Von Redaktion

FSME 2026: Zwei neue Risikogebiete – wer sich jetzt impfen lassen sollte

RKI 2026: Zwei neue FSME-Risikogebiete in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Wer jetzt geimpft sein sollte – und wie Zeckenstiche richtig behandelt werden.

Das Robert Koch-Institut hat im Februar 2026 seine jährlich aktualisierte Karte der FSME-Risikogebiete veröffentlicht – und zwei neue Hotspots hinzugefügt: den Landkreis Nordsachsen und den Stadtkreis Halle an der Saale. Damit gelten bundesweit 185 Kreise als FSME-Risikogebiete. Mitten im Sommer – der Hochsaison für Zecken – ist das eine wichtige Botschaft für alle, die im Grünen unterwegs sind.

Was ist FSME – und warum ist sie gefährlicher als Borreliose?

FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis – eine Viruserkrankung, die durch den Stich infizierter Zecken übertragen wird. Im Gegensatz zur Borreliose, die durch Bakterien verursacht wird und bundesweit vorkommt, ist FSME regional begrenzt und wird durch ein Virus ausgelöst. Das bedeutet: Antibiotika helfen hier nicht. Eine ursächliche Behandlung gibt es nicht – nur Symptomtherapie.

Der typische Verlauf läuft in zwei Phasen ab. Zunächst treten allgemeine Krankheitszeichen auf: Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen – wie bei einer Grippe. Laut RKI-Angaben im Epidemiologischen Bulletin 9/2026 klingen diese Symptome nach einigen Tagen scheinbar ab. Doch bei rund einem Drittel der Erkrankten folgt eine zweite, schwerere Phase: Das Virus greift das Nervensystem an und kann zu Meningitis (Hirnhautentzündung), Enzephalitis (Gehirnentzündung) oder Myelitis (Rückenmarksentzündung) führen. Besonders bei Menschen über 60 Jahren ist das Risiko eines schweren Verlaufs deutlich erhöht.

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 710 FSME-Erkrankungen gemeldet – der zweithöchste Wert seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001, wie das RKI in seiner aktuellen Bulletin-Ausgabe festhält. Nur im Jahr 2020 mit 718 Fällen gab es mehr Erkrankungen.

Wo in Deutschland ist das Risiko am höchsten?

FSME-Viren kommen nicht überall in Deutschland vor – sie sind an bestimmte Zeckenpopulationen gebunden, die in spezifischen Regionen leben. Das größte Risiko besteht laut RKI in Bayern, Baden-Württemberg und Südhessen, sowie im südöstlichen Thüringen, in Sachsen und im südöstlichen Brandenburg. Auch einzelne Kreise in Sachsen-Anhalt, Mittelhessen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind betroffen.

Neu hinzugekommen sind in der Karte 2026 zwei Gebiete: Der Landkreis Nordsachsen grenzt an bestehende Risikogebiete und schließt eine bisherige Lücke in der Karte. Der Stadtkreis Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt ist neu ausgewiesen worden. Damit rückt die FSME-Gefahr weiter in den Norden und Osten Deutschlands vor – ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren durch den Klimawandel beschleunigt hat: Mildere Winter begünstigen Zeckenpopulationen und erweitern deren Lebensraum.

Das RKI weist ausdrücklich darauf hin, dass auch in Bundesländern ohne offizielle Risikogebiete vereinzelt FSME-Erkrankungen aufgetreten sind. Wer nach einem Zeckenstich Fieber oder Grippesymptome entwickelt, sollte daher überall in Deutschland differenzialdiagnostisch an FSME denken – nicht nur in ausgewiesenen Risikogebieten.

Die FSME-Impfung: wirksam, sicher – und zu selten genutzt

Die gute Nachricht: Gegen FSME gibt es eine hochwirksame Schutzimpfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie für alle Personen, die in FSME-Risikogebieten leben oder diese bereisen und dort Kontakt zu Zecken haben könnten – also praktisch jeder, der im Freien aktiv ist: Wanderer, Radfahrer, Gartenbesitzer, Kinder.

Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen. Die erste und zweite Impfung werden im Abstand von ein bis drei Monaten gegeben, die dritte Impfung folgt neun bis zwölf Monate später. Danach sind Auffrischungsimpfungen alle drei bis fünf Jahre empfohlen. Für einen schnellen Schutz – zum Beispiel vor einer Wanderreise – gibt es auch einen beschleunigten Impfplan.

Dennoch sind die Impfquoten in Risikogebieten nach wie vor unbefriedigend niedrig, wie das RKI im Epidemiologischen Bulletin 9/2026 feststellt. Besonders bei Menschen über 60 Jahren – die ein deutlich höheres Risiko für schwere Verläufe tragen – ist die Impfabdeckung unzureichend. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Impfung in der Regel vollständig, wenn man in einem Risikogebiet wohnt oder dorthin reist.

Zeckenstich passiert – was jetzt tun?

Zecken übertragen FSME-Viren bereits innerhalb weniger Minuten nach dem Stich – anders als bei Borreliose, wo das Übertragungsrisiko erst nach mehreren Stunden steigt. Daher gilt: Zecken so schnell wie möglich entfernen, aber dabei ruhig vorgehen. Mit einer Zeckenzange oder -karte die Zecke nah an der Haut greifen und gerade herausziehen – kein Drehen, kein Quetschen, keine Öle oder Klebstoffe. Die Entfernungsstelle desinfizieren und Datum notieren.

Im Anschluss die Einstichstelle über einige Wochen beobachten. Tritt eine ringförmige Rötung auf (Wanderröte), ist das ein Hinweis auf Borreliose und sollte ärztlich abgeklärt werden. Entwickelt sich innerhalb von vier bis 28 Tagen Fieber, Kopfschmerzen oder Grippesymptome, muss ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden – dann besteht der Verdacht auf FSME. Viele Telemedizin-Anbieter ermöglichen eine schnelle Ersteinschätzung per Video – ohne Wartezeit in der Praxis.

Borreliose: die häufigere Zeckenkrankheit

Borreliose ist in Deutschland weitaus häufiger als FSME – schätzungsweise erkranken jährlich zwischen 60.000 und 100.000 Menschen daran. Im Gegensatz zu FSME gibt es gegen Borreliose bislang keine zugelassene Schutzimpfung für Menschen. Der einzige Schutz ist die Vermeidung von Zeckenstichen.

Borreliose kann zahlreiche Beschwerden verursachen: von der typischen Wanderröte über Gelenkschmerzen bis hin zu neurologischen Beschwerden und Herzrhythmusstörungen. Wird sie früh erkannt, ist sie mit Antibiotika gut behandelbar. Kommt die Diagnose zu spät, kann die Erkrankung chronisch werden. Daher: Bei Zeckenstich Einstichstelle im Blick behalten und bei Symptomen nicht abwarten, sondern ärztliche Hilfe suchen.

Wie schütze ich mich vor Zecken?

Den besten Schutz vor FSME bietet die Impfung – aber nur vor FSME, nicht vor Borreliose. Gegen beide Erkrankungen hilft mechanischer Schutz:

  • Lange Hosen und geschlossene Schuhe bei Aufenthalt in Gras, Gebüsch oder Unterholz
  • Hosenbeine in die Socken stecken – das zwingt Zecken, auf der Kleidung nach oben zu laufen
  • Repellentien (zeckenhemmende Mittel) auf Haut und Kleidung auftragen
  • Nach dem Aufenthalt im Freien den gesamten Körper auf Zecken absuchen – besonders Kniekehlen, Leiste, Achseln, Haaransatz und hinter den Ohren
  • Entdeckte Zecken sofort und korrekt entfernen

Häufige Fragen zur FSME-Impfung

Übernehmen Krankenkassen die Kosten der FSME-Impfung?

In der Regel ja. Wer in einem FSME-Risikogebiet wohnt oder einen solchen Bereich bereist, hat Anspruch auf Kostenübernahme durch die GKV. Es empfiehlt sich, den Arzt oder die Krankenkasse vorab zu fragen.

Reicht die FSME-Impfung, um gegen alle Zeckenkrankheiten geschützt zu sein?

Nein. Die FSME-Impfung schützt nur vor FSME – nicht vor Borreliose. Gegen Borreliose gibt es in Deutschland keine zugelassene Impfung. Daher ist mechanischer Schutz weiterhin unverzichtbar.

Können Kinder gegen FSME geimpft werden?

Ja. Die FSME-Impfung ist ab dem vollendeten ersten Lebensjahr zugelassen. Für Kinder wird ein speziell dosierter Impfstoff verwendet. Die STIKO empfiehlt die Impfung für Kinder, die in Risikogebieten leben oder dort häufig in der Natur aktiv sind.

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