Ansatz: Transparenz über den Evidenzgrad

Auf bestes.com sind über 1.300 digitale Gesundheitsanwendungen gelistet – von BfArM-zugelassenen DiGAs bis zu Consumer-Apps. Der Unterschied wird transparent gemacht: Eine DiGA hat einen gesetzlich anerkannten Wirksamkeitsnachweis, eine reguläre Consumer-App nicht zwingend. Nutzer können so gezielt suchen – nach dem eigenen Bedarf und dem jeweiligen Evidenzstand der Anwendung.

Wer herausfinden möchte, welche digitalen Gesundheitsanwendungen für die eigene Situation infrage kommen, findet auf <a href="https://www.bestes.com">bestes.com</a> einen strukturierten Überblick über geprüfte Angebote.

Was hat der JMIR-Review 2026 untersucht?

Leuzzi et al. haben alle randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) ausgewertet, die Mobile Apps für körperliche Aktivität, Ernährung oder deren Kombination bei gesunden Erwachsenen geprüft haben. Einschlusskriterium war ein direkter Vergleich: gleiche Intervention mit und ohne App. Ergebnis: 2 Studien für Aktivitäts-Apps, 0 für Ernährungs-Apps, 0 für kombinierte Ansätze – alle mit niedriger Evidenzqualität.

Bedeutet die Evidenzlücke, dass Apps nichts bringen?

Nein. Die Studie belegt nicht, dass Apps unwirksam sind – sie zeigt, dass die Forschung dies für gesunde Erwachsene bisher nicht ausreichend belegt hat. Für bestimmte Erkrankungsbilder (z.B. DiGA-Indikationen) können Apps durchaus wirksam sein, was durch das BfArM-Verfahren eigens nachgewiesen wird.

Was unterscheidet eine DiGA von einer normalen Gesundheits-App?

Eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) muss beim BfArM einen Nutzennachweis erbringen, bevor sie im DiGA-Verzeichnis gelistet wird und von der GKV erstattet werden kann. Consumer-Apps wie Kalorientracker oder Schrittzähler unterliegen keiner solchen Anforderung. Derzeit sind rund 59 DiGAs dauerhaft zugelassen.

Welche Apps haben belegte Wirksamkeit?

DiGAs wie Kaia Health (Rückenschmerzen), HelloBetter (Depressionen), Cara Care (Reizdarm) oder Velibra (Angststörungen) haben klinische Studien im BfArM-Verfahren vorgelegt. Für die meisten Consumer-Apps – darunter Ernährungs- und Fitness-Apps – fehlt dieser Nachweis bislang flächendeckend, wie der JMIR-Review 2026 belegt.

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