Von Redaktion

Jeder Zweite ab 50 will früher in Rente – und die Gesundheit spielt die Hauptrolle

DAK-Report 2026: 52 % der Beschäftigten ab 50 wollen früher in Rente. Gesundheit und Wertschätzung sind die Hauptgründe.

Mehr als jeder zweite Beschäftigte ab 50 Jahren in Deutschland denkt darüber nach, vor dem gesetzlichen Rentenalter aufzuhören. Bei denjenigen, die ihre Gesundheit als schlecht einschätzen, sind es sogar 60 Prozent. Das zeigt der DAK-Gesundheitsreport 2026, für den das IGES Institut rund 7.000 Beschäftigte sowie die Krankenstandsdaten von 2,4 Millionen erwerbstätigen DAK-Versicherten ausgewertet hat. Die Botschaft der Studie ist klar: Wer gesund bleibt, arbeitet länger – und wer gesund arbeiten will, braucht die richtigen Bedingungen.

Krankenstand steigt mit dem Alter – aber anders als gedacht

Ein verbreitetes Vorurteil lautet: Ältere Beschäftigte fehlen ständig. Die Daten aus dem DAK-Gesundheitsreport 2026 zeichnen ein differenzierteres Bild. Beschäftigte ab 50 Jahren werden seltener krankgeschrieben als ihre jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Auf 100 ältere DAK-Versicherte kamen im Jahr 2025 lediglich 165 Krankschreibungen – bei den unter 50-Jährigen waren es 213. Soweit die gute Nachricht.

Die schlechte: Wenn ältere Beschäftigte krank werden, dann ernsthafter. Eine Krankschreibung dauert im Schnitt 16,3 Tage – doppelt so lang wie bei Jüngeren (8,2 Tage). Unterm Strich ergibt sich dadurch ein deutlich höherer Krankenstand. Er liegt bei 50-Jährigen bei 5,8 Prozent. Mit 60 Jahren sind es 7,7 Prozent, und mit 66 Jahren erreicht er im Schnitt elf Prozent – das bedeutet, dass an jedem beliebigen Tag elf von hundert Beschäftigten dieser Altersgruppe krank geschrieben sind.

Bis zum Alter von 50 Jahren macht sich das wenig bemerkbar. Ab Mitte 50 allerdings zeigt der Bericht eine deutliche Dynamik: Die Fehlzeiten nehmen überproportional zu, und die Krankheiten werden gravierender. Im Jahr 2025 kamen auf 100 ältere Versicherte insgesamt 2.693 Fehltage – verglichen mit 1.744 bei den Jüngeren.

Gesundheit entscheidet darüber, wer länger arbeitet

Der Wunsch nach Frührente hängt eng mit dem eigenen Gesundheitsgefühl zusammen. Wer seine Gesundheit als gut einschätzt, plant zwar auch häufiger einen vorzeitigen Ausstieg – aber mit 49 Prozent deutlich seltener als diejenigen mit schlechter Gesundheit (60 Prozent). Das macht die Gesundheit zum wichtigsten Hebel, wenn es darum geht, länger im Berufsleben zu bleiben.

Interessant ist dabei der sogenannte Healthy-Worker-Effekt: In der späten Erwerbsphase verbleiben vor allem überdurchschnittlich gesunde Menschen im Beruf. Bei 69-Jährigen, die noch berufstätig sind, liegt der Krankenstand laut Bericht nur noch bei 3,9 Prozent – ein Wert, der auf den ersten Blick überraschend niedrig erscheint. Er erklärt sich daraus, dass die Gruppe derer, die bis in dieses Alter arbeiten können, ohnehin gesünder ist als der Durchschnitt.

Für Beschäftigte bedeutet das: Wer früh in Prävention investiert, erhöht die Chancen, tatsächlich bis zur Rente gesund und leistungsfähig zu bleiben. Wer hingegen chronische Erkrankungen vernachlässigt oder Warnsignale ignoriert, riskiert, bereits in den 50ern aus dem Berufsleben gedrängt zu werden – nicht durch eigene Wahl, sondern durch die eigene Gesundheit.

Aktivrente 2026: Die Politik hofft, die Beschäftigten zögern

Seit dem 1. Januar 2026 gibt es in Deutschland die sogenannte Aktivrente. Sie ermöglicht es Beschäftigten, nach Erreichen der Regelaltersgrenze bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuzuverdienen. Die Idee dahinter: Wer möchte, soll länger arbeiten können, ohne dabei durch Steuern belastet zu werden.

Die Befragungsdaten aus dem DAK-Gesundheitsreport 2026 zeigen jedoch: Das Instrument zieht weniger als erhofft. Nur 24 Prozent der Beschäftigten ab 50 können sich gut vorstellen, die Aktivrente zu nutzen. Weitere 41 Prozent schließen es zumindest nicht aus. Doch jeder dritte Befragte lehnt die Aktivrente klar ab.

Dabei sind die Gründe für die Skepsis je nach Geschlecht verschieden. Für 36 Prozent der Frauen ist der eigene Gesundheitszustand der wichtigste Hinderungsgrund – sie befürchten, schlicht nicht in der Lage zu sein, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten. Bei Männern steht dagegen der fehlende finanzielle Anreiz im Vordergrund (28 Prozent). Hinzu kommt, dass Frauen häufiger als Männer daran zweifeln, überhaupt ein entsprechendes Stellenangebot zu finden (32 gegenüber 27 Prozent).

Damit wird deutlich: Die Aktivrente löst das eigentliche Problem nicht. Wer wegen seiner Gesundheit nicht länger arbeiten kann, dem hilft ein Steuerbonus wenig. Wer dagegen gesund genug wäre, dem mangelt es oft an den richtigen Arbeitsbedingungen oder an ausreichenden Anreizen.

Wertschätzung: der unterschätzte Schlüssel zu längerem Arbeiten

Der DAK-Gesundheitsreport 2026 macht einen Befund besonders deutlich: Anerkennung wirkt. Beschäftigte ab 50, die ihre Erfahrung und ihr Wissen im Betrieb wenig wertgeschätzt sehen, planen zu einem deutlich höheren Anteil (55 Prozent) einen vorzeitigen Renteneintritt – verglichen mit 49 Prozent bei denjenigen, die viel Anerkennung erfahren.

Auf die Frage, was sie bräuchten, um „so lange wie möglich gesund, motiviert und leistungsfähig arbeiten" zu können, antworteten 40 Prozent: mehr Wertschätzung für ihre Arbeitsleistung. Für 36 Prozent wäre entscheidend, dass ihr Erfahrungswissen stärker anerkannt und genutzt wird. Das Problem dabei: Laut Bericht gibt nur die Hälfte aller Beschäftigten mit besonders viel Berufserfahrung an, tatsächlich ein hohes Maß an Anerkennung zu erfahren. Insgesamt berichten nur 44 Prozent aller Befragten von ausreichender Wertschätzung durch ihre Vorgesetzten.

DAK-Vorstandschef Andreas Storm kommentierte die Ergebnisse mit einem klaren Appell an Unternehmen: „Der Schlüssel für ein längeres Erwerbsleben sind ein nachhaltiges betriebliches Gesundheitsmanagement und eine Unternehmenskultur, die die Erfahrung älterer Beschäftigter wertschätzt." Unternehmen, die ihre älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten wollen, müssen die richtigen Rahmenbedingungen schaffen – nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für die Motivation.

Was Beschäftigte ab 50 selbst tun können

Die Daten des DAK-Gesundheitsreports zeigen, wie eng Gesundheit und Erwerbsfähigkeit zusammenhängen. Konkrete Schritte helfen, die eigene Gesundheit aktiv zu erhalten:

  • Vorsorgeuntersuchungen nutzen: Ab 35 Jahren haben gesetzlich Versicherte in Deutschland Anspruch auf den sogenannten Gesundheits-Check-up – alle drei Jahre. Der umfasst Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und eine körperliche Untersuchung. Wer die Angebote nutzt, erkennt Risiken früher.
  • Bewegung als Medizin: Bereits 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche – also etwa 30 Minuten täglich an fünf Tagen – senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenleiden und Depressionen. Gerade in der zweiten Lebenshälfte macht regelmäßige körperliche Aktivität den entscheidenden Unterschied.
  • Stressmanagement ernst nehmen: Chronischer Stress ist einer der häufigsten Treiber von Langzeiterkrankungen im Alter. Wer frühzeitig auf Entlastung setzt – sei es durch Pausen, klare Grenzen oder gezielte Entspannungstechniken – schützt seine Gesundheit auf Dauer.
  • Betriebliche Angebote nutzen: Viele Unternehmen bieten im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) Kursangebote, Beratung oder Präventionsprogramme an. Wer diese in Anspruch nimmt, investiert direkt in die eigene Arbeitsfähigkeit.

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