Selbsttests zu Hause: Was sie leisten – und wo ihre Grenzen liegen
45% der Deutschen nutzen Selbsttests auf Infekte, Blutzucker oder Cholesterin. Wann sie sinnvoll sind und warum 94% weiterhin dem Arzt vertrauen.
Fast jede zweite erwachsene Person in Deutschland hat innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einen Selbsttest für zuhause genutzt. Das zeigt eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der hkk Krankenkasse, die am 1. Juli 2026 veröffentlicht wurde. Befragt wurden 2.230 Erwachsene. Gleichzeitig bleibt das Vertrauen in ärztliche Diagnosen ungebrochen hoch: 94 Prozent der Befragten vertrauen bei wichtigen Gesundheitsfragen eher medizinischem Fachpersonal als einem Selbsttest.
Was die Deutschen testen – und was nicht
Unter den Selbsttests sind Schnelltests auf Infektionskrankheiten wie Covid-19 oder Influenza mit Abstand am bekanntesten: 96 Prozent der Befragten kennen sie, rund 26 Prozent haben sie im vergangenen Jahr genutzt. Schwangerschaftstests kennen 95 Prozent der befragten Frauen – sie gehören seit Jahrzehnten zum Standard-Angebot jeder Apotheke.
Deutlich seltener greifen Menschen zu Tests, die chronische Erkrankungen betreffen: Jeweils rund zehn Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr einen Blutzucker- oder Cholesterintest durchgeführt, ebenfalls rund zehn Prozent einen Stuhltest zur Darmkrebsfrüherkennung. Hier liegt noch erhebliches Potenzial – gerade bei Erkrankungen, bei denen frühe Diagnose über den weiteren Verlauf entscheidet.
Insgesamt haben 45 Prozent aller Befragten im vergangenen Jahr mindestens einen Selbsttest verwendet. Frauen greifen häufiger zu: 51 Prozent von ihnen nutzten solche Angebote, bei Männern waren es 40 Prozent.
Was Selbsttests leisten – und warum sie kein Arztbesuch-Ersatz sind
Die Stärke von Selbsttests liegt in ihrer Zugänglichkeit: Sie sind rund um die Uhr in der Apotheke oder online erhältlich, ermöglichen erste Orientierung noch vor einem Arzttermin und können motivieren, sich frühzeitig mit der eigenen Gesundheit zu beschäftigen. 82 Prozent der Befragten sehen in den Tests eine Möglichkeit, gesundheitliche Probleme früh zu erkennen, 81 Prozent halten sie für eine sinnvolle Ergänzung der ärztlichen Versorgung.
Gleichzeitig kennen viele ihre Grenzen: 96 Prozent sagen, dass bei einem auffälligen Testergebnis unbedingt eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden sollte. Und nur 45 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Selbsttests in bestimmten Fällen einen Arztbesuch ersetzen können. Dr. Cornelius Erbe vom hkk-Versorgungsmanagement bringt es auf den Punkt: Sinnvoll sind Selbsttests, wenn sie einen klaren medizinischen Zweck haben, wissenschaftlich geprüft sind und dabei helfen, Krankheiten früh zu erkennen oder erste Hinweise auf eine Diagnose zu geben.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass nicht alle im Handel erhältlichen Selbsttests denselben Qualitätsstandards entsprechen. Zertifizierte Tests tragen die CE-Kennzeichnung und wurden nach den europäischen Normen für In-vitro-Diagnostika geprüft. Bei Tests ohne dieses Siegel sollten Verbraucherinnen und Verbraucher besondere Vorsicht walten lassen.
Wann ein Selbsttest wirklich hilft
Gut etabliert und empfohlen sind laut hkk-Experte Dr. Erbe folgende Selbsttests: Schwangerschaftstests, Covid-19- und Influenza-Schnelltests, zertifizierte HIV-Selbsttests, Blutzuckermessungen bei bestehendem Diabetes, Urinteststreifen bei Verdacht auf eine Harnwegsinfektion sowie Stuhltests zur Darmkrebsvorsorge. Letztere werden ab 50 Jahren auch als GKV-Leistung angeboten und können unkompliziert zuhause durchgeführt und anschließend an das Labor eingeschickt werden.
Bei Tests zur Früherkennung – etwa auf Cholesterin oder Blutzucker – gilt: Ein auffälliger Wert ist zunächst nur ein Hinweis. Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt vom Gesamtbild ab und muss ärztlich bewertet werden. Das gilt erst recht für Tests, die Hinweise auf Infektionen oder Tumormarker liefern: Hier ist ein positives Ergebnis kein Urteil, sondern der Startschuss für eine gründliche medizinische Abklärung.
Digitale Gesundheitsangebote als Ergänzung
Wer unsicher ist, wie er ein Testergebnis einordnen soll, muss nicht allein damit sein. Symptom-Checker wie Ada Health helfen dabei, erste Anzeichen systematisch einzuordnen und den nächsten sinnvollen Schritt zu entscheiden – ob das der Hausarzt, der Facharzt oder zunächst die Apotheke ist. Telemedizinische Dienste wie Kry oder TeleClinic ermöglichen es, einen positiven Selbsttest-Befund unmittelbar mit einem Arzt zu besprechen, ohne auf den nächsten freien Praxistermin warten zu müssen. Für Hautveränderungen bietet Dermanostic eine fotografische Analyse durch Dermatologen an – ergänzend zur klassischen Sprechstunde, nicht als Ersatz.
Entscheidend bleibt: Selbsttests sind ein Werkzeug, kein Urteil. Sie können Orientierung geben, den Weg zum richtigen Ansprechpartner erleichtern und das Bewusstsein für die eigene Gesundheit schärfen. Wer das Ergebnis richtig einordnen möchte, findet auf bestes.com passende digitale Gesundheitsangebote und Informationen rund um Prävention und Früherkennung.
Häufige Fragen
Sind Selbsttests aus der Apotheke zuverlässig?
Zertifizierte Tests mit CE-Kennzeichnung sind nach europäischen Standards geprüft und für ihren jeweiligen Anwendungsbereich grundsätzlich zuverlässig. Falsch-negative oder falsch-positive Ergebnisse sind jedoch möglich – besonders wenn die Bedienungsanleitung nicht genau befolgt wird oder der Test außerhalb des empfohlenen Zeitfensters durchgeführt wird.
Was tun bei einem positiven Testergebnis?
96 Prozent der Befragten der hkk-Umfrage sehen das richtig: Bei einem auffälligen Ergebnis sollte immer eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Viele Befunde lassen sich telemedizinisch besprechen – das spart Zeit und ermöglicht schnelle Einschätzung.