Von Redaktion

Erste Systematische DiGA-Analyse: Was wirken Apps bei Depression und Angst?

Forscher analysieren erstmals systematisch alle zugelassenen DiGAs für Depression und Angststörungen. Was die Studie bedeutet – und welche Apps bereits überzeugen.

Mehr als sechs Monate Wartezeit auf einen Therapieplatz – das ist in Deutschland keine Ausnahme, sondern Alltag. Wer unter Depressionen oder einer Angststörung leidet, steht oft monatelang auf Wartelisten. Digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA, sollen diese Versorgungslücke schließen. Doch wie wirksam sind sie wirklich? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen haben nun das erste umfassende systematische Review aller zugelassenen DiGAs für Depression und generalisierte Angststörung auf den Weg gebracht – mit Ergebnissen, die 2026 erwartet werden, laut Veröffentlichung in JMIR Research Protocols [1]. ## Deutschland als globaler Vorreiter bei DiGAs Seit 2020 können Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland DiGAs auf Rezept verordnen. Die Krankenkassen erstatten die Kosten vollständig. Damit ist Deutschland weltweit das erste Land, das digitale Gesundheitsanwendungen systematisch in die reguläre Krankenversorgung integriert hat, laut BfArM [2]. Aktuell sind im BfArM-Verzeichnis mindestens 31 DiGAs im Bereich psychische Gesundheit gelistet – von Schlafstörungen bis Depressionen [2]. Für Depression sind unter anderem Deprexis – eine der ältesten und am besten belegten DiGAs, die individualisierte kognitive Verhaltenstherapie digital umsetzt – sowie Selfapy dauerhaft zugelassen. Bei Angststörungen stehen Patienten unter anderem Velibra für generalisierte Angststörung, Panikstörung und soziale Angststörung zur Verfügung. Alle drei Apps sind nach Angaben des BfArM auf Grundlage klinischer Studien dauerhaft zugelassen [2]. ## Was das systematische Review untersucht Die Studie von Schmitz, Kueppers, Klein und Kolleginnen setzt an einem konkreten Problem an: Trotz wachsender Zahl von DiGAs fehlt ein strukturierter Überblick, welche Apps tatsächlich wirken – und welche Qualitätsmerkmale den Unterschied machen. Das Review kombiniert zwei Ansätze. Erstens analysieren die Forschenden alle aktuell auf dem Markt verfügbaren DiGAs für Depression und generalisierte Angststörung nach definierten Qualitätskriterien. Zweitens werten sie die publizierte wissenschaftliche Evidenz zu diesen Apps systematisch aus, nach Angaben der Autorinnen in JMIR Research Protocols [1]. Die Literaturrecherche wurde im Sommer 2024 durchgeführt, eine aktualisierte Suche war für Herbst 2025 geplant. Die Ergebnisse einschließlich der abschließenden Bewertung aller eingeschlossenen DiGAs werden für 2026 erwartet [1]. Relevanz hat die Studie weit über die Wissenschaft hinaus: Gute Qualitätsnachweise stärken das Vertrauen von Ärzten und Psychotherapeuten in die Verschreibung – und helfen Patienten, die richtige App für ihre Situation zu wählen. ## Welche Apps bereits überzeugen Einzelne DiGAs haben ihre Wirksamkeit bereits in kontrollierten Studien belegt. Deprexis verfügt als einzige Depressions-DiGA über eine unabhängige gesundheitsökonomische Studie, die niedrigere Krankheitskosten in der Interventionsgruppe nachwies, laut Pharmazeutischer Zeitung [3]. HelloBetter und Velibra erhielten für ihre Wirksamkeit bei Panikstörung und Agoraphobie das Urteil "gut" in unabhängigen Nutzerbewertungen [3]. MindDoc begleitet Nutzerinnen und Nutzer mit Stimmungstracking und strukturierten Übungen bei leichten bis mittelschweren depressiven Symptomen. Alle vier Apps sind auf Rezept erhältlich und von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet. Wer eine DiGA verschrieben bekommen möchte, spricht seine Ärztin oder seinen Psychotherapeuten an – die Verordnung erfolgt digital oder per Formular. ## Was das für Betroffene bedeutet Das systematische Review wird erstmals eine unabhängige, evidenzbasierte Orientierung schaffen: Welche DiGA ist für welche Diagnose belegt? Welche Qualitätsmerkmale unterscheiden gute von schwachen Apps? Bis die Ergebnisse vorliegen, gilt: DiGAs sind kein Ersatz für Psychotherapie, können aber als niedrigschwelliger Einstieg dienen – oder dabei helfen, Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu überbrücken. Wer nach einer geeigneten DiGA sucht, findet auf bestes.com einen geprüften Überblick über alle zugelassenen Angebote für psychische Gesundheit. **Was ist eine DiGA?** Eine DiGA (Digitale Gesundheitsanwendung) ist eine App oder ein webbasiertes Programm, das vom BfArM als Medizinprodukt zugelassen wurde. DiGAs können von Ärzten und Psychotherapeuten auf Rezept verordnet werden. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten vollständig – Eigenanteil fällt keiner an. **Wie bekomme ich eine DiGA bei Depression oder Angststörung?** Das Gespräch mit der hausärztlichen Praxis oder einem Psychotherapeuten ist der erste Schritt. Liegt eine passende Diagnose vor, kann eine DiGA verordnet werden. Nach Einreichung bei der Krankenkasse erhalten Versicherte einen Freischaltcode – in der Regel innerhalb weniger Tage. Anschließend starten sie die App direkt. **Ersetzen DiGAs eine Psychotherapie?** Nein. DiGAs sind als Ergänzung oder zur Überbrückung gedacht, nicht als Ersatz. Bei schweren Depressionen oder ausgeprägten Angststörungen empfehlen Leitlinien weiterhin persönliche Psychotherapie oder eine Kombination aus Therapie und Medikamenten. DiGAs können jedoch dabei helfen, erste Schritte zu machen – während man auf einen Therapieplatz wartet. **Wann sind die Ergebnisse des systematischen Reviews verfügbar?** Die Autorinnen und Autoren der Universität Duisburg-Essen haben die Fertigstellung des vollständigen Reviews für 2026 angekündigt, laut JMIR Research Protocols [1]. Das Review wird in einer peer-reviewed Fachzeitschrift veröffentlicht und dann frei zugänglich sein.

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