Reiseimpfungen 2026: Chikungunya neu, Dengue umstritten – was Urlauber jetzt wissen müssen
RKI Bulletin 27/2026 (Juli): Neue Chikungunya-Impfempfehlung, Dengue-Debatte – was sich für Sommerreisende geändert hat.
Millionen Deutsche brechen in diesen Wochen in den Sommerurlaub auf – viele davon in Länder, in denen Infektionskrankheiten verbreitet sind, die hierzulande kaum vorkommen. Was viele übersehen: Die Impfempfehlungen für Reisende werden jedes Jahr neu bewertet. Im Epidemiologischen Bulletin 27/2026 vom 2. Juli 2026 hat das Robert Koch-Institut die aktualisierten gemeinsamen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) veröffentlicht. Zwei Erkrankungen stehen dabei im Mittelpunkt: Chikungunya und Dengue-Fieber.
Chikungunya: Erstmals klare Impfempfehlung für Reisende
Chikungunya ist eine tropische Viruserkrankung, die durch Stechmücken übertragen wird und mit Fieber und zum Teil monatelang anhaltenden Gelenkschmerzen einhergeht. Seit Ende 2024 sind in Deutschland zwei Impfstoffe zugelassen, und mit dem STIKO/DTG-Update 2026 gibt es nun erstmals eine klare Reiseimpfempfehlung: Personen, die in Gebiete mit aktivem Ausbruchsgeschehen reisen oder sich wiederholt in Endemiegebieten aufhalten und dabei ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf oder eine Chronifizierung haben, sollten sich impfen lassen.
Bei den Impfstoffen gibt es eine wichtige Unterscheidung: Der Totimpfstoff Vimkunya (GSK) ist für alle Personen ab 12 Jahren zugelassen und kann breit eingesetzt werden. Der attenuierte Lebendimpfstoff Ixchiq (Bavarian Nordic) dagegen ist nur für Personen im Alter von 12 bis 59 Jahren empfohlen und soll nicht bei Immundefizienz, in der Schwangerschaft oder Stillzeit eingesetzt werden. Wer in Länder mit aktuellen Chikungunya-Ausbrüchen reist – laut DTG 2026 betrifft das insbesondere Teile Südostasiens, der Karibik und Teile Afrikas – sollte diese Frage frühzeitig mit einer reisemedizinischen Fachpraxis klären.
Dengue: STIKO-Empfehlung und der Expertenstreit
Dengue-Fieber ist die weltweit am häufigsten durch Mücken übertragene Viruserkrankung – und die Fallzahlen sind in den vergangenen Jahren weltweit gestiegen. Die STIKO empfiehlt die Impfung mit Qdenga® (Takeda) weiterhin nur für Reisende, die bereits eine labordiagnostisch gesicherte Dengue-Infektion durchgemacht haben und erneut in ein Endemiegebiet reisen. Hintergrund ist das Phänomen der Antikörper-abhängigen Verstärkung (ADE): Wer noch keine Dengue-Antikörper hat und sich nach einer Erstimpfung infiziert, könnte theoretisch einen schwereren Verlauf erleiden.
Doch genau diese Einschränkung stellt die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) in Frage. In einer im Deutschen Ärzteblatt publizierten Stellungnahme empfiehlt die DFR, Reisende ohne nachgewiesene Vorinfektion nicht mehr generell von der Impfung auszuschließen. Die Begründung: Langzeitdaten über mehr als sieben Jahre und Daten aus der Praxis mit über 20 Millionen verabreichten Impfdosen weltweit zeigten kein Sicherheitssignal für ein erhöhtes Risiko schwerer Verläufe bei Seronegativen. Auch eine einzelne Dosis kann laut DFR bereits einen Schutz von rund 81 Prozent erreichen – fast so hoch wie das vollständige Schema. Reisende, die sich nicht sicher sind, ob sie bereits Dengue hatten, sollten das Gespräch mit einem Reisemediziner suchen, der den aktuellen Stand der Diskussion kennt.
Die klassischen Reiseimpfungen: Was nach wie vor gilt
Unabhängig von den Neuheiten 2026 bleibt eine Reihe von Reiseimpfungen Standard – je nach Reiseziel und individuellem Risiko. Hepatitis A und Hepatitis B gelten für viele Fernreisen als Basisschutz: Hepatitis A für alle, die in Länder mit schlechteren hygienischen Verhältnissen reisen; Hepatitis B besonders für längere Aufenthalte mit möglichem medizinischen Kontakt. Typhus ist für Reisen in Länder mit eingeschränktem Zugang zu sauberem Wasser empfohlen. Poliomyelitis (Kinderlähmung) ist nach dem aktuellen WHO-Statement vom März 2026 weiterhin für Reisen in bestimmte Hochrisikoländer relevant – das RKI-Bulletin 27/2026 enthält die aktualisierten Länderlisten.
Wer keinen vollständigen Impfschutz gegen Masern hat und in Länder mit aktiver Zirkulation reist, sollte diesen Schutz vor der Abreise auffrischen. Gelbfieber ist als Einreisebedingung in mehrere Länder Afrikas und Südamerikas vorgeschrieben und kann nur in zugelassenen Gelbfieber-Impfstellen verabreicht werden.
Wann sollte ich mich um Reiseimpfungen kümmern?
Reisemediziner empfehlen, spätestens sechs bis acht Wochen vor Abreise eine reisemedizinische Beratung einzuholen – manche Impfungen benötigen mehrere Teilimpfungen im Abstand von Wochen, andere wirken erst nach einer Aufbauphase. Wer weniger Zeit hat, sollte dennoch nicht darauf verzichten: Auch kurzfristig sind viele Einzel-Impfungen noch sinnvoll. Für eine erste Orientierung, welche Impfungen für das jeweilige Reiseziel relevant sind, eignen sich die offiziellen Ländertabellen im DTG-StAR-Dokument, das auf der DTG-Website frei zugänglich ist. Wer Telemedizin nutzen möchte, kann eine Erstberatung auch digital beginnen – für die eigentliche Impfung ist danach ein Arztbesuch erforderlich. Eine unabhängige Übersicht telemedizinischer Angebote und Gesundheits-Apps in Deutschland findet sich auf bestes.com.
Häufige Fragen zu Reiseimpfungen 2026
Brauche ich wirklich eine reisemedizinische Beratung – reicht nicht der Hausarzt?
Der Hausarzt kann viele Standard-Reiseimpfungen durchführen. Bei komplexeren Reisezielen, Sondersituationen (Immundefizienz, Schwangerschaft, Kleinkinder) oder wenn Impfungen wie Gelbfieber benötigt werden, ist eine spezialisierte reisemedizinische Praxis sinnvoll. Letztere sind auf der DTG-Website nach Postleitzahl auffindbar.
Was hat sich bei den STIKO-Empfehlungen 2026 konkret geändert?
Laut RKI Epidemiologisches Bulletin 27/2026 sind die wesentlichen Neuerungen die neue Reiseimpfempfehlung für Chikungunya sowie aktualisierte Informationen zu Dengue, Polio und weiteren Erkrankungen. Die vollständigen, länderspezifischen Tabellen sind im DTG-StAR-Dokument 2026 enthalten.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Reiseimpfungen?
Die meisten Reiseimpfungen werden von der GKV nicht erstattet, da sie als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) gelten. Ausnahmen gelten, wenn berufliche Gründe vorliegen. Einige gesetzliche Krankenkassen bezuschussen bestimmte Reiseimpfungen freiwillig – es lohnt sich, direkt bei der eigenen Kasse nachzufragen.
Schützt eine Dengue-Impfung auch ohne vorherige Infektion?
Ja, die Impfung kann auch ohne Vorinfektion wirken. Die STIKO empfiehlt sie aktuell dennoch nur nach nachgewiesener Vorinfektion. Die DFR hat diese Einschränkung in einer aktuellen Stellungnahme im Deutschen Ärzteblatt in Frage gestellt. Reisende sollten mit ihrem Arzt besprechen, welche Empfehlung für ihre Situation zutrifft.