STIKO ändert Corona-Impfempfehlung: Jährlicher Booster erst ab 75
STIKO hebt Altersgrenze für COVID-Booster auf 75 Jahre an. Basisimmunität-Empfehlung entfällt. Was das für Sie bedeutet.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat am 9. Juli 2026 ihre Empfehlungen zur Corona-Schutzimpfung grundlegend überarbeitet. Die wichtigste Änderung: Die jährliche Auffrischimpfung wird künftig nur noch für Personen ab 75 Jahren standardmäßig empfohlen – bisher lag die Altersgrenze bei 60 Jahren. Gleichzeitig entfällt die bisherige Empfehlung, eine Basisimmunität durch mindestens drei Antigenkontakte (Impfungen oder Infektionen) aufzubauen. Für gesunde Erwachsene unter 75 Jahren besteht damit in der Regel keine regelmäßige Indikation mehr für eine COVID-19-Auffrischimpfung.
Warum die STIKO die Empfehlung jetzt ändert
Der Hintergrund der Entscheidung ist die veränderte epidemiologische Lage. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) verfügen mittlerweile mehr als 95 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland über eine Immunität gegen SARS-CoV-2 – durch Impfung, durchgemachte Infektion oder beides. COVID-19-bedingte Todesfälle und schwere Hospitalisierungen sind im Vergleich zu den Pandemiejahren deutlich zurückgegangen. Das Ziel einer breiten Grundimmunisierung der Bevölkerung, das die STIKO in den Vorjahren verfolgt hatte, gilt damit als erreicht.
Die Absenkung der Altersgrenze von 60 auf 75 Jahre spiegelt wider, dass schwere COVID-19-Verläufe heute vor allem bei hochbetagten Menschen auftreten. Für Personen zwischen 60 und 74 Jahren ohne Grunderkrankungen überwiegen laut aktueller Datenlage die Risiken einer jährlichen Impfung den Nutzen nicht mehr klar genug, um eine routinemäßige Empfehlung zu rechtfertigen.
Wer trotzdem zur Impfung raten kann
Auch wenn die Standardempfehlung für Personen unter 75 Jahren entfällt, gilt weiterhin: Bestimmte Risikogruppen sollten weiterhin regelmäßig gegen COVID-19 geimpft werden. Die STIKO empfiehlt eine jährliche Auffrischimpfung nach wie vor für:
- Personen ab 75 Jahren
- Personen mit relevanten Grunderkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronische Lungenerkrankungen, Immunschwäche)
- Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen
- Pflegepersonal und medizinisches Fachpersonal mit engem Patientenkontakt
Für Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter entfällt ebenfalls die bisherige Empfehlung zur Basisimmunisierung – vorausgesetzt, sie gelten als gesund und haben keine relevanten Grunderkrankungen. Im Einzelfall bleibt die Impfung jedoch weiterhin eine Option, über die Betroffene mit ihrer Hausarztpraxis sprechen sollten.
Für die Herbst-Winter-Saison 2026/2027 empfiehlt die STIKO bei entsprechender Indikation Impfstoffe, die von der WHO oder der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) auf aktuelle Virusvarianten angepasst wurden. Der Zeitpunkt der Impfung sollte laut RKI im Spätsommer oder Frühherbst liegen – ähnlich wie bei der Grippeschutzimpfung.
Was das konkret für den Alltag bedeutet
Für die große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland heißt das: Wer gesund ist, unter 75 Jahre alt und keine schwerwiegenden Vorerkrankungen hat, muss sich nach aktuellem Stand nicht mehr jährlich gegen COVID-19 impfen lassen. Das ist keine Entwarnung – sondern ein Zeichen dafür, dass der Immunschutz auf Bevölkerungsebene stabil ist und schwere Erkrankungen heute seltener werden.
Wer unsicher ist, ob eine Auffrischimpfung für die eigene Situation sinnvoll ist, sollte das Gespräch mit der Hausarztpraxis suchen. Besonders ältere Menschen ab 75 Jahren sowie chronisch Kranke sollten die Empfehlung aktiv wahrnehmen. Telemedizinische Dienste wie Kry oder TeleClinic können dabei helfen, Fragen zur Impfindikation unkompliziert zu klären – ohne Wartezimmer und ohne langen Anfahrtsweg.
Wer einen Impftermin sucht oder Fragen zur eigenen Gesundheitssituation hat, findet Arztpraxen, Impfzentren und telemedizinische Angebote auf bestes.com.
Gleichzeitig sollte die Entscheidung gegen eine routinemäßige Impfung nicht als Signal verstanden werden, COVID-19 zu ignorieren. Das Virus zirkuliert weiterhin, und eine Infektion kann – besonders für ältere oder vorerkrankte Menschen – noch immer zu schweren Verläufen führen. Wer typische Symptome wie anhaltenden Husten, hohes Fieber oder plötzlichen Geruchs- oder Geschmacksverlust bemerkt, sollte sich testen und bei Bedarf ärztlichen Rat suchen. Schnelltests sind weiterhin in Apotheken und Supermärkten erhältlich.
Die STIKO trifft ihre Impfentscheidungen auf Basis systematischer Nutzenbewertungen und aktueller Surveillance-Daten. Die neue Empfehlung wurde im Epidemiologischen Bulletin 28/2026 vom 9. Juli 2026 veröffentlicht und ersetzt die bisherigen Regelungen aus dem Impfkalender 2026. Parallel empfiehlt die STIKO weiterhin, den Schutz gegen Influenza jährlich aufzufrischen – besonders für dieselben Risikogruppen, die auch von der COVID-Boosterempfehlung profitieren. Eine Kombination beider Impfungen im Herbst ist laut RKI problemlos möglich und spart einen zusätzlichen Arztbesuch.
Häufige Fragen zur neuen STIKO-Empfehlung
Muss ich mich jetzt noch gegen COVID-19 impfen lassen?
Wenn Sie gesund und unter 75 Jahre alt sind, empfiehlt die STIKO ab Juli 2026 keine routinemäßige jährliche Auffrischimpfung mehr. Wer zu einer Risikogruppe gehört – also ab 75 Jahre alt ist, chronisch krank ist oder in einer Pflegeeinrichtung lebt oder arbeitet – sollte sich weiterhin jährlich impfen lassen. Im Zweifel: Rücksprache mit der Hausarztpraxis.
Was ist mit der Basisimmunität – muss ich die noch aufbauen?
Nein. Die STIKO hat die Empfehlung, mindestens drei Antigenkontakte (durch Impfung oder Infektion) zu erreichen, aufgehoben. Mehr als 95 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben diesen Immunschutz bereits – die Empfehlung ist damit obsolet.
Wann ist die beste Zeit für einen COVID-Booster?
Wenn eine Auffrischimpfung indiziert ist, empfiehlt das RKI den Spätsommer oder frühen Herbst – ähnlich wie bei der Grippeimpfung. So ist der Schutz in der saisonalen Hochphase im Herbst und Winter optimal.
Gilt die neue Empfehlung auch für Schwangere?
Ja. Gesunde Schwangere ohne Grunderkrankungen sind nicht mehr in der STIKO-Standardindikation für den jährlichen Booster enthalten. Bei Unsicherheiten sollte die betreuende Gynäkologin oder der Frauenarzt hinzugezogen werden.