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Von Bestes.com Redaktion
Parkinson: Erlangen startet erste deutsche Studie gegen Ursache
Erlangen startet als erstes deutsches Zentrum die PARAISO-Studie: Antikörper Prasinezumab gegen die Ursache von Parkinson. Was Betroffene wissen müssen.
Das Uniklinikum Erlangen ist als erstes deutsches Zentrum in die internationale Phase-III-Studie PARAISO eingestiegen. Untersucht wird der Antikörper Prasinezumab – ein Wirkstoff, der direkt gegen ein fehlgefaltetes Eiweiß im Gehirn vorgeht, das als Haupttreiber der Parkinson-Krankheit gilt [1]. Die Studie gibt Hoffnung auf eine Therapie, die den Verlauf der Erkrankung verlangsamt – nicht nur die Symptome lindert.
## Warum Parkinson so schwer zu behandeln ist
In Deutschland leben rund 400.000 Menschen mit Parkinson. Die Erkrankung entsteht, wenn bestimmte Nervenzellen im Gehirn absterben – genau jene, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Warum das passiert, ist noch nicht vollständig verstanden. Bekannt ist aber: Kurz vor dem Zelltod häuft sich ein fehlgefaltetes Eiweiß namens Alpha-Synuklein in den Nervenzellen an. Es bildet klumpenartige Ablagerungen und scheint wie eine Kettenreaktion von Zelle zu Zelle zu wandern.
Alle bisherigen Parkinson-Medikamente ersetzen den fehlenden Botenstoff Dopamin oder ahmen seine Wirkung nach. Das hilft gut gegen Zittern, Steifheit und Bewegungsverlangsamung – aber sie halten die Erkrankung nicht auf. Der Verlust von Nervenzellen schreitet fort.
## Prasinezumab: Ein Antikörper gegen Alpha-Synuklein
Prasinezumab funktioniert anders. Es ist ein sogenannter monoklonaler Antikörper – ein Immuntherapeutikum, das sich gezielt an Alpha-Synuklein bindet und es markiert, damit das Immunsystem das fehlgefaltete Eiweiß abräumen kann. Das Ziel: Die Ausbreitung der Ablagerungen stoppen und damit den Nervenzelluntergang verlangsamen.
Frühere Studienphasen haben gezeigt, dass Prasinezumab vor allem bei Patienten mit rasch fortschreitender Erkrankung eine Verlangsamung motorischer Verschlechterung bewirken könnte [2]. Die PARAISO-Studie, die Roche seit 2025 international durchführt, testet jetzt in einer großen Phase-III-Untersuchung, ob dieser Effekt sich bestätigt. Patienten erhalten den Antikörper einmal monatlich als Tropfinfusion über mindestens zwei Jahre.
Die Erlanger Molekulare Neurologie ist das erste deutsche Prüfzentrum und Teil eines internationalen Netzwerks [1]. Wer in Deutschland an der Studie teilnehmen möchte, kann sich über das Uniklinikum Erlangen informieren.
## Weitere Ansätze: Gentherapie und Stammzellen
Prasinezumab ist nicht der einzige vielversprechende Ansatz. Forscher der FAU Erlangen berichten auch von ersten Ergebnissen einer GDNF-Gentherapie, die das Fortschreiten bei leichter Parkinson-Erkrankung stabilisieren könnte. Stammzelltherapien, die die verlorenen Dopamin-produzierenden Nervenzellen ersetzen, werden in Phase-II-Studien untersucht – Ergebnisse aus Nature und Cell 2025 zeigen gute Sicherheitsdaten.
Alle diese Ansätze befinden sich noch in Entwicklung. Bis zu einer Zulassung werden Jahre vergehen. Aber die Forschungsrichtung ist klar: Parkinson soll nicht mehr nur symptomatisch, sondern ursächlich behandelt werden.
## Was Betroffene jetzt tun können
Die bestehenden Therapien – vor allem Levodopa-Präparate und Dopaminagonisten – bleiben der Standard. Ergänzend helfen regelmäßige Physiotherapie, Logopädie und gezieltes Krafttraining. Studien zeigen, dass Sport den Verlauf positiv beeinflussen kann. Wer an klinischen Studien teilnehmen möchte, kann sich über die Deutsche Parkinson Gesellschaft informieren.
## Häufige Fragen
**Was ist der Unterschied zwischen Parkinson und Demenz?**
Parkinson ist primär eine Bewegungserkrankung durch Dopaminmangel. Demenz betrifft vor allem das Gedächtnis. Beide können im Verlauf zusammen auftreten – man spricht dann von Parkinson-Demenz.
**Wie melde ich mich für Parkinson-Studien an?**
Über die Webseite des Uniklinikums Erlangen, die Deutsche Parkinson Gesellschaft (parkinson-gesellschaft.de) oder das EU-Studienregister clinicaltrials.gov.
**Kann Parkinson verhindert werden?**
Noch nicht. Aber Sport, guter Schlaf und das Vermeiden von Umweltgiften (Pestizide) gelten als Schutzfaktoren.
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## Warum die Forschung gegen Alpha-Synuklein so wichtig ist
Alpha-Synuklein ist seit Jahrzehnten im Fokus der Parkinson-Forschung. Das Eiweiß kommt normalerweise in allen Nervenzellen vor und spielt eine Rolle bei der Kommunikation zwischen Neuronen. Bei Parkinson-Patienten faltet es sich falsch und bildet wasserunlösliche Klumpen – sogenannte Lewy-Körper. Diese breiten sich von Nervenzelle zu Nervenzelle aus, ähnlich wie ein Prion. Zuerst in bestimmten Hirnregionen, die nichts mit Bewegung zu tun haben – deshalb treten bei manchen Patienten schon Jahre vor dem Zittern andere Symptome auf: Riechverlust, Schlafstörungen, Verstopfung.
Wenn der Dopamin-produzierende Zellkern (Substantia nigra) betroffen ist, zeigen sich die klassischen motorischen Symptome: Ruhetremor (Zittern in Ruhe), Rigor (Muskelsteifheit), Bradykinese (Verlangsamung der Bewegungen) und Haltungsinstabilität. Bis dahin sind in der Regel bereits 50–80 Prozent der relevanten Nervenzellen abgestorben. Das zeigt, wie wichtig eine frühe Intervention wäre – wenn die verbleibenden Zellen noch schützbar sind.
## Was klinische Studien für Patienten bedeuten
Die PARAISO-Studie ist eine Phase-III-Studie, also die letzte Prüfphase vor einer möglichen Zulassung. In Phase I wird vor allem die Sicherheit getestet, in Phase II der erste Hinweis auf Wirksamkeit. Phase III läuft mit hunderten bis tausenden Patienten und soll den klaren Beweis liefern, dass das Mittel wirkt und sicher ist.
Für Patienten, die in die Studie aufgenommen werden, bedeutet das: Sie erhalten das Studienmedikament kostenlos. Die Behandlung findet in einem Spitzenzentrum statt. Sie erhalten eng getaktete medizinische Kontrollen. Und sie leisten einen Beitrag zur Forschung, von dem spätere Patienten profitieren könnten. Risiko: Es ist noch nicht bewiesen, dass Prasinezumab wirkt. Manche Teilnehmer erhalten nur ein Placebo.
Wer sich für eine Teilnahme interessiert, sollte das Gespräch mit dem behandelnden Neurologen oder einer Parkinson-Ambulanz suchen. Die Einschlusskriterien (frühes Stadium, spezifische genetische Profile) schließen viele Patienten aus – Nachfragen lohnt sich aber.
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**Quellen:**
[1] FAU Erlangen-Nürnberg. Pressemitteilung: "Das Ziel: den Verlauf der Parkinson-Krankheit verlangsamen." 13. März 2026. https://www.med.fau.de/2026/03/13/das-ziel-den-verlauf-der-parkinson-krankheit-verlangsamen/
[2] Pagano G et al. "Prasinezumab slows motor progression in rapidly progressing early-stage Parkinson's disease." Nat Med. 2024. https://doi.org/10.1038/s41591-024-02886-y
[3] Deutsche Parkinson Gesellschaft. "Hoffnung für krankheitsmodifizierende Therapien." https://parkinson-gesellschaft.de/die-dpg/presseservice/pressemeldungen/249-hoffnung-fuer-krankheitsmodifizierende-therapien-bei-parkinson