Burn-out 2026: Sechs von zehn Beschäftigten fühlen sich gefährdet
Pronova BKK: 61 % der Beschäftigten sind burn-out-gefährdet. TK-Report 2026: psychische Fehltage steigen weiter. Was wirklich hilft.
Sechs von zehn Beschäftigten in Deutschland schätzen ihr Burn-out-Risiko als mittel oder hoch ein. Das zeigt die Studie „Arbeiten 2025" der Pronova BKK, für die 1.230 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Oktober 2025 befragt wurden. Die psychische Belastung im Arbeitsalltag bleibt damit seit 2022 auf hohem Niveau. Parallel dazu verzeichnet der TK-Gesundheitsreport 2026 einen erneuten Anstieg der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen: Auf je 100 Versicherte entfallen mittlerweile 381 Arbeitsunfähigkeitstage aus psychischen Gründen – das sind mehr als ein Fünftel aller Fehltage überhaupt.
Wenn Erschöpfung zum Dauerzustand wird
Burn-out ist keine Modediagnose, sondern ein schleichender Prozess. Wer über Monate unter anhaltender Überforderung steht, ohne Erholung zu finden, gerät in eine Spirale aus Erschöpfung, Schlafstörungen und verminderter Leistungsfähigkeit. Warnsignale werden dabei häufig ignoriert – aus Pflichtgefühl, Angst vor Stigma oder weil der Alltag keinen Raum lässt, innezuhalten.
„Burn-out entsteht schleichend, deshalb ist es so gefährlich", sagt Wirtschaftspsychologin Patrizia Thamm von der Pronova BKK. Körperliche und emotionale Erschöpfung, Kopf- und Rückenschmerzen sowie das Gefühl, „leer zu laufen", seien häufige frühe Anzeichen. „Wer über Wochen oder Monate mehrere dieser Signale bemerkt, sollte frühzeitig gegensteuern", warnt Thamm laut Pressemitteilung der Pronova BKK vom März 2026.
Die Studie macht deutlich, dass strukturelle Faktoren die Erschöpfung treiben. 32 Prozent der Befragten geben an, dass eine unfaire Verteilung der Aufgaben mehr Stress auslöst als noch vor fünf Jahren. 26 Prozent fühlen sich durch bürokratische Anforderungen belastet, ebenso viele durch die ständige Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeiten. Für die Beschäftigten der Generation Z – also jene unter 30 Jahren – ist dauernde Erreichbarkeit besonders belastend.
Fehltage wegen psychischer Erkrankungen auf Rekordhoch
Der TK-Gesundheitsreport 2026 liefert die statistischen Belege: Bei den rund 5,7 Millionen erwerbstätigen Versicherten der Techniker Krankenkasse stiegen die psychisch bedingten Fehltage im Vergleich zum Vorjahr erneut an. Im Schnitt fehlte jede beschäftigte Person 3,81 Tage wegen psychischer Störungen – nach 3,75 Tagen in 2024 und 3,59 Tagen in 2023. Damit ist ein kontinuierlicher Aufwärtstrend erkennbar, der sich seit Jahren zieht.
Frauen sind dabei deutlich stärker betroffen als Männer: Bei ihnen entfallen 477 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Versicherungsjahre auf psychische Diagnosen, bei Männern sind es 299. Psychische Erkrankungen verursachen zudem besonders lange Ausfallzeiten: Ein einziger Fall dauert im Durchschnitt fast 40 Tage – deutlich länger als etwa bei Atemwegserkrankungen. Für Unternehmen, Sozialsysteme und die Betroffenen selbst bedeutet das eine erhebliche Belastung.
Bore-out: Wenn Unterforderung genauso erschöpft
Neben Burn-out rückt mit den Daten der Pronova BKK ein weiteres Phänomen in den Blick: Bore-out. Gemeint ist anhaltende Unterforderung oder Langeweile im Job – monotone Aufgaben, fehlende Entwicklungsperspektiven, das Gefühl, nicht gebraucht zu werden. Rund die Hälfte aller Befragten hat Bore-out schon an sich selbst oder in ihrem Kollegenkreis beobachtet. Bei den unter 30-Jährigen haben 37 Prozent diesen Zustand selbst erlebt – deutlich mehr als im Durchschnitt aller Beschäftigten (26 Prozent).
„Beide Phänomene sind Ausdruck derselben Dynamik. Einer Arbeitswelt, die extreme Anforderungen stellt und gleichzeitig an vielen Stellen Sinn entzieht", ordnet Thamm die Ergebnisse ein. Ob Überforderung oder Unterforderung – das Ergebnis ist oft dasselbe: innere Erschöpfung, die sich auf Dauer in psychischen und körperlichen Beschwerden niederschlägt.
Früh gegensteuern – was wirklich hilft
Die gute Nachricht: Burn-out ist kein unabwendbares Schicksal. Entscheidend ist, früh hinzuschauen. Wer erste Signale bei sich bemerkt – anhaltende Schlafprobleme, innere Leere, das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen – sollte das Gespräch suchen, bevor es zur Krise kommt. Im Job bedeutet das: Belastung offen ansprechen, klare Grenzen bei der Erreichbarkeit ziehen, Urlaub und Ruhepausen tatsächlich nutzen.
Psychologische Beratung und digitale Therapieangebote, sogenannte Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), sind heute niedrigschwelliger zugänglich als früher. Manche davon werden von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet. Hausärztinnen und Hausärzte können erste Anlaufstelle sein – und bei Bedarf an spezialisierte Hilfe verweisen. Wichtig: Der Weg zum Therapeuten ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein für die eigene Gesundheit.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Burn-out und Depression?
Burn-out entsteht typischerweise durch anhaltende Überforderung im Beruf und äußert sich vor allem als Erschöpfung und Leistungsabfall. Depressionen sind eine eigenständige psychische Erkrankung mit einem breiteren Spektrum an Symptomen – darunter Antriebslosigkeit, tiefe Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, die nicht auf den Job begrenzt sind. Burn-out kann jedoch in eine Depression übergehen; eine ärztliche Abklärung ist bei anhaltenden Symptomen deshalb wichtig.
Woran erkenne ich, ob ich Burn-out-gefährdet bin?
Typische Warnsignale sind: anhaltende Erschöpfung auch nach dem Wochenende, Schlafstörungen, körperliche Beschwerden ohne klare Ursache, innere Leere oder Gleichgültigkeit gegenüber der Arbeit, Reizbarkeit und das Gefühl, nie genug zu tun. Wenn sich mehrere dieser Zeichen über Wochen halten, sollte man das ernst nehmen – ein Gespräch mit dem Hausarzt ist ein erster Schritt.
Hilft eine App wirklich gegen Stress und Burn-out?
Digitale Angebote – von Meditationsapps bis zu wissenschaftlich fundierten Online-Therapieprogrammen – können eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie helfen, Entspannungstechniken zu erlernen, Stressmuster zu erkennen und erste Schritte zu gehen. Sie ersetzen jedoch keine professionelle Therapie bei ernsteren Beschwerden. Für Menschen mit Burn-out-Frühsymptomen sind sie ein guter Einstieg.
Hat der Arbeitgeber eine Pflicht, bei Burn-out zu helfen?
Ja. Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Unternehmen, psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu erfassen und zu minimieren. In der Praxis wird das aber noch unzureichend umgesetzt, wie unter anderem die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) feststellt. Beschäftigte können das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) in Anspruch nehmen, wenn sie länger als sechs Wochen krank waren – und sollten das auch tun.