Von Redaktion

Schuppenflechte 2026: Erste Pille gegen Psoriasis – kommt sie nach Deutschland?

Icotrokinra ist die erste Psoriasis-Tablette, die gezielt IL-23 blockiert. In den USA seit März 2026 zugelassen – was bedeutet das für Betroffene in Deutschland?

Jahrelang war die Wahl bei mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte klar: Spritzen oder Infusionen. Biologika haben die Psoriasis-Therapie revolutioniert – aber viele Betroffene hadern mit der Injektionspflicht. Das könnte sich nun ändern. Am 18. März 2026 hat die US-Gesundheitsbehörde FDA Icotrokinra (Handelsname: Icotyde) von Johnson & Johnson zugelassen – als erste oral einnehmbare Substanz, die gezielt den Entzündungsbotenstoff Interleukin-23 blockiert. In Europa läuft seit September 2025 das Zulassungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).

Zwei Millionen Betroffene in Deutschland – und ein unerfüllter Bedarf

Schuppenflechte ist keine seltene Erkrankung. Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland leben mit Psoriasis, rund zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Bei rund 30 Prozent der Betroffenen nimmt die Erkrankung einen mittelschweren bis schweren Verlauf – sie haben großflächige, entzündete Hautstellen, die den Alltag erheblich einschränken. Psoriasis ist eine systemische Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem greift körpereigenes Gewebe an und beschleunigt die Hauterneuerung massiv. Die Folge sind schuppende, gerötete Plaques, die häufig an Ellenbogen, Knien und der Kopfhaut auftreten, aber auch Nägel und Gelenke betreffen können.

Für leichte Fälle reichen Cremes und Salben. Wer unter mittelschwerer oder schwerer Psoriasis leidet, braucht systemische Therapien. Seit den 2000er-Jahren haben Biologika – Antikörper, die gezielt Entzündungsbotenstoffe blockieren – das Behandlungsangebot grundlegend verändert. 29 Biologika sind aktuell in Europa zugelassen, viele davon als wöchentliche oder monatliche Injektion. Laut dem deutschen Register PsoBest werden bereits mehr als 26.000 Patienten mit Biologika oder verwandten Substanzen behandelt. Die Hürde: Spritzen zu verabreichen oder verabreichen zu lassen, ist für viele Betroffene eine psychologische und praktische Belastung.

Wie Icotrokinra wirkt: IL-23 blockieren – aber als Tablette

Icotrokinra ist ein sogenannter IL-23-Rezeptorblocker. Interleukin-23 ist ein zentraler Botenstoff, der bei Psoriasis die Entzündungskaskade antreibt. Bereits mehrere Biologika – darunter Risankizumab, Guselkumab und Tildrakizumab – setzen an IL-23 an und gelten als besonders wirksam. Der entscheidende Unterschied bei Icotrokinra: Das Molekül ist klein genug, um als Tablette eingenommen zu werden. Einmal täglich, oral – ohne Kühlkette, ohne Nadel, ohne Praxis-Besuch für die Injektion. Laut Johnson & Johnson ist Icotrokinra die erste Substanz weltweit, die diesen Mechanismus in einer oralen Form nutzt.

Die Wirkstoffklasse selbst ist dabei keine Neuheit – der Vorteil liegt in der Darreichungsform. Orale Psoriasis-Therapien, die es bereits gibt – etwa Apremilast (Otezla) – greifen an anderen Punkten der Entzündungskaskade an und sind in der Wirkstärke Biologika oft unterlegen. Gelingt es Icotrokinra, die Wirksamkeit eines injizierbaren IL-23-Blockers in Tablettenform zu erreichen, wäre das ein Paradigmenwechsel für die Psoriasis-Therapie.

Was die Studiendaten zeigen: Zwei von drei Patienten nahezu erscheinungsfrei

Die FDA-Zulassung basiert auf den Phase-3-Studien ICONIC-LEAD und ICONIC-ADVANCE1. In ICONIC-LEAD erreichten zwei Drittel der Teilnehmenden nach 16 Wochen Behandlung eine nahezu vollständige Erscheinungsfreiheit, gemessen am IGA-Score (Investigator Global Assessment 0/1). Bei rund 50 Prozent der Studienteilnehmer – darunter Jugendliche ab 12 Jahren – reduzierte sich die betroffene Hautfläche um 90 Prozent oder mehr (PASI-90-Kriterium). Das sind Werte, die mit denen der stärksten injizierbaren IL-23-Biologika vergleichbar sind – für ein orales Präparat bislang unerreicht.

Das Sicherheitsprofil wurde in den Studien laut Hersteller und klinischer Einschätzung als günstig beurteilt, ohne neue oder unerwartete Nebenwirkungssignale im Vergleich zu bekannten Biologika-Klassen. Unabhängige Langzeitdaten aus dem deutschen Versorgungsalltag werden erst nach einer etwaigen Markteinführung in Europa verfügbar sein.

Wann kommt Icotrokinra nach Deutschland?

Johnson & Johnson hat im September 2025 den Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) eingereicht. Das reguläre EMA-Verfahren dauert üblicherweise 12 bis 18 Monate – eine EU-Zulassung wird daher frühestens Ende 2026, realistischer Anfang 2027 erwartet. Nach einer EMA-Zulassung folgt in Deutschland noch der Nutzenbewertungsprozess durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) nach AMNOG. Erst wenn dieser abgeschlossen ist, können Dermatologen Icotrokinra regulär für GKV-Patienten verordnen.

Für Betroffene in Deutschland bedeutet das: Eine breite Verfügbarkeit von Icotrokinra ist voraussichtlich nicht vor 2027 zu erwarten. Wer an schwerer Psoriasis leidet und sich für neue Therapieoptionen interessiert, sollte das Gespräch mit dem Hautarzt suchen. Bereits heute stehen zahlreiche hochwirksame Biologika zur Verfügung, viele davon mit langen Abständen zwischen den Injektionen. Telemedizinische Dermatologie-Angebote ermöglichen außerdem eine erste Einschätzung ohne lange Facharzt-Wartezeit. Einen unabhängigen Vergleich digitaler Gesundheitsangebote – von Teledermatologie bis Symptom-Checker – bietet bestes.com.

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