Hitzesommer 2026: RKI schätzt 5.100 Hitzetote bis Ende Juni
Das RKI schätzt 5.120 hitzebedingte Todesfälle bis Ende Juni 2026 – mehr als in ganzen Vorjahren. Über 80 % sind älter als 75 Jahre.
Die Hitzewelle Ende Juni 2026 hat in Deutschland nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 5.120 Menschenleben gefordert. Das geht aus dem Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität hervor, den das RKI am 9. Juli 2026 veröffentlicht hat. Damit überschreitet die Zahl der Hitzetoten bereits zur Jahresmitte die Gesamtjahreswerte der vergangenen drei Jahre – ein alarmierendes Signal für den noch laufenden Sommer 2026.
Eine Woche, mehr als 4.300 Tote
Der größte Teil der Opfer starb in einer einzigen Woche: Allein in der Kalenderwoche 26, also zwischen dem 22. und 28. Juni, schätzt das RKI rund 4.310 hitzebedingte Todesfälle. Die Wochendurchschnittstemperatur lag in Deutschland laut Deutschem Wetterdienst bei 26,4 Grad Celsius – deutlich über dem Schwellenwert, ab dem die Sterblichkeit messbar ansteigt. Für die gesamte Hitzeperiode bis einschließlich 21. Juni hatte das RKI zuvor rund 810 Todesfälle geschätzt.
Das Statistische Bundesamt (Destatis) kommt für Kalenderwoche 26 sogar auf eine Übersterblichkeit von rund 6.800 Fällen – ein noch höherer Wert, weil Destatis alle Todesursachen berücksichtigt, nicht nur die direkt temperaturbedingten.
Wer besonders gefährdet ist
Mehr als 80 Prozent der geschätzten Hitzetoten waren älter als 75 Jahre. Auf die Altersgruppe der über 85-Jährigen entfielen laut RKI rund 2.950 der geschätzten 5.120 Todesfälle – das entspricht mehr als der Hälfte aller Opfer. Mehrere Faktoren erklären diese Ungleichverteilung: Mit zunehmendem Alter lässt die Fähigkeit des Körpers nach, Wärme durch Schwitzen abzuleiten. Chronische Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Nierenprobleme oder Typ-2-Diabetes erhöhen die Anfälligkeit zusätzlich. Wer mehrere Medikamente einnimmt – was im Alter häufig der Fall ist –, trägt ein erhöhtes Risiko für Wechselwirkungen mit Hitze: Blutdruckmittel, sogenannte Wassertabletten und bestimmte Herzmedikamente können in der Hitze die Nierenfunktion belasten oder den Blutdruck unkontrolliert absenken.
Zu den weiteren Risikogruppen zählt das Bundesgesundheitsministerium Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen, psychischen Erkrankungen sowie Säuglinge und Kleinkinder. Doch auch gesunde Erwachsene können bei Temperaturen über 35 Grad und zu geringer Flüssigkeitsaufnahme in eine lebensbedrohliche Hitzekrise geraten.
Warum hitzebedingte Todesfälle nur geschätzt werden können
Hitze steht auf den wenigsten Totenscheinen. In der Regel versagen durch extreme Temperaturen bereits vorgeschädigte Organe – das Herz, die Nieren, die Lunge. Diese Todesfälle erscheinen in der Statistik daher als Herzinfarkte oder Nierenversagen, obwohl die Hitze der eigentliche Auslöser war.
Das RKI arbeitet deshalb mit einem statistischen Modell: Es vergleicht die beobachtete Sterblichkeit in einer Woche mit dem Wert, der unter normalen Temperaturbedingungen zu erwarten gewesen wäre, und bezieht Temperaturmessungen des Deutschen Wetterdienstes ein. Die Ergebnisse sind Schätzwerte mit Unsicherheitsbereichen – die endgültigen Zahlen stehen erst Monate später fest.
Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 schätzte das RKI rund 2.600 hitzebedingte Todesfälle, 2024 waren es rund 2.900, 2023 rund 3.200. Die bisher schlimmsten Jahre waren 2018 und 2019 mit jeweils mehr als 7.000 Hitzetoten in Deutschland. Der Sommer 2026 liegt mit 5.120 Toten allein bis Ende Juni auf einem Kurs, diese Marken zu erreichen – und der heißeste Teil des Sommers steht noch bevor.
Was Sie jetzt tun können
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt besonders gefährdeten Personen und ihren Angehörigen:
- Viel trinken: Mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser täglich, auch ohne Durstgefühl. Im Alter lässt das Durstempfinden nach.
- Kühle Räume aufsuchen: Tagsüber Fenster und Rollläden schließen, nachts lüften. Öffentliche kühle Orte wie Bibliotheken oder Einkaufszentren nutzen.
- Direkte Sonne meiden: Besonders zwischen 11 und 15 Uhr im Schatten bleiben, helle leichte Kleidung und Kopfbedeckung tragen.
- Medikamente überprüfen lassen: Wer regelmäßige Medikamente einnimmt, sollte mit seiner Hausarztpraxis klären, ob die Dosierung bei Hitze angepasst werden muss. Das gilt vor allem für Blutdruckmittel, Entwässerungstabletten und Herzmedikamente.
- Älteren Menschen regelmäßig Bescheid geben: Nachbarn, Verwandte und pflegebedürftige Menschen täglich kontaktieren. Das RKI weist darauf hin, dass alleinlebende Ältere besonders gefährdet sind.
Wer bei sich oder anderen Zeichen einer Hitzekrise bemerkt – starkes Schwitzen oder plötzliches Aufhören des Schwitzens, Schwindel, Verwirrtheit oder eine sehr hohe Körpertemperatur –, sollte sofort den Notruf 112 anrufen. Bei leichteren Beschwerden wie Kopfschmerzen oder allgemeiner Erschöpfung bieten Telemedizin-Dienste wie Kry und TeleClinic schnelle Videokonsultationen, ohne den Weg in eine Praxis antreten zu müssen. Preventicus bietet für Herzpatienten und Risikopersonen kontinuierliches digitales Herzmonitoring. Für eine erste Symptomeinschätzung steht Ada Health als KI-basierter Symptomchecker rund um die Uhr bereit.
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Häufige Fragen
Ab welcher Temperatur wird Hitze gefährlich?
Das RKI sieht ab einer mittleren Tagestemperatur von etwa 22 Grad Celsius einen messbaren Anstieg der Sterblichkeit. Für Risikogruppen – ältere Menschen, Chroniker, Kleinkinder – liegen die Grenzwerte niedriger. In der Hitzewelle der Kalenderwoche 26 lag die Wochendurchschnittstemperatur bei 26,4 Grad.
Warum sterben in Hitzewellen so viele ältere Menschen?
Mit steigendem Alter nimmt die Fähigkeit des Körpers zur Temperaturregulation durch Schwitzen ab. Das Durstgefühl lässt nach, sodass Flüssigkeitsmangel schleichend entsteht. Hinzu kommen häufige Vorerkrankungen und Mehrfachmedikation, die das Risiko weiter erhöhen.
Wann ist Hitze ein Notfall?
Sofort den Notruf 112 anrufen bei Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit, sehr hoher Körpertemperatur über 40 Grad oder wenn das Schwitzen plötzlich aufhört – das sind Anzeichen eines Hitzeschlags. Die betroffene Person in den Schatten bringen und mit feuchten Tüchern kühlen, bis der Rettungsdienst eintrifft.