Digital Health Report 2026: 70 Prozent wollen mehr Tempo
70 % der Patienten finden die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu langsam. Was der Doctolib-Report 2026 zeigt und was das für Ihren Arzttermin bedeutet.
Einen Arzttermin zu buchen fühlt sich für viele Menschen in Deutschland an wie ein bürokratisches Hindernis. Erst die Warteschleife in der Praxis, dann die Frage, ob es auch online geht – und die Antwort ist allzu oft: nein. Dass das kein subjektives Gefühl ist, belegt der Digital Health Report 2026, den das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Doctolib erstellt hat. Befragt wurden 1.000 Patientinnen und Patienten sowie 414 medizinische Fachkräfte – Ärztinnen, Ärzte und Medizinische Fachangestellte. Das Ergebnis: Sieben von zehn Patienten finden, dass die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen viel zu langsam vorangeht.
Nur jeder Dritte findet Arzttermine einfach zu finden
Die Studie macht deutlich, wo der Schmerz am größten ist: Lediglich 35 Prozent der Befragten empfinden die Suche nach einem freien Arzttermin als einfach. Für den Rest ist es mit Aufwand verbunden – Telefonate, unterschiedliche Webseiten, unklare Informationen darüber, wer gerade neue Patienten annimmt. Wie gravierend das Problem ist, zeigt eine weitere Zahl: 64 Prozent der Befragten haben laut Report schon einmal auf einen Arzttermin verzichtet, weil die Suche nach einer Praxis oder einem freien Termin zu mühsam war.
Das ist mehr als ein Komfortproblem. Wer eine Überweisung braucht, auf einen Facharzt wartet oder eine Folgeuntersuchung terminieren muss, für den kann eine gescheiterte Terminsuche bedeuten, dass Beschwerden länger unbehandelt bleiben. Der Report spricht von einer strukturellen Lücke zwischen dem, was Patienten erwarten, und dem, was das Versorgungssystem liefert. Fehlende Interoperabilität, komplizierte Prozesse und heterogene Softwarelandschaften in den Praxen bremsen den Fortschritt – darüber sind sich laut Studie auch die Fachkräfte einig.
Deutschland hinkt dabei international hinterher. Während Länder wie Dänemark, Schweden und die Niederlande digitale Terminbuchung und elektronische Patientenakten längst zur Routine gemacht haben, kämpft Deutschland noch mit den Grundlagen.
Ärzte nutzen KI – aber oft ohne Datenschutz
Ein überraschender Befund des Reports betrifft nicht die Patienten, sondern die Arztpraxen selbst: 50 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte gaben an, sogenannte Schatten-KI-Tools zu nutzen – also nicht-zertifizierte Anwendungen wie ChatGPT, meist für Recherchen oder die Dokumentation. Unter den Medizinischen Fachangestellten trifft das auf 40 Prozent zu.
Der Begriff Schatten-KI meint: Diese Tools sind nicht für den medizinischen Kontext zugelassen und bieten keinen garantierten Datenschutz nach medizinischen Standards. Dass die Hälfte aller Ärzte trotzdem darauf zurückgreift, zeigt zweierlei: Der Bedarf an digitaler Unterstützung im Praxisalltag ist real und dringend – und zertifizierte Lösungen fehlen noch vielerorts. 79 Prozent der Fachkräfte betonen gleichzeitig, dass der menschliche Kontakt in der Versorgung unverzichtbar bleiben muss. KI soll entlasten, nicht ersetzen.
Laut Report könnten professionelle KI-Assistenten für administrative Aufgaben bis zu zehn bis zwanzig Stunden pro Woche und Praxis einsparen – Zeit, die Ärzte dann für Patientengespräche nutzen könnten.
Was Patienten sich wirklich wünschen
Die Offenheit der Patienten gegenüber digitalen Lösungen ist größer, als man vielleicht vermuten würde. 72 Prozent der Befragten würden einen KI-gestützten Terminassistenten nutzen, der ihnen die Suche und Buchung abnimmt. 63 Prozent wären bereit, KI auch für organisatorische Fragen einzusetzen – etwa um herauszufinden, welche Praxis für ihr Anliegen zuständig ist oder wie sie einen Überweisungsschein erhalten.
Beim Thema Daten ist die Bereitschaft ebenfalls hoch: 65 Prozent würden ihre Gesundheitsdaten freiwillig teilen – allerdings nur unter der Bedingung, dass sie jederzeit widersprechen können. Vertrauen in Datensouveränität ist also die Währung, mit der das Gesundheitssystem digitale Akzeptanz gewinnen muss.
53 Prozent der Fachkräfte wünschen sich außerdem schnelleren Zugriff auf Patientendaten anderer Praxen – um Doppeluntersuchungen zu vermeiden, von denen 47 Prozent der Befragten berichten, dass sie regelmäßig auftreten. Vernetzte Versorgung, also der sichere Datenaustausch zwischen Praxen und Krankenhäusern, ist das Kernanliegen beider Seiten.
Was das für Patienten konkret bedeutet
Wer heute in Deutschland einen Arzttermin sucht, ist besser beraten, digitale Wege konsequent zu nutzen, wo sie verfügbar sind. Plattformen wie Doctolib ermöglichen die direkte Online-Buchung bei vielen Arztpraxen in Deutschland, ohne Telefonwarteschleife. Telemedizinische Anbieter wie Kry und TeleClinic bieten Videosprechstunden oft mit Terminen noch am selben Tag – für viele Anliegen reicht das vollständig aus. APPzumARZT hilft dabei, den richtigen Versorgungsweg zu finden und vermittelt direkte Terminbuchungen digital. Ada Health ermöglicht als Symptom-Checker eine erste Einschätzung, ob ein Arztbesuch notwendig ist, und hilft so dabei, Ressourcen gezielter einzusetzen.
Der Report sieht das deutsche Gesundheitswesen an einem Wendepunkt. Ob die Wende gelingt, hängt laut den befragten Expertinnen und Experten davon ab, wie schnell Bürokratie abgebaut, verbindliche Standards gesetzt und durchgängig nutzbare digitale Angebote eingeführt werden. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: Der Wandel kommt – aber er braucht noch Zeit. Wer nicht warten will, findet auf bestes.com eine Übersicht digitaler Gesundheitsangebote, die heute bereits verfügbar und erprobt sind.