Von Redaktion

mRNA-Grippeimpfstoff schützt breiter – was das für Herbst 2026 bedeutet

Nature-Immunology-Studie 2026: mRNA-Grippeimpfstoff bildet breiteren Antikörperschutz und mehr Immungedächtnis als klassische Vakzinen – relevant für Herbst 2026.

Ein mRNA-basierter Grippeimpfstoff schützt nicht nur besser vor Influenza als herkömmliche Vakzinen – er bildet auch Antikörper, die ein deutlich breiteres Spektrum an Grippeviren abdecken. Das zeigt eine Studie der Washington University School of Medicine in St. Louis, die im Juni 2026 im Fachjournal Nature Immunology erschienen ist. Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Grippeschutzimpfung in Deutschland auf historisch niedrigem Niveau liegt – und die Herbstsaison 2026/2027 naht.

Was die Studie zeigt

Forschende um Dr. Hanover C. Matz und Dr. Ali Ellebedy untersuchten, warum der mRNA-Grippeimpfstoff mRNA-1010 von Moderna in einer Phase-3-Studie mit mehr als 40.000 Erwachsenen ab 50 Jahren einen um rund 27 Prozent besseren Schutz vor Erkrankungen zeigte als zugelassene Standardimpfstoffe. Für ihre Anschlussuntersuchung begleiteten sie 75 gesunde Erwachsene (Durchschnittsalter 30 Jahre) über zwei Grippesaisons von 2022 bis 2024. 38 Teilnehmende erhielten mRNA-1010, 37 den herkömmlichen Spaltimpfstoff Fluarix.

Das Ergebnis: Der mRNA-Impfstoff rief nicht nur mehr spezifische Antikörper gegen Influenza hervor, sondern bildete auch mehr Gedächtnis-B-Zellen. Diese Zellen sind der Schlüssel zu einer schnellen Immunreaktion, wenn dasselbe Virus – oder ein ähnliches – den Körper später wieder angreift.

Besonders auffällig waren die sogenannten Keimzentrumsreaktionen in den Lymphknoten: Bei einem Teil der Geimpften hielten diese noch mindestens 26 Wochen nach der Impfung an – das entspricht fast einem halben Jahr. In diesen Keimzentren trainiert das Immunsystem seine B-Zellen, sodass sie immer präziser und vielseitiger auf Grippeviren reagieren können. Je länger dieses Training läuft, desto breiter und dauerhafter wird der Schutz.

Warum der mRNA-Impfstoff anders wirkt als herkömmliche Vakzinen

Klassische Grippeimpfstoffe bestehen aus Eiweißbruchstücken abgetöteter oder abgeschwächter Viren. Das Immunsystem erkennt diese Bruchstücke und bildet daraufhin Antikörper – ein bewährter Prozess. Allerdings ist die Immunantwort oft eng auf genau die im Impfstoff enthaltenen Stämme zugeschnitten.

mRNA-Impfstoffe funktionieren anders: Sie liefern dem Körper eine Bauanleitung, damit er selbst das Grippevirus-Eiweiß produziert und dagegen eine Immunantwort aufbaut. In der Studie zeigten Antikörpertests, dass die nach der mRNA-Impfung gebildeten Antikörper Influenzaviren aus mehreren Jahrzehnten der Virusevolution erkannten – also Stämme, die weit über die im Impfstoff enthaltenen Varianten hinausgehen. Herkömmliche Grippeimpfstoffe schnitten dabei deutlich schlechter ab.

„Wir stellen fest, dass der mRNA-Grippeimpfstoff nicht nur die Reaktion des Immunsystems auf bereits bekannte Erreger verstärkt, sondern auch dazu beitragen kann, die Antikörperreaktion zu erweitern und zu diversifizieren, sodass ein breiteres Spektrum an Grippestämmen abgedeckt wird", sagt Dr. Ali Ellebedy, leitender Autor der Studie, laut der Publikation in Nature Immunology. „Wenn es uns gelingt, die Immunität gegen die Grippe breiter und dauerhafter zu gestalten, könnte dies zu weniger Krankenhausaufenthalten und Todesfällen führen – mit erheblichen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit."

Grippe tötet – und Impfquoten sinken

In Deutschland erkranken jedes Jahr Millionen Menschen an Influenza. In schlimmen Saisons sterben bis zu 25.000 Menschen an oder mit der Grippe, wie das Robert Koch-Institut berichtet. Besonders gefährdet sind Ältere, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Schwangere und Kleinkinder.

Dennoch: In der Saison 2024/2025 ließen sich laut RKI-Daten nur rund 34,5 Prozent der Menschen ab 60 Jahren gegen Grippe impfen – der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2008. Bei jüngeren Risikogruppen mit Grunderkrankungen sah es nicht besser aus: Nur rund 28 Prozent entschieden sich für die Impfung. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Impfquote von mindestens 75 Prozent bei Risikogruppen. Deutschland liegt weit darunter.

Gleichzeitig war auch die COVID-19-Impfbereitschaft gering: Nur 13 Prozent der Personen ab 60 Jahren ließen sich in der Saison 2024/2025 gegen SARS-CoV-2 impfen.

Was das für den Herbst 2026 bedeutet

Die Erkenntnisse aus der Nature-Immunology-Studie kommen zu einem wichtigen Zeitpunkt: Für die Herbstsaison 2026/2027 stehen in Deutschland erstmals neue Impfstoffoptionen bereit. Im April 2026 erteilte die EU-Kommission dem Kombinationsimpfstoff mCombriax von Moderna die Marktzulassung – er enthält als Grippe-Komponente genau das mRNA-1010-Konzept, das in der Studie untersucht wurde, kombiniert mit einem COVID-19-Schutz für Menschen ab 50 Jahren. Wann mCombriax in deutschen Arztpraxen verfügbar sein wird, hat das Unternehmen noch nicht bekanntgegeben.

Unabhängig davon gilt: Die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI empfiehlt die jährliche Grippeimpfung für alle Personen ab 60 Jahren, Schwangere, Menschen mit Grunderkrankungen sowie medizinisches und pflegendes Personal. Für diese Gruppen sind Grippeimpfstoffe in der Regel über die gesetzliche Krankenversicherung kostenlos erhältlich.

Der ideale Impfzeitpunkt ist üblicherweise Oktober oder November – kurz bevor die Grippesaison beginnt, da der Impfschutz etwa zwei Wochen braucht, um vollständig aufzubauen. Wer Beratung braucht oder Schwierigkeiten hat, einen Arzttermin zu bekommen, kann sich in vielen Apotheken oder über digitale Gesundheitsangebote informieren. Passende Angebote findest du auf bestes.com.

Häufige Fragen

Ist der mRNA-Grippeimpfstoff schon in Deutschland erhältlich?

Als Einzelimpfstoff gegen Grippe noch nicht. Der kombinierte COVID-19- und Grippeimpfstoff mCombriax (mit mRNA-1010 als Grippekomponente) hat seit April 2026 eine EU-Zulassung für Menschen ab 50 Jahren, ein konkreter Starttermin für Deutschland wurde noch nicht genannt. Für die Saison 2026/2027 dürften klassische Grippeimpfstoffe das Hauptangebot bilden.

Für wen lohnt sich die Grippeimpfung besonders?

Die STIKO empfiehlt die Impfung vor allem für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Personen mit chronischen Erkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf, Diabetes, Lungenerkrankungen) und medizinisches Personal. Auch Kleinkinder unter zwei Jahren gehören zur Risikogruppe. Selbst wer keine Symptome entwickelt, kann die Grippe an Ältere im Umfeld weitergeben.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung?

Oktober und November gelten als ideal. Der Impfschutz braucht rund zwei Wochen, um vollständig aufzubauen, und die Grippewelle beginnt meist ab Dezember oder Januar. Wer die Impfung verpasst hat, kann sie auch noch während der laufenden Saison nachholen – Schutz ist besser als keiner.

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