Allogenetics

Jede Stunde sterben in Deutschland Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Das Hannoveraner Biotech-Startup Allogenetics GmbH verfolgt einen Ansatz, der die Transplantationsmedizin grundlegend verändern könnte: Statt das Immunsystem des Empfängers dauerhaft zu schwächen, werden die Spenderorgane selbst genetisch so modifiziert, dass sie für das Immunsystem des Empfängers unsichtbar werden. Das Unternehmen beschreibt seine Methode als first-in-class – sie behandelt das Transplantat statt den Patienten.

01 · Profil

Über Allogenetics

Wie funktioniert's

Das Kernprinzip heißt Tissue Marker Deactivation. Spenderorgane werden während der ex-vivo-Perfusion – einer Phase, in der das entnommene Organ außerhalb des Körpers in einem Erhaltungssystem durchblutet wird – durch virale Transduktion genetisch verändert. Das Ziel ist, die MHC-Gene (im Menschen bekannt als HLA-Antigene) dauerhaft auszuschalten, sodass sie nicht mehr als Proteine auf der Zelloberfläche erscheinen. Ohne diese Erkennungsmarker kann das Immunsystem des Empfängers das modifizierte Organ nicht als fremd identifizieren. Nach Angaben des Unternehmens konnte in präklinischen Zell- und Gewebeversuchen eine Abstoßung vollständig verhindert werden, ohne dass eine Immunsuppression nötig war. Von vier Entwicklungssträngen befindet sich bereits einer in der klinischen Phase 1.

Studienlage und Hintergrund

Organtransplantationen retten Leben – sind aber mit erheblichen Langzeitbelastungen verbunden. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO, Jahresbericht 2023) warteten in Deutschland rund 8.400 Patienten auf ein Spenderorgan, während nur knapp 2.900 Transplantationen durchgeführt wurden. Die lebenslange Immunsuppression, die nach jeder Transplantation bisher erforderlich ist, erhöht das Infektionsrisiko erheblich, belastet Nieren und Herz-Kreislauf-System und verringert die Lebensqualität der Betroffenen langfristig. Hinzu kommt, dass trotz Immunsuppression rund zehn bis fünfzehn Prozent aller Transplantate innerhalb des ersten Jahres abgestoßen werden – ein Beleg dafür, dass die bisherigen Methoden weder vollständig wirksam noch nebenwirkungsfrei sind. Der Ansatz von Allogenetics, falls er klinisch bestätigt wird, würde beide Engpässe gleichzeitig adressieren: bessere Transplantatüberlebensrate und das Ende der dauerhaften Immunsuppression.

Wer steckt dahinter

Mitgegründet wurde das Unternehmen von Prof. Dr. Rainer Blasczyk, der laut Handelsregister Hannover als Gründer eingetragen ist und das Institut für Transfusionsmedizin und Transplant Engineering an der Medizinischen Hochschule Hannover leitet. Nach Angaben der Medizinischen Hochschule Hannover hat er über 40 Patente im Bereich Histokompatibilitätssysteme angemeldet und war Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunogenetik (DGI) sowie der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin (DGTI). Mitgründerin Prof. Dr. Constança Figueiredo ist Professorin für Allogene Zelltherapie und hat mehr als zehn Patente im Bereich allogener Zellmodifikation eingereicht. Das Startup erhielt 2022 den DurchSTARTER-Preis der Hannover-Region in der Kategorie Life Sciences – eine Auszeichnung für besonders wachstumsstarke Ausgründungen der Region.

02 · Wer profitiert

Zielgruppe

Die Zielgruppe von Allogenetics umfasst in erster Linie Patienten, die eine Organtransplantation benötigen, sowie medizinische Fachkräfte und Transplantationszentren, die an innovativen Lösungen zur Vermeidung von Organabstoßungen interessiert sind.

FAQ · 05 Fragen

Häufig gefragt zu Allogenetics

Kurze Antworten aus unserer Recherche. Wenn etwas fehlt oder unklar ist: Schreib uns direkt.

Allogenetics nutzt ein Verfahren namens Tissue Marker Deactivation. Spenderorgane werden während der ex-vivo-Perfusion durch virale Transduktion genetisch verändert, sodass HLA-Antigene nicht mehr auf der Zelloberfläche erscheinen. Das modifizierte Organ kann vom Immunsystem des Empfängers nicht mehr als fremd erkannt werden – eine Abstoßungsreaktion bleibt aus.

Die Technologie befindet sich noch in der Entwicklung. Allogenetics hat vier Entwicklungsstränge im Pipeline, von denen einer bereits die klinische Phase 1 erreicht hat. Eine Marktzulassung für den klinischen Einsatz liegt bisher nicht vor.

Herkömmliche Immunsuppression dämpft das Immunsystem des Empfängers dauerhaft, was das Infektionsrisiko erhöht und Organe wie Nieren und Herz belastet. Allogenetics verfolgt den umgekehrten Ansatz: Das Spenderorgan wird genetisch so verändert, dass es für das Immunsystem unsichtbar wird – das Immunsystem des Empfängers bleibt voll funktionsfähig.

Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) warteten 2023 rund 8.400 Patienten auf ein Spenderorgan in Deutschland. Allogenetics adressiert zwei Kernprobleme gleichzeitig: die Organknappheit durch bessere Transplantatüberlebensraten und die Vermeidung lebenslanger Immunsuppression mit ihren Risiken für das Immunsystem.

Allogenetics wurde von Prof. Dr. Rainer Blasczyk, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin und Transplant Engineering an der Medizinischen Hochschule Hannover, und Prof. Dr. Constança Figueiredo, Professorin für Allogene Zelltherapie, gegründet. Das Unternehmen erhielt 2022 den DurchSTARTER-Preis in der Kategorie Life Sciences.

Diese App ist gelistet in

Kategorien

Entdecke weitere Services und Angebote in diesen Bereichen.

Du bist Mitarbeiter:in oder Geschäftsführung dieses Unternehmens und hast einen Änderungswunsch? hallo@bestes.com

Die Bestes-App

Gesundheit, die kostenlos in deiner Tasche ist.

Quiz, Vorsorge, KI-Coach und mehr — für dich und deine Familie. Jetzt im App Store und bei Google Play.