HPV-Selbsttest: Warum die neue Krebsvorsorge ein Gamechanger ist
Seit 2025: HPV-Selbsttest als GKV-Leistung ab 35 Jahren. Wie er funktioniert, wer ihn nutzen sollte und was ein positives Ergebnis bedeutet.
Seit Januar 2025 können Frauen ab 35 Jahren in Deutschland den sogenannten HPV-Selbsttest als Teil der gesetzlichen Krebsvorsorge nutzen. Das Besondere: Der Abstrich wird nicht mehr vom Arzt, sondern von der Frau selbst vorgenommen – zu Hause, mit einem einfachen Tupfer. Das Ergebnis wird im Labor analysiert. Laut aktuellen Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) haben im ersten Jahr bundesweit rund 800.000 Frauen den neuen Test genutzt.
Warum Gebärmutterhalskrebs so gefährlich ist – und so vermeidbar
Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen weltweit. In Deutschland erkranken jährlich rund 4.400 Frauen, rund 1.600 sterben daran. Fast alle Fälle gehen auf eine Infektion mit bestimmten Typen des humanen Papillomvirus (HPV) zurück – vor allem die Hochrisikotypen HPV 16 und HPV 18. Das Gute: Der Krebs entwickelt sich langsam, über Jahre, und ist in frühen Stadien fast immer heilbar.
Das bisherige Screening-System war der sogenannte Pap-Abstrich (nach Papanicolaou), bei dem der Arzt Zellen vom Gebärmutterhals abstreicht und mikroskopisch auf Veränderungen untersucht. Dieser Test ist effektiv, aber er erfordert einen Arztbesuch – eine Hürde für viele Frauen.
Wie der HPV-Selbsttest funktioniert
Für den Selbsttest führt die Frau einen kleinen Wattestäbchen-ähnlichen Tupfer flach in die Vagina ein – deutlich weniger tief als beim gynäkologischen Abstrich. Zellen werden entnommen, der Tupfer in eine Probe-Röhre gegeben und in ein Labor geschickt. Das Labor prüft auf HPV-DNA der Hochrisikotypen.
Studien zeigen: Der Selbsttest erkennt HPV-Infektionen ähnlich zuverlässig wie der Arztabstrich. Eine Metaanalyse in The Lancet aus 2024 analysierte 36 Studien mit über 100.000 Frauen und bestätigte eine vergleichbare Sensitivität. Bei positivem Befund folgt eine gynäkologische Untersuchung.
Wer sollte den Selbsttest nutzen?
Das neue Programm gilt für Frauen ab 35 Jahren, die alle drei Jahre einen HPV-Test erhalten. Für Frauen zwischen 20 und 34 bleibt der jährliche Pap-Abstrich Kassenleistung. Der Selbsttest richtet sich besonders an Frauen, die Vorsorge-Termine oft versäumen – etwa wegen Scham, mangelnder Zeit oder schlechter Erfahrungen mit Gynäkologen-Besuchen.
Die Anforderung des Testkits läuft über die Krankenkasse oder einen Hausarzt. Einige Kassen bieten bereits eigene digitale Antragswege an.
HPV-Impfung: der beste Schutz schon vor der Infektion
Für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren empfiehlt die STIKO die HPV-Impfung – sie schützt vor den krebsauslösenden Hochrisikotypen und ist als GKV-Leistung kostenlos. Eine Nachholimpfung bis 17 Jahre wird ebenfalls erstattet.
Häufige Fragen
Ist ein positiver HPV-Test gleichbedeutend mit Krebs?
Nein. Eine HPV-Infektion ist sehr häufig und heilt in den meisten Fällen von selbst ab. Ein positiver Test bedeutet lediglich, dass eine Untersuchung beim Gynäkologen sinnvoll ist, um mögliche Gewebeveränderungen auszuschließen.
Kann ich den Test auch als jüngere Frau nutzen?
Als Kassenleistung ab 35 Jahren. Jüngere Frauen können ihn auf eigene Kosten nutzen (ca. 30–50 Euro), aber für sie bleibt der jährliche Pap-Abstrich die empfohlene Kassenleistung.
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