Smartais

Auf jedem zweiten deutschen Gehweg stehen Hindernisse, die sehenden Menschen kaum auffallen: abgestellte Fahrräder, hervorstehende Mülleimer, abgesenkte Bordsteine, Baustellenabsperrungen. Für rund 1,2 Millionen sehbehinderte Menschen in Deutschland – laut Woche des Sehens (2024) basierend auf WHO-Schätzungen – bedeutet jeder Gang nach draußen eine permanente Routenplanung im Ungewissen. Das Münchner Startup SmartAIs hat dafür eine Antwort entwickelt: eine KI-gestützte Smartphone-App, die Hindernisse in Echtzeit erkennt und akustisch meldet – ohne zusätzliches Spezialgerät, nur mit dem Handy in der Brusttasche.

01 · Profil

Über Smartais

Wie die Hinderniserkennung funktioniert

SmartAIs kombiniert den LiDAR-Sensor und die Kamera des Smartphones mit einem auf kleinen Geräten lauffähigen KI-Modell. Die App analysiert Tiefendaten und Kamerabild in Echtzeit und übersetzt erkannte Hindernisse in rhythmische Klopfsignale, die über Knochenschallkopfhörer übermittelt werden. Sprache wurde bewusst vermieden: Rhythmische Töne lassen sich schneller interpretieren und blockieren das Gehör weniger als gesprochene Warnungen. Je nach Position des Hindernisses – links, rechts oder direkt voraus – variieren die Signale entsprechend. Als Basis wird ein iPhone ab Modell 12 Pro benötigt, das seit 2020 einen integrierten LiDAR-Scanner trägt. Eine zusätzliche Brusttasche sorgt für den stabilen Kamerawinkel und ermöglicht einen gleichmäßigen Blickwinkel auf den Weg. Laut Bayern Kapital (Februar 2025) setzt SmartAIs damit konsequent auf das Smartphone als zentrales Hilfsmittel, während bestehende Assistenzlösungen oft teure Spezialhardware erfordern.

Auszeichnung, Finanzierung und Entwicklungsstand

Im Oktober 2024 wurde SmartAIs mit dem Deutschen Mobilitätspreis in der Kategorie "Digitale Transformation und KI" ausgezeichnet. Im Februar 2025 schloss das Startup laut Bayern Kapital eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde ab, an der sich Bayern Kapital sowie Business Angels aus den Bereichen KI und Augmented Reality beteiligten. Weltweit leben nach WHO-Schätzungen über 43 Millionen Menschen mit starker Sehbehinderung oder Blindheit – ein Markt, für den es bislang kaum kosteneffiziente digitale Assistenzlösungen gibt. Mit den neuen Mitteln plant SmartAIs laut eigener Mitteilung die Ausweitung der Nutzertests, die Optimierung der KI-Modelle und den Aufbau strategischer Partnerschaften mit Blindenverbänden. SmartAIs befindet sich derzeit in der Test- und Entwicklungsphase; eine breite Markteinführung wird vorbereitet. Das Unternehmen wurde 2024 von Sascha Preget, Yamen Mohisn, Said Derbel und Anika Watzka in München gegründet und wird laut SCE vom Strascheg Center for Entrepreneurship begleitet. SmartAIs steht damit für eine neue Generation inklusiver Technologie: keine Spezialgeräte, keine Barrieren beim Einstieg – sondern KI auf dem Smartphone, das die meisten sehbehinderten Menschen ohnehin bei sich tragen.

Das Konzept zeigt: Assistierende Technologie für sehbehinderte Menschen muss nicht teuer, sperrig oder stigmatisierend sein. Wenn KI-Modelle auf einem Smartphone in Echtzeit laufen können, verändert das die Zugangsbedingungen für mehr als eine Million sehbehinderter Menschen in Deutschland grundlegend. SmartAIs adressiert damit sowohl ein humanitäres als auch ein wirtschaftliches Marktversagen – und tut das mit minimaler Infrastruktur und maximalem Nutzernutzen.

02 · Wer profitiert

Zielgruppe

Die Zielgruppe von SmartAIs sind blinde und seheingeschränkte Personen, die im Alltag auf Unterstützung angewiesen sind, um sich sicher und selbstständig bewegen zu können. Die App richtet sich an Menschen, die ihre Mobilität verbessern möchten, ohne auf ständige Begleitung angewiesen zu sein. Durch die Nutzung von Knochenschallkopfhörern und der App können Nutzer Hindernisse frühzeitig erkennen und sicher umgehen.

05 · Was es kostet

Kosten & Preise

Es liegen keine spezifischen Informationen über das Geschäftsmodell oder die Preisstruktur von SmartAIs vor. Da die App noch in der Beta-Phase ist, könnten zukünftige Kostenmodelle entweder auf einem einmaligen Kaufpreis, einem Abonnementmodell oder einer kostenlosen Basis mit optionalen kostenpflichtigen Funktionen basieren. Details hierzu sind noch nicht bekannt.

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