Von Redaktion

STIKO ändert Corona-Impfempfehlung: Auffrischung erst ab 75 – was jetzt gilt

STIKO streicht Basisimmunisierung für Erwachsene: Auffrischimpfung nur noch ab 75 Jahren. Was die neue Empfehlung vom Juli 2026 bedeutet.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Empfehlungen zur Corona-Impfung grundlegend überarbeitet. Seit dem 9. Juli 2026, veröffentlicht im Epidemiologischen Bulletin 28/2026 des Robert Koch-Instituts, gilt: Eine sogenannte Basisimmunisierung ist für die erwachsene Bevölkerung nicht länger notwendig. Außerdem empfiehlt die STIKO eine jährliche Auffrischimpfung jetzt erst ab 75 Jahren – bislang galt die Empfehlung schon ab 60. Für Menschen mit Vorerkrankungen oder bestimmten Berufsrisiken ändert sich dagegen nichts.

Was sich konkret ändert

Bisher empfahl die STIKO, dass Erwachsene mindestens drei Antigenkontakte mit SARS-CoV-2 haben sollten – also drei Impfungen, drei Infektionen oder eine Kombination daraus. Diese Empfehlung zur Basisimmunisierung wird nun ersatzlos gestrichen. Das gilt für alle Erwachsenen ab 18 Jahren, ausdrücklich auch für Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter.

Zusätzlich verschiebt sich die Altersgrenze für die jährliche Auffrischimpfung: Galten bisher Personen ab 60 Jahren als Zielgruppe, empfiehlt die STIKO diese Impfung laut Epidemiologischem Bulletin 28/2026 künftig nur noch für Menschen ab 75 Jahren. Für gesunde Erwachsene unter 75 besteht damit regelhaft keine Indikation mehr für eine alljährliche Corona-Impfung.

Warum die STIKO diese Entscheidung trifft

Der Hintergrund ist eine veränderte epidemiologische Lage. Laut STIKO hat ein Großteil der Bevölkerung inzwischen mehrfach Kontakt mit dem Virus gehabt – durch Impfungen, durchgemachte Infektionen oder beides. Schätzungen zufolge weisen mehr als 95 Prozent der Erwachsenen in Deutschland eine Grundimmunität gegen SARS-CoV-2 auf. Schwere Krankheitsverläufe sind seit der Omikron-Welle deutlich seltener geworden.

Das Risiko für Hospitalisierungen und Todesfälle liegt heute konzentriert bei sehr alten Menschen: COVID-19-bedingte Krankenhauseinweisungen und Sterbefälle betreffen laut STIKO vorwiegend Personen ab 75 Jahren. Hinzu kommt, dass sich COVID-19 mittlerweile saisonal verhält – mit einem eingipfeligen Verlauf, der im Spätsommer oder Frühherbst beginnt, ähnlich wie die Grippe.

Auch die bisherige Impfquote spielte eine Rolle bei der Entscheidung. In der vergangenen Saison wurde die indikationsbezogene Impfempfehlung nur von rund 8 Prozent der Anspruchsberechtigten umgesetzt – ein sehr niedriger Wert. Die neue, schärfer gefasste Empfehlung soll helfen, die Botschaft klarer zu kommunizieren und besser in den Praxisalltag zu integrieren.

Für wen gilt die Impfempfehlung weiterhin

Die sogenannte Indikationsimpfung bleibt für bestimmte Gruppen bestehen. Wer dazu gehört, sollte sich jährlich im Spätsommer oder Frühherbst impfen lassen:

Personen ab 75 Jahren erhalten weiterhin eine Standardempfehlung für die jährliche COVID-19-Impfung. Für sie ist das Risiko eines schweren Verlaufs am höchsten.

Menschen mit Grunderkrankungen, die das Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs erhöhen, bleiben ebenfalls in der Empfehlung. Dazu zählen unter anderem chronische Lungen-, Herz- und Nierenerkrankungen, Diabetes, Immunschwäche oder schwere Adipositas.

Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie Personen in bestimmten Berufen – etwa im Gesundheitswesen oder in der Pflege, wo das Ansteckungsrisiko erhöht ist – gehören ebenfalls zur Risikogruppe mit Impfindikation.

Wer sich impfen lässt, sollte einen zugelassenen, an aktuelle Varianten angepassten mRNA-Impfstoff oder einen proteinbasierten Impfstoff verwenden. Die STIKO empfiehlt, die COVID-19-Impfung und die Grippe-Impfung zeitlich zu koordinieren, da beide Erkrankungen saisonal verlaufen, aber nicht immer gleichzeitig ihren Höhepunkt erreichen.

Was die Änderung für den Alltag bedeutet

Für die meisten Menschen in Deutschland lautet die Konsequenz: Wer unter 75 ist und keine schwerwiegenden Vorerkrankungen hat, muss sich nach aktuellem Stand nicht mehr jährlich gegen COVID-19 impfen lassen. Diese Empfehlung ist keine Entwarnung – sie ist eine Anpassung an die veränderte Realität.

Wer unsicher ist, ob eine Impfindikation besteht, sollte das Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt suchen. Telemedizin-Angebote können dabei helfen, erste Orientierung zu bekommen und schnell einen Termin zu vereinbaren – besonders wenn sich vor der Herbstsaison viele Menschen gleichzeitig beraten lassen möchten. Wichtig ist dabei: Keine App und kein Telemedizin-Dienst ersetzt das qualifizierte medizinische Urteil über individuelle Risikofaktoren.

Besonders wichtig: Die neue Empfehlung gilt für die Regelversorgung unter den aktuellen epidemiologischen Bedingungen. Die STIKO beobachtet die Lage fortlaufend und passt ihre Empfehlungen bei Bedarf an – etwa wenn neue Varianten entstehen, die schwere Verläufe wahrscheinlicher machen.

Häufige Fragen zur neuen STIKO-Empfehlung

Muss ich mich 2026 noch gegen Corona impfen lassen?

Für gesunde Erwachsene unter 75 Jahren gibt es keine allgemeine Empfehlung mehr. Wer 75 oder älter ist oder schwerwiegende Vorerkrankungen hat, sollte sich jährlich im Herbst impfen lassen. Im Zweifel das Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt suchen.

Warum wurde die Basisimmunisierung gestrichen?

Weil ein Großteil der Bevölkerung durch Impfungen und durchgemachte Infektionen bereits eine gute Immunität aufgebaut hat. Mehr als 95 Prozent der Erwachsenen weisen laut STIKO eine solche Grundimmunität auf. Eine weitere aktive Grundimmunisierung bringt für die Mehrheit keinen relevanten zusätzlichen Schutz.

Was ist, wenn ich mich trotzdem impfen lassen möchte?

Die STIKO spricht keine Empfehlung aus – das bedeutet nicht, dass eine Impfung verboten oder schädlich wäre. Eine individuelle Entscheidung kann trotzdem sinnvoll sein. Das klärt am besten die Ärztin oder der Arzt.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Herbst-Impfung?

Die STIKO empfiehlt, die COVID-19-Impfung im Spätsommer oder zu Beginn des Herbstes zu bekommen. So ist der Immunschutz zur Hochsaison am stärksten ausgeprägt.

Gilt die Empfehlung auch für Schwangere?

Ja. Die Basisimmunisierungsempfehlung wurde auch für Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter gestrichen. Bei bestehenden schwerwiegenden Vorerkrankungen kann weiterhin eine Impfindikation bestehen – das klärt die Frauenärztin oder der Hausarzt.

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