DAK-Monitor 2026: Vertrauen ins Gesundheitssystem auf 15-Jahres-Tief
DAK-Gesundheitsmonitor 2026: Nur 62 % zufrieden – der schlechteste Wert seit 15 Jahren. Ärztemangel und Wartezeiten sind die Hauptprobleme.
Lange Wartezeiten, Ärztemangel und das Gefühl, schlechter versorgt zu werden: Das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in ihr Gesundheitssystem ist 2026 auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gesunken. Das zeigt der neue DAK-Gesundheitsmonitor 2026, für den das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der DAK-Gesundheit 1.015 Menschen ab 16 Jahren befragt hat. Die Ergebnisse zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Nie zuvor seit Beginn der Messung haben so viele Menschen das deutsche Gesundheitswesen kritisch bewertet – und nie zuvor blickten so viele skeptisch in die Zukunft.
Zufriedenheit bricht ein – von 80 auf 62 Prozent
Zwischen 2012 und 2022 lagen die Zustimmungswerte konstant bei über 80 Prozent. Aktuell bewerten nur noch 62 Prozent der Befragten das deutsche Gesundheitswesen positiv – der schlechteste Wert seit 15 Jahren. Gleichzeitig hat sich die Zahl der kritischen Stimmen seit 2020 von 11 auf 35 Prozent mehr als verdreifacht. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung hat in den vergangenen zwei oder drei Jahren persönlich schlechtere Erfahrungen mit der ärztlichen Versorgung gemacht als früher – so das Ergebnis der Allensbach-Umfrage vom April 2026.
Dieser Rückgang ist kein kurzfristiger Ausschlag. Er spiegelt eine strukturelle Erosion des Vertrauens wider, die sich über mehrere Jahre aufgebaut hat. „Das deutsche Gesundheitssystem ist krank", kommentierte DAK-Vorstandschef Andreas Storm bei der Vorstellung der Studie. „Wenn die Zufriedenheit den tiefsten Stand seit 15 Jahren erreicht, müssen umgehend wirkungsvolle Therapien eingeleitet werden."
Ärztemangel und Wartezeiten: Die größten Belastungen
Auf die Frage nach konkreten negativen Erfahrungen im Gesundheitssystem geben 72 Prozent der Befragten lange Wartezeiten für einen Arzttermin als größtes Problem an. Fast jeder Zweite hat in den vergangenen Jahren mehrmals sehr lange auf eine Behandlung gewartet – ein Anstieg von 15 Prozentpunkten gegenüber 2016. Das Wartezeitproblem hat sich in einem Jahrzehnt erheblich verschärft.
Noch deutlicher ist die Entwicklung beim Ärztemangel. Der Anteil der Bevölkerung, der in der eigenen Region einen Ärztemangel erlebt, ist laut DAK-Gesundheitsmonitor seit 2011 von 13 auf aktuell 36 Prozent gestiegen. In Ostdeutschland ist mit 57 Prozent mehr als jeder Zweite betroffen. Dieses regionale Gefälle hat sich in den vergangenen Jahren nicht verringert, sondern weiter ausgeweitet.
Auch das Vertrauen in die stationäre Versorgung ist gesunken. Nur noch 33 Prozent der Befragten äußern uneingeschränktes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser – 2022 waren es noch 43 Prozent. In wenigen Jahren hat damit jeder vierte frühere Klinik-Befürworter sein Vertrauen verloren.
Pessimistische Zukunftserwartungen und Reformskepsis
59 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die Gesundheitsversorgung in den kommenden zehn Jahren weiter verschlechtern wird. Die große Mehrheit rechnet mit steigenden Beiträgen und einer verstärkten Zwei-Klassen-Medizin. Zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger sind überzeugt, dass das deutsche Gesundheitssystem umfassend reformiert werden muss – vor zehn Jahren dachten das erst 41 Prozent.
Gleichzeitig glaubt die Mehrheit nicht an den Erfolg dieser Reformen. 61 Prozent der Bevölkerung haben keinen guten Eindruck von der Gesundheitspolitik der Bundesregierung – der schlechteste Wert seit 2009. Besonders wenig Hoffnung besteht bei der Beitragsstabilisierung: Nur 10 Prozent glauben, dass die geplante Gesundheitsreform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken die GKV-Beiträge dauerhaft stabilisieren kann. 68 Prozent haben daran keine Hoffnung.
Was die Bevölkerung akzeptiert – und was nicht
Der DAK-Gesundheitsmonitor hat auch konkrete Reformvorschläge bewertet. Mehrheitliche Zustimmung erhalten Maßnahmen, die nicht direkt die Patienten belasten: höhere Steuern auf Tabak und Alkohol, eine Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke sowie höhere Pharma-Rabatte.
Dagegen stoßen alle Maßnahmen auf breite Ablehnung, die für Versicherte höhere Kosten oder geringere Leistungen bedeuten. Kürzungen beim Zahnersatz-Zuschuss und höhere Kassenbeiträge lehnen jeweils 74 Prozent ab. Einschränkungen bei der Hautkrebsvorsorge werden von 67 Prozent abgelehnt, Kürzungen beim Krankengeld von 65 Prozent und die teilweise Abschaffung der kostenlosen Familienversicherung von 53 Prozent. Bei aller Kritik hält die überwältigende Mehrheit am Solidarprinzip fest: 74 Prozent der Befragten unterstützen das Modell der solidarischen GKV.
Was das für Patientinnen und Patienten bedeutet
Die Ergebnisse des DAK-Gesundheitsmonitors 2026 beschreiben ganz konkrete Alltagsprobleme von Millionen Menschen. Wer monatelang auf einen Facharzttermin wartet, wer den nächsten Hausarzt erst Dutzende Kilometer entfernt findet oder wer die Qualität seiner Krankenhausversorgung als schlechter erlebt als früher, verliert das Vertrauen in das System – nachvollziehbarerweise.
Für die Prävention und das gesundheitliche Selbstmanagement ist das eine wichtige Rahmenbedingung: Wenn der Zugang zur medizinischen Versorgung schwieriger wird, gewinnt eigenverantwortliches Gesundheitshandeln an Bedeutung – von der frühzeitigen Erkennung von Risikofaktoren über das Monitoring chronischer Erkrankungen bis hin zur gezielten Nutzung digitaler Gesundheitsangebote. Mehr Informationen zu Gesundheitsangeboten findest du auf bestes.com.
Häufige Fragen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland
Wie lange muss man in Deutschland auf einen Facharzttermin warten?
Laut DAK-Gesundheitsmonitor 2026 berichten 72 Prozent der Befragten von langen Wartezeiten als einem der größten Probleme im Gesundheitssystem. Fast jeder Zweite hat in den letzten Jahren mehrmals sehr lange gewartet. Gesetzlich sind Kassenärztliche Vereinigungen verpflichtet, Wartezeiten von mehr als vier Wochen beim Facharzt zu vermeiden (Terminservicestellen, Rufnummer 116117).
Gibt es in Deutschland wirklich Ärztemangel?
Aus subjektiver Sicht der Bevölkerung eindeutig: 36 Prozent der Deutschen erleben laut Allensbach-Umfrage für den DAK-Gesundheitsmonitor 2026 einen Ärztemangel in ihrer Region. In Ostdeutschland liegt der Wert bei 57 Prozent. Objektiv gibt es regional erhebliche Unterschiede bei der Arztdichte, vor allem zwischen städtischen und ländlichen Gebieten.
Was bedeutet das Solidarprinzip in der GKV?
In der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen Mitglieder entsprechend ihrem Einkommen – unabhängig von der Häufigkeit ihrer Inanspruchnahme. So tragen höher Verdienende anteilig mehr bei als Geringverdiener. 74 Prozent der Bevölkerung befürworten dieses Prinzip laut DAK-Gesundheitsmonitor 2026. Gesundheitsangebote und Leistungsüberblicke findest du auf bestes.com.