Von Redaktion

Smartwatch-Herzscreening: ESC gibt grünes Licht für Wearable-Daten

ESC 2026 empfiehlt Wearable-EKG als Ergänzung in der Kardiologie. Smartwatches erkennen Vorhofflimmern früh – was das für Patienten bedeutet.

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat im Frühjahr 2026 eine aktualisierte Stellungnahme zu Wearables in der Herzmedizin veröffentlicht. Erstmals empfehlen die Experten offiziell, Herzrhythmusdaten aus Consumer-Geräten – also Smartwatches und Fitness-Trackern – als ergänzende Informationsquelle in der kardiologischen Beurteilung einzubeziehen. Das ist ein Paradigmenwechsel: Bisher galten diese Geräte als wissenschaftlich nicht belastbar genug.

Was Smartwatches messen – und was nicht

Moderne Smartwatches der Apple Watch Series 9+, Samsung Galaxy Watch 6+ und Withings ScanWatch können Herzrhythmusdaten auf zwei Arten erfassen:

  • Photopletysmographie (PPG): Ein optischer Sensor unter dem Uhrengehäuse misst Blutvolumen-Veränderungen und schließt daraus auf den Herzrhythmus. Diese Methode läuft kontinuierlich im Hintergrund.
  • Einzel-EKG: Durch Anlegen des Fingers an die Krone oder den Gehäuserand wird ein Einkanal-EKG aufgezeichnet (30 Sekunden). Diese Funktion erkennt Vorhofflimmern mit einer Sensitivität von rund 98 Prozent in kontrollierten Studien.

Vorhofflimmern früh erkennen – das könnte Leben retten

Vorhofflimmern (VHF) ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung – in Deutschland betroffen sind rund 2 Millionen Menschen. Das Tückische: VHF verläuft oft beschwerdefrei, erhöht aber das Schlaganfallrisiko um das Fünffache. Viele Schlaganfälle wären durch frühe VHF-Diagnose und rechtzeitige Blutverdünnung vermeidbar.

Mehrere Studien – darunter die Apple Heart Study (2019) und die Huawei Heart Study (2020) – zeigten, dass Wearables symptomlose VHF-Episoden bei bisher nicht diagnostizierten Menschen entdecken konnten. Die ESC sieht darin potenziell hohen medizinischen Nutzen, mahnt aber zur Vorsicht bei der Interpretation.

Was die ESC 2026 empfiehlt

Die ESC-Stellungnahme 2026 empfiehlt einen strukturierten Umgang mit Wearable-Daten:

  1. Wearable-Befunde sollten ärztlich überprüft werden – per 12-Kanal-EKG oder Langzeit-EKG – bevor eine Therapie eingeleitet wird.
  1. Personen über 65 mit Risikofaktoren (Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes) haben besonderen Nutzen vom kontinuierlichen Herzrhythmus-Monitoring.
  1. Gesundheitssysteme sollten Prozesse entwickeln, um positiv getestete Wearable-Nutzer schnell einer kardiologischen Abklärung zuzuführen.

In Deutschland sind erste Pilotprojekte gestartet: Einige Kassen erstatten die ScanWatch als DiGA-ähnliche Leistung, wenn VHF-Verdacht vorliegt.

Was Nutzer jetzt tun können

Wer eine Smartwatch besitzt, sollte die EKG-Funktion kennen und regelmäßig nutzen – besonders bei gelegentlichem Herzrasen oder Schwindel. Wichtig: Ein Alarm der Uhr ist kein Befund. Wer von seiner Smartwatch auf unregelmäßigen Herzrhythmus hingewiesen wird, sollte zeitnah einen Hausarzt aufsuchen.

Häufige Fragen

Ist das Wearable-EKG so gut wie ein echtes EKG beim Arzt?
Nein. Das 1-Kanal-EKG der Uhr ist deutlich weniger aussagekräftig als ein 12-Kanal-EKG in der Praxis. Es kann Vorhofflimmern hinweisen, aber keine vollständige kardiologische Diagnose liefern.

Welche Krankenkassen bezuschussen Smartwatches?
Noch wenige, aber die Zahl steigt. Fragen Sie Ihre Krankenkasse nach Präventionsleistungen für digitale Gesundheitsgeräte.

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