ePA-Nutzung bei 5 Prozent: DMEA 2026 setzt auf KI und neue Anbieter
DMEA 2026: Nur 5% der Deutschen nutzen die ePA aktiv. KI-gestützte Dokumentation und neue Anbieter sollen das ändern – bis 2028.
Vier Millionen von 74 Millionen gesetzlich Versicherten nutzen die elektronische Patientenakte aktiv – das entspricht knapp 5 Prozent. Diese Zahl stand auf der DMEA 2026 (Connecting Digital Health), Europas größter Messe für digitale Gesundheitsversorgung, die vom 22. bis 24. April 2026 in Berlin stattfand, immer wieder im Mittelpunkt [1]. Wie lässt sich die Lücke zwischen technischer Verfügbarkeit und tatsächlicher Nutzung schließen? Die Antwort der Branche lautet: mit Künstlicher Intelligenz und neuen Partnern.
Die ePA ist da – aber kaum jemand öffnet sie
Seit Januar 2025 wird die elektronische Patientenakte automatisch für alle gesetzlich Versicherten angelegt, die nicht widersprechen. Das sogenannte Opt-out-Modell sollte die Verbreitung drastisch erhöhen. Angelegt wurden die Akten tatsächlich – aber aktiv befüllt und genutzt werden sie von einem Bruchteil der Bevölkerung. Laut Berichten von der DMEA 2026 liegt die aktive Nutzungsrate bei rund 5 Prozent, also etwa 4 Millionen der insgesamt 74 Millionen GKV-Versicherten [1].
Die Gründe sind bekannt: Viele Patientinnen und Patienten wissen nicht, wie sie auf ihre Akte zugreifen. Niedergelassene Ärzte berichten von technischen Hürden bei der Befüllung. Und in Krankenhäusern fehlen oft die Prozesse, um Befunde und Entlassbriefe automatisch in die ePA zu übertragen. Das ist das eigentliche Problem: Eine leere Akte nützt niemandem.
KI als Hebel für die Dokumentation
Auf der DMEA 2026 zeichnete sich ein klarer Konsens ab: Ohne Künstliche Intelligenz wird die ePA kein Selbstläufer. KI-gestützte Spracherkennung und automatische Dokumentationssysteme sollen den Weg in die Akte deutlich kürzer machen – für Ärztinnen und Ärzte ebenso wie für Pflegekräfte [2]. Das erklärte Ziel: Bis 2028 sollen KI-gestützte Dokumentationslösungen in mehr als 70 Prozent der Einrichtungen im Einsatz sein.
Konkret geht es um Systeme, die Arzt-Patienten-Gespräche mithören, automatisch strukturierte Befunde erstellen und diese direkt in die ePA einspeisen – ohne dass der Arzt selbst tippen muss. Mehrere Anbieter präsentierten auf der DMEA solche Lösungen in unterschiedlichem Reifegrad. Die Bandbreite reichte von Sprachdiktat-Assistenten bis zu Systemen, die aus einem gesprochenen Gespräch vollständige ICD-10-Kodierungen ableiten.
Der digitale Medikationsplan: ein konkreter Fortschritt
Neben der ePA-Nutzung war der digitale Medikationsplan ein zentrales Thema der DMEA 2026. Seit Beginn des Jahres 2026 wird der Medikationsplan schrittweise in die ePA integriert. Das bedeutet: Alle verordneten Arzneimittel – vom Hausarzt, vom Facharzt, aus dem Krankenhaus – sollen in einer zentralen Liste zusammengeführt werden, die alle behandelnden Ärzte und Apotheken einsehen können [3].
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Bislang weiß der Kardiologe oft nicht, was der Hausarzt verordnet hat – und umgekehrt. Polypharmazie, also die gleichzeitige Einnahme vieler Medikamente, ist bei älteren Patientinnen und Patienten verbreitet und führt regelmäßig zu gefährlichen Wechselwirkungen. Ein vollständiger digitaler Medikationsplan könnte das ändern. Laut Schätzungen des Aktionsbündnisses Patientensicherheit ließen sich so jährlich Zehntausende vermeidbare Medikationsfehler verhindern.
Neue Anbieter sollen das Ökosystem beleben
Die Gematik, die für die technische Infrastruktur der ePA zuständig ist, setzt auf eine breitere Öffnung des Systems für externe Anbieter. Auf der DMEA 2026 präsentierten sich zahlreiche HealthTech-Startups und etablierte Softwarehäuser mit Lösungen rund um die ePA – von Apps für Patienten bis zu Backend-Systemen für Praxisverwaltungssoftware [2]. Ziel ist ein Ökosystem, in dem viele Anbieter zur ePA beitragen, anstatt auf eine einzige staatliche Lösung zu warten.
Kritiker mahnen allerdings, dass Offenheit auch Risiken birgt. Datenschutz und Interoperabilität müssen bei jedem neuen Anbieter garantiert sein. Die DMEA zeigte, dass die Diskussion darüber noch nicht abgeschlossen ist – technische Standards werden derzeit weiterentwickelt.
Was Versicherte jetzt wissen sollten
Wer seine ePA nutzen möchte, kann das über die App seiner Krankenkasse tun. Die meisten großen gesetzlichen Krankenkassen bieten eigene ePA-Apps an. Alternativ gibt es die Vivy-App oder die App der Gematik. Befunde und Arztbriefe können schrittweise hochgeladen werden – entweder vom behandelnden Arzt direkt oder vom Versicherten selbst über die App.
Wer der ePA widersprechen möchte, kann das jederzeit bei seiner Krankenkasse tun. Die bereits angelegte Akte wird dann gelöscht. Zugriff auf die Akte haben nur Ärztinnen und Ärzte, denen der Patient ausdrücklich Zugriff erteilt hat.
Häufige Fragen
Muss ich meine ePA selbst befüllen?
Nein. Ärzte können Befunde und Briefe direkt einspeisen, wenn Sie ihnen Zugriff erteilen. Sie können aber auch selbst Dokumente hochladen. Viele Kassen ermöglichen das über ihre ePA-App.
Ist die ePA sicher?
Die ePA nutzt eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Zugriff haben nur Ärzte und andere Leistungserbringer, denen Sie aktiv Einsicht gewähren. Versicherungsdaten und Krankenkassen haben keinen Zugriff auf medizinische Inhalte.
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Quellen:
[1] Ärzteblatt. "Elektronische Patientenakte: Nur fünf Prozent nutzen sie aktiv." Deutsches Ärzteblatt, April 2026. https://www.aerzteblatt.de
[2] borncity.com. "DMEA 2026: KI und neue Anbieter als Treiber der ePA-Adoption." borncity.com, April 2026. https://www.borncity.com
[3] Ärzte Zeitung. "Digitaler Medikationsplan: Rollout in der ePA gestartet." Ärzte Zeitung, April 2026. https://www.aerztezeitung.de