Von Redaktion

Antibiotikaresistenz 2026: Warum wir achtsamer mit Antibiotika umgehen müssen

MRSA sinkt, aber gramnegative Keime steigen. Was der aktuelle Stand zu Antibiotikaresistenz in Deutschland bedeutet.

Antibiotika gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der modernen Medizin. Doch ihr Erfolg trägt einen Preis: Je mehr Antibiotika eingesetzt werden, desto schneller entwickeln Bakterien Resistenzen. In Deutschland ist die Situation gemischt – es gibt echte Erfolge, aber auch besorgniserregende Trends. Das Bundesgesundheitsblatt widmete seine Mai-Ausgabe 2026 vollständig dem Thema Antibiotikaresistenz.

Was ist Antibiotikaresistenz – und warum ist sie gefährlich?

Antibiotikaresistenz entsteht, wenn Bakterien Mechanismen entwickeln, die sie gegen Antibiotika unempfindlich machen. Das geschieht durch natürliche Selektion: Bakterien, die zufällig eine Resistenzeigenschaft tragen, überleben die Behandlung und vermehren sich weiter. Je häufiger und breiter Antibiotika eingesetzt werden, desto größer der Selektionsdruck – und desto schneller die Ausbreitung resistenter Stämme.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt antimikrobielle Resistenz zu den zehn größten globalen Gesundheitsbedrohungen. Infektionen, die früher gut behandelbar waren, können bei resistenten Erregern lebensbedrohlich werden – insbesondere im Krankenhaus, bei geschwächtem Immunsystem oder nach Operationen. Jährlich sterben weltweit Hunderttausende Menschen an Infektionen mit resistenten Keimen.

Deutschland: Wo es besser geworden ist

Es gibt gute Nachrichten. Der bekannteste resistente Keim – MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) – ist in Deutschland stark zurückgegangen. Vor zehn Jahren lag der Anteil von MRSA an allen Staphylococcus-aureus-Erregern in Blutproben noch über 15 Prozent. Heute liegt er laut Daten der Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) des Robert Koch-Instituts unter fünf Prozent – ein erheblicher Erfolg, den Deutschland gemeinsam mit Österreich und der Schweiz erzielt hat.

Ermöglicht wurde das durch konsequentes Screening in Krankenhäusern, striktere Hygienemaßnahmen und gezieltere Verordnungspraxis. Deutschland hat seit 2015 eine nationale Strategie zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen – die DART (Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie), die seit 2020 unter dem Namen DART 2030 fortgeführt wird. Ein Ziel: die hitzebedingten Blutbahninfektionen mit MRSA um zehn Prozent gegenüber 2019 zu reduzieren. Dieses Ziel war laut RKI bereits 2021 erreicht.

Neue Sorgen: Gramnegative Keime und Pilzresistenzen

Die Erfolge bei MRSA dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass an anderen Fronten die Lage schwieriger wird. Das Bundesgesundheitsblatt weist in seiner Sonderausgabe 2026 auf besorgniserregende Entwicklungen bei gramnegativen Bakterien hin: Escherichia coli mit Resistenz gegen Cephalosporine der dritten Generation sowie Carbapenem-resistente Klebsiella pneumoniae zeigen steigende Inzidenzen – beides Erreger, die besonders im Krankenhaus gefährlich werden können, weil kaum noch Reserveantibiotika wirksam sind.

Neu in den Blick gerückt ist auch ein Thema, das lange unterschätzt wurde: Pilzresistenzen. Das RKI hat 2025 erstmals systematische Daten zur Resistenzentwicklung bei Pilzen in Deutschland veröffentlicht, die auf der ARS-Plattform eingesehen werden können. Schimmelpilze der Gattung Aspergillus etwa entwickeln zunehmend Resistenzen gegen Azol-Antimykotika – Medikamente, die bei schweren Pilzinfektionen eingesetzt werden.

Antibiotikaverbrauch: Deutschland hat noch Potenzial

Eines der wichtigsten Hebel gegen Resistenzentwicklung ist der rationale Einsatz von Antibiotika: nur dann verordnen, wenn es nötig ist, und das richtige Mittel für den richtigen Zeitraum. In Deutschland ist der Gesamtverbrauch an Antibiotika laut RKI 2024 leicht gestiegen – von 13,3 auf 13,8 Defined Daily Doses (DDD) je 1.000 Einwohner und Tag, verglichen mit 2023. Das DART-2030-Ziel ist eine Reduktion um neun Prozent gegenüber 2019. Beim aktuellen Trend ist dieses Ziel in Gefahr.

Ein zentrales Problem: Antibiotika werden häufig bei viralen Infektionen eingesetzt – Erkältung, Grippe, viele Halsschmerzen – obwohl sie dort nicht wirksam sind. Viren reagieren nicht auf Antibiotika. Dennoch besteht von Patientenseite oft der Wunsch nach einer schnellen Lösung, und nicht alle Ärztinnen und Ärzte haben die Zeit, ausführlich zu erläutern, warum in diesem Fall kein Antibiotikum sinnvoll ist. Das One-Health-Prinzip des Bundesgesundheitsblatts betont: Resistenzentwicklung passiert nicht nur im Menschen, sondern auch in Nutztieren und der Umwelt – und alle drei Bereiche müssen gemeinsam betrachtet werden.

Was Patientinnen und Patienten selbst tun können

Jede und jeder kann dazu beitragen, Antibiotikaresistenzen einzudämmen. Das fängt bei einfachen Dingen an: Antibiotika nie ohne Rezept und ärztliche Anweisung einnehmen, immer die vollständige verordnete Dosis nehmen – auch wenn es einem nach drei Tagen schon besser geht – und Reste von Antibiotika nicht für spätere Infektionen aufheben. Verschriebene Antibiotika nicht an Familienmitglieder weitergeben, auch wenn deren Symptome ähnlich klingen.

Wer bei Infektionssymptomen unsicher ist, ob eine ärztliche Konsultation nötig ist, kann heute auf digitale Angebote zurückgreifen. Telemedizin-Apps ermöglichen Videokonsultationen mit Ärzten, bei denen – wenn nötig – auch ein E-Rezept ausgestellt werden kann. Das ist nicht nur bequem, sondern kann auch dazu beitragen, den Antibiotikaeinsatz rationaler zu gestalten: Ein erfahrener Arzt kann per Video gut einschätzen, ob eine bakterielle Infektion vorliegt, die ein Antibiotikum erfordert, oder ob zunächst abgewartet werden sollte. Online-Apotheken und Medikamenten-Apps helfen zudem dabei, Beipackzettel zu verstehen und Wechselwirkungen zu prüfen. Passende Anbieter dafür findest du auf bestes.com.

Hygiene bleibt der wichtigste Schutz

Die wirksamste Maßnahme gegen die Verbreitung resistenter Keime ist nach wie vor Hygiene – im Krankenhaus ebenso wie zu Hause. Regelmäßiges, gründliches Händewaschen reduziert die Übertragung von Infektionserregern erheblich. Im medizinischen Umfeld sind strukturierte Hygienestandards, Screening bei Aufnahme und konsequente Isolierung infizierter Patientinnen und Patienten entscheidend.

Impfungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle: Wer sich gegen Influenza, Pneumokokken oder andere impfpräventable Erkrankungen schützt, erkrankt seltener – und bekommt entsprechend seltener unnötige Antibiotika. Die Antibiotikaresistenz ist kein Naturgesetz. Sie ist das Ergebnis menschlicher Entscheidungen – und kann durch kluge, konsequente Maßnahmen auf allen Ebenen verlangsamt werden.

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