Hitze und Herzinfarkt: Warum der Sommer für Herzkranke gefährlich ist
Hitzewellen erhöhen Herzinfarkt-Risiko erheblich. Was Herzkranke im Sommer wissen und tun sollten.
Wenn die Temperaturen klettern, steigt das Risiko für Herzpatientinnen und -patienten. Hitzewellen gehören zu den gefährlichsten Klimaereignissen für die menschliche Gesundheit – und das Herz-Kreislauf-System trägt dabei die größte Last. Wer mit Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder koronarer Herzkrankheit lebt, muss in heißen Sommern besonders aufpassen.
Wie Hitze das Herz belastet
Bei großer Wärme versucht der Körper, Wärme über die Haut abzugeben. Dafür erweitern sich die Blutgefäße, und das Herz muss mehr Blut durch den Kreislauf pumpen – die Herzfrequenz steigt. Gleichzeitig schwitzt der Körper stärker und verliert Flüssigkeit und Mineralstoffe wie Kalium und Natrium. Das führt zu einem niedrigeren Blutvolumen, was den Blutdruck senken kann. Für ein gesundes Herz ist das kein Problem. Für ein vorerkranktes Herz bedeutet es: mehr Arbeit bei weniger Ressourcen.
Laut einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) erhöht anhaltende Hitze ab 35 Grad Celsius das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Dekompensation bei Herzinsuffizienz und akute Koronarereignisse – also Herzinfarkte. Besonders gefährlich sind Tropennächte, in denen die Temperaturen über 20 Grad bleiben. Dann erholt sich das Herz nicht mehr ausreichend.
Hitze fördert zudem die Bildung von Blutgerinnseln. Das Blut verdickt sich, wenn der Körper zu wenig Flüssigkeit enthält – das Risiko für Thrombosen und damit für Herzinfarkte und Schlaganfälle steigt. Wer blutverdünnende Medikamente wie Marcumar oder neue orale Antikoagulanzien einnimmt, sollte wissen: Ihre Wirkung kann sich durch starken Flüssigkeitsverlust verschieben. Engmaschige Kontrollen mit der behandelnden Ärztin sind im Sommer besonders wichtig.
Mehrere Tausend Hitzetote pro Sommer in Deutschland
Die Zahlen sind alarmierend. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat für den Sommer 2022 rund 4.500 hitzebedingte Übersterblichkeitsfälle in Deutschland ermittelt. Ein erheblicher Teil davon entfiel auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Europa lag die Zahl der hitzebedingten Todesfälle im Sommer 2022 nach Schätzungen des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) bei mehr als 60.000 Menschen.
Das Robert Koch-Institut (RKI) dokumentiert im Rahmen seines Klimawandel- und Gesundheitsprojekts, dass hitzebedingte Sterblichkeit in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat – und mit dem Klimawandel weiter zunehmen wird. Personen über 65 Jahre und Menschen mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zählen zu den am stärksten betroffenen Gruppen.
Wer ist besonders gefährdet?
Das Risiko ist nicht für alle gleich. Menschen mit koronarer Herzkrankheit (KHK) – in Deutschland sind das schätzungsweise mehr als fünf Millionen Betroffene – reagieren auf Hitze besonders empfindlich. Dasselbe gilt für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz, bei denen die Pumpleistung des Herzens bereits eingeschränkt ist. Wer Blutdruckmittel, Diuretika (Entwässerungstabletten) oder Herzrhythmusmittel einnimmt, sollte wissen: Diese Medikamente können die Hitzeanpassung des Körpers beeinflussen und in Kombination mit starkem Schwitzen zu Kreislaufproblemen führen.
Auch Vorhofflimmern – mit rund zwei Millionen Betroffenen die häufigste Herzrhythmusstörung in Deutschland – kann durch Hitze und Dehydration ausgelöst oder verschlechtert werden. Das Herz schlägt dann unregelmäßig, was das Schlaganfallrisiko erhöht. Besonders in den Sommermonaten berichten Kardiologen von einer Häufung von Vorhofflimmern-Episoden bei Patientinnen und Patienten, die zu wenig getrunken haben.
Was Herzpatienten jetzt tun sollten
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt Herzpatientinnen und -patienten bei anhaltender Hitze konkrete Schutzmaßnahmen. Trinken steht dabei an erster Stelle: mindestens eineinhalb bis zwei Liter Wasser täglich, außer bei bestehenden Einschränkungen durch eine Herzinsuffizienz-Therapie, bei der die Flüssigkeitsmenge ärztlich festgelegt wird. Körperliche Anstrengung sollte in die kühlen Morgenstunden gelegt werden, nicht in die Mittagshitze zwischen 12 und 16 Uhr.
Wer Blutdruckmittel nimmt, sollte in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt prüfen, ob die Dosierung bei anhaltender Hitze angepasst werden muss. Das eigenständige Absetzen von Medikamenten ist nicht ratsam – immer zuerst ärztlich rückfragen. Zusätzlich hilft es, die Wohnung frühmorgens durchzulüften und tagsüber abzudunkeln. Ein kühler Waschlappen im Nacken oder kalte Fußbäder können den Körper schnell abkühlen, ohne das Herz zu belasten. Passende Telemedizin-Dienste für Herzerkrankungen findest du auf bestes.com.
Herzrhythmus und Blutdruck digital im Blick behalten
Digitale Gesundheitslösungen können dabei helfen, Herzrhythmus und Blutdruck regelmäßig zu überwachen – gerade in Zeiten erhöhter Belastung wie Hitzewellen. Blutdruckmess-Apps und vernetzte Geräte ermöglichen es, Messwerte automatisch zu protokollieren und bei Ausreißern zu warnen. Für Menschen mit bekanntem Vorhofflimmern gibt es zertifizierte Anwendungen, die EKG-Daten per Smartphone oder Smartwatch erfassen und mit der behandelnden Kardiologin teilen können.
Wer selbst keine Technik-Affinität hat, profitiert von einfachen Lösungen: Ein klassisches Blutdruckmessgerät, zweimal täglich zur gleichen Tageszeit gemessen, liefert wertvolle Informationen für das nächste Arztgespräch. Moderne Telemedizin-Dienste für Herzkranke bieten darüber hinaus regelmäßige Video-Konsultationen mit Kardiologinnen und Kardiologen an – ohne weite Wege in die Hitze.
Wann sofort handeln? Warnsignale ernst nehmen
Bestimmte Symptome sollten Herzpatientinnen und -patienten im Sommer sofort ernst nehmen: starkes Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag, plötzliche Kurzatmigkeit, Brustenge oder Druckgefühl in der Brust, ungewöhnliches Schwindelgefühl oder Ohnmachtsanfälle. Diese Symptome können im Sommer durch Hitze und Flüssigkeitsmangel verstärkt werden – und sie können auf eine akute Herzproblematik hinweisen. Im Zweifel gilt: Notruf 112 anrufen, nicht abwarten.
Der Sommer 2026 dürfte nach aktuellen Klimaprognosen erneut überdurchschnittlich warm werden. Für die rund sieben Millionen Deutschen, die mit einer diagnostizierten Herzerkrankung leben, ist das kein Grund zur Panik – aber ein klarer Anlass, den eigenen Schutzplan zu überdenken und mit der Kardiologin oder dem Hausarzt zu besprechen. Wer gut vorbereitet in den Sommer geht, kann das Risiko deutlich senken.