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Von Redaktion

Zwei Alzheimer-Antikörper in Deutschland – aber kein Selbstläufer

Zwei neue Alzheimer-Medikamente sind zugelassen, aber Früherkennung bleibt das Bottleneck.

Deutschland hat nun zwei monoklonale Antikörper zur Behandlung von Alzheimer: Lecanemab (Leqembi®) seit September 2025 und Donanemab (Kisunla®) seit November 2025. Das klingt nach einem Sieg gegen die Alzheimer-Epidemie – doch die Realität ist komplizierter.[1] ## Was die Antikörper tun – und was der G-BA dazu sagt Beide Medikamente sind sogenannte Amyloid-Antikörper. Sie binden pathologische Amyloid-Beta-Ablagerungen im Gehirn – einer der Haupttreiber der Alzheimer-Erkrankung – und verlangsamen den kognitiven Verfall, wenn sie früh im Krankheitsverlauf eingesetzt werden. Lecanemab verlangsamte in der zulassungsrelevanten Studie den Verfall um 27 Prozent über 18 Monate, Donanemab um rund 35 Prozent.[2] Allerdings hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) für beide Wirkstoffe keinen Zusatznutzen gegenüber der bisherigen Standardtherapie festgestellt. Das ist für die Preisverhandlungen mit den Krankenkassen entscheidend: Ohne belegten Zusatznutzen können die Hersteller keine überdurchschnittlichen Erstattungspreise durchsetzen.[1] ## Das Problem: Früherkennung Der entscheidende Engpass liegt nicht bei der Verfügbarkeit der Medikamente, sondern bei der frühzeitigen Diagnose. Lecanemab und Donanemab wirken nur bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder leichter Demenz. Wer erst mit einer mittelschweren Demenz diagnostiziert wird, kommt für die Behandlung nicht mehr infrage.[2] Die Diagnose ist aufwändig: Sie erfordert neuropsychologische Tests, MRT und häufig eine Liquorpunktion oder ein Amyloid-PET. Die meisten Menschen bemerken erste GedächtnisProbleme nicht oder schreiben sie dem Alter zu. GedächtnisAmbulanzen haben in Deutschland Wartezeiten von drei bis sechs Monaten. Experten schätzen, dass von den rund 500.000 bis 800.000 Menschen mit früher kognitiver Beeinträchtigung in Deutschland nur ein kleiner Bruchteil tatsächlich diagnostiziert ist.[3] ## Warum kein Selbstläufer? Neben der schwierigen Früherkennung gibt es weitere Hürden. Beide Medikamente müssen regelmäßig intravenös infundiert werden – das bindet Zeit und erfordert Fahrten in spezialisierte Zentren. Schwerwiegend sind auch die möglichen Nebenwirkungen: Amyloid-bedingte Bildgebungsauffälligkeiten (ARIA), also Mikroblutungen und Ödeme im Gehirn, treten bei bis zu 30 Prozent der Patienten auf, verlaufen aber meist asymptomatisch und klingen ab. Zudem sind die Kosten erheblich. Krankenkassen übernehmen die Behandlung nur bei korrekt diagnostizierter MCI oder leichter Demenz – die Diagnostik selbst müssen viele Patienten teilweise selbst finanzieren. Experten fordern deshalb ein nationales Demenz-Screening-Programm und den Ausbau der GedächtnisAmbulanzen, damit die neuen Wirkstoffe überhaupt eine Chance bekommen, die Menschen zu erreichen, denen sie helfen könnten.[3] **Tipp:** Kognitive Gesundheit frühzeitig im Blick behalten – Apps zur Symptom-Dokumentation finden Sie auf [bestes.com](https://www.bestes.com/#gesundheitstagebuch). **Quellen:** [1] G-BA: Kein Zusatznutzen für Donanemab und Lecanemab bei früher Alzheimer-Krankheit. [g-ba.de](https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1325/), 2025/2026 [2] IQWiG: Lecanemab (Leqembi) bei früher Alzheimer-Krankheit. [gesundheitsinformation.de](https://www.gesundheitsinformation.de/lecanemab-leqembi-bei-frueher-alzheimer-krankheit.html), 2025 [3] Deutsches Ärzteblatt: G-BA bescheinigt Alzheimer-Antikörper Lecanemab keinen Zusatznutzen. [aerzteblatt.de](https://www.aerzteblatt.de), 2025

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