Von Redaktion

CAR-T-Zelltherapie bei Lymphom: Jeder Dritte zehn Jahre nach Behandlung noch rückfallfrei

NEJM-Studie 2026: Jeder Dritte mit aggressivem B-Zell-Lymphom ist zehn Jahre nach einer einmaligen CAR-T-Behandlung noch rückfallfrei – ein Meilenstein.

Eine der ersten klinischen Studien zur CAR-T-Zelltherapie zeigt: Jeder dritte Patient mit einem bisher als unheilbar geltenden B-Zell-Lymphom ist zehn Jahre nach der Behandlung ohne Rückfall am Leben. Das berichten Forschende der Perelman School of Medicine an der Universität Pennsylvania im Fachjournal New England Journal of Medicine (25. Juni 2026). Die Daten gelten als wichtiger Meilenstein – denn sie legen nahe, dass eine einzige Zelltherapie eine dauerhafte Heilung ermöglichen kann.

Was ist eine CAR-T-Zelltherapie?

CAR-T steht für "Chimeric Antigen Receptor T-Cells" – zu Deutsch: genetisch veränderte Abwehrzellen. Die Therapie nutzt die körpereigene Immunabwehr, die gezielt gegen Krebszellen ausgerichtet wird. So läuft sie ab: Zunächst wird dem Patienten Blut abgenommen, aus dem T-Zellen – ein bestimmter Typ weißer Blutkörperchen – isoliert werden. Im Labor erhalten diese Zellen mithilfe eines harmlosen Virus ein neues Gen: Es programmiert sie so um, dass sie ein spezielles Andockmolekül (den "chimären Antigenrezeptor") auf ihrer Oberfläche tragen. Dieser Rezeptor erkennt gezielt ein Merkmal auf Lymphomzellen – das Protein CD19. Anschließend werden die veränderten T-Zellen im Körper des Patienten zurückgegeben. Dort suchen und zerstören sie die Krebszellen.

In der Studie kam das Präparat Tisagenlecleucel zum Einsatz – heute bekannt unter dem Handelsnamen Kymriah (Novartis). Es war eines der ersten CAR-T-Präparate weltweit und ist in Deutschland seit 2018 für bestimmte Lymphom-Formen zugelassen.

Was die 10-Jahres-Daten zeigen

An der Studie nahmen 38 Patienten mit rezidivierten oder refraktären B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen teil – also solchen, die nach mindestens zwei Vorbehandlungen zurückgekehrt waren oder auf diese gar nicht angesprochen hatten. Ihre Prognose war vor der CAR-T-Behandlung als aussichtslos eingestuft worden.

Die Studie startete ursprünglich im Jahr 2010 und gilt als eine der frühesten klinischen Anwendungen der CAR-T-Technologie überhaupt. Die Teilnehmenden waren im Durchschnitt 53 Jahre alt und hatten zuvor bereits drei bis vier Therapieversuche hinter sich, die alle gescheitert waren. Für sie gab es damals keine zugelassene Alternativtherapie mehr.

Nach einem medianen Beobachtungszeitraum von 10,1 Jahren waren:

  • 32 Prozent der Patienten mit diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) noch ohne Lymphom-Rückfall am Leben – das ist fast jeder Dritte.
  • 47 Prozent der Patienten mit follikulärem Lymphom waren nach zehn Jahren rückfallfrei – nahezu jeder Zweite.

Zum Vergleich: Ohne die CAR-T-Behandlung überleben Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL im Median nur wenige Monate. Die 10-Jahres-Daten übersteigen damit alle bisherigen Erwartungen für diese Patientengruppe deutlich. Studienleiterin Marco Ruella von der Universität Pennsylvania sprach von einem Beweis, dass eine einzige Zellinfusion zu einer dauerhaften Heilung führen kann.

Kein Rückfall nach 5,4 Jahren – ein möglicher Endpunkt

Besonders bemerkenswert: Bei keinem der Studienteilnehmer trat nach 5,4 Jahren noch ein Rückfall auf. Diese Beobachtung legt nahe, dass Patienten, die diese Schwelle überschreiten, möglicherweise dauerhaft von der Erkrankung befreit sind. Eine Garantie ist das nicht – der Beobachtungszeitraum bleibt begrenzt – aber er gibt erstmals einen Hinweis auf eine mögliche Heilungsgrenze.

Gleichzeitig machen die Forschenden auf eine dauerhafte Nebenwirkung aufmerksam: Viele Patienten entwickelten nach der Therapie einen anhaltenden B-Zell-Mangel – weil die CAR-T-Zellen nicht nur Lymphomzellen, sondern auch gesunde B-Zellen angreifen. B-Zellen sind wichtig für die Bildung von Antikörpern. Betroffene benötigen deshalb regelmäßige Immunglobulin-Infusionen, die die fehlenden Abwehrstoffe ersetzen. Dies ist bei einem Teil der Patienten eine dauerhafte Therapie.

Was das für Lymphom-Patienten in Deutschland bedeutet

Das DLBCL – das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom – ist die häufigste aggressive Lymphomform in Deutschland. Jährlich erkranken nach Angaben der Deutschen Krebshilfe rund 6.000 bis 7.000 Menschen neu daran. Das follikuläre Lymphom ist mit mehreren tausend Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste indolente, also langsam wachsende Lymphomform. Für beide Typen gilt: Wenn die Erkrankung nach mehreren Behandlungen zurückkehrt, sind die Optionen begrenzt – und die Prognose oft schlecht.

Etwa ein Drittel der DLBCL-Patienten erleidet nach einer Erstbehandlung einen Rückfall; bei einem Teil dieser Patienten sprechen auch Zweitlinientherapien nicht dauerhaft an.

Für diese Gruppe ist die CAR-T-Therapie in Deutschland bereits eine zugelassene Option. Kymriah (Tisagenlecleucel) sowie weitere CAR-T-Präparate wie Axicabtagen-Ciloleucel (Yescarta, Kite/Gilead) stehen an deutschen Universitätsklinika zur Verfügung. Die Behandlung wird von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, erfordert aber eine Zuweisung an spezialisierte hämatologische Zentren.

Die neuen 10-Jahres-Daten stärken die Evidenzbasis – und könnten dazu beitragen, dass die Therapie künftig noch früher eingesetzt wird. Bisher gilt sie vor allem als Drittlinientherapie; laufende Studien untersuchen, ob CAR-T auch als Zweitlinien-Option besser abschneidet als die Stammzellentransplantation.

Häufige Fragen

Kommt CAR-T nur für bestimmte Lymphome infrage?

Ja. Derzeit sind CAR-T-Präparate vor allem für aggressive B-Zell-Lymphome (DLBCL, follikuläres Lymphom nach mehreren Vortherapien) sowie für bestimmte Leukämien zugelassen. Für andere Lymphomtypen – etwa das Hodgkin-Lymphom oder T-Zell-Lymphome – gibt es eigene CAR-T-Studien, aber noch keine Standardzulassung.

Ist die Therapie für jeden Patienten geeignet?

Nicht automatisch. Voraussetzungen sind in der Regel: Nachweis bestimmter Tumormarker (z. B. CD19), ausreichende Organfunktion, stabiler Allgemeinzustand und Behandlung in einem zugelassenen Zentrum. Wer infrage kommt, entscheidet ein interdisziplinäres Team aus Hämatologen und Onkologen in einem spezialisierten Zentrum.

Wie finde ich ein CAR-T-Zentrum in Deutschland?

In Deutschland bieten mehrere Universitätskliniken CAR-T-Therapien an, darunter das UKE Hamburg, das Universitätsklinikum Heidelberg und die Charité Berlin. Die Deutsche Leukämie- und Lymphomhilfe (DLL) unterstützt bei der Orientierung und Suche nach Zentren. Weitere Informationen zu Krebstherapien findest du auf bestes.com.

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