Von Redaktion

Hepatitis B: Fallzahlen in Deutschland sinken erstmals seit Jahren deutlich

Das RKI meldet zum Welt-Hepatitis-Tag: Hepatitis-B-Fälle sanken 2025 um 22,5 Prozent. Was das für Risikogruppen bedeutet – und wie man sich schützt.

Pünktlich vor dem Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli hat das Robert Koch-Institut gute Nachrichten veröffentlicht: Im Jahr 2025 sanken die gemeldeten Hepatitis-B-Neuinfektionen in Deutschland um 22,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das entspricht rund 5.000 weniger Fällen. Auch die seltenere, aber gefährlichere Begleiterkrankung Hepatitis D verzeichnete einen Rückgang um 43 Prozent. Das geht aus dem Epidemiologischen Bulletin 29/2026 des RKI hervor, das am 16. Juli erschien. Damit setzt sich ein Trend fort, der 2024 erstmals nach fast einem Jahrzehnt stetig steigender Fallzahlen sichtbar wurde.

Was ist Hepatitis B – und warum ist der Rückgang bedeutsam?

Hepatitis B ist eine Leberentzündung, die durch das Hepatitis-B-Virus (HBV) verursacht wird. Das Virus wird über Blut, Sexualkontakt oder von der Mutter auf das Kind bei der Geburt übertragen. Chronische Verläufe – also Infektionen, die länger als sechs Monate andauern – können langfristig zu Leberzirrhose (Vernarbung der Leber) und Leberkrebs führen. Weltweit sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 240 Millionen Menschen chronisch infiziert.

In Deutschland war die Zahl der gemeldeten Fälle ab dem Jahr 2015 kontinuierlich gestiegen – ein Trend, der nun erstmals in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gebrochen wurde. 2024 gingen die Zahlen erstmals zurück, 2025 setzte sich dieser Rückgang mit 22,5 Prozent deutlich fort. Für Experten ist das ein wichtiges Signal: Es zeigt, dass Prävention, verbesserte Diagnostik und antIvirale Therapien zusammenwirken und Früchte tragen.

Wer ist besonders gefährdet?

Trotz des positiven Trends weist das RKI darauf hin, dass bestimmte Gruppen weiterhin überproportional betroffen sind. Dazu gehören Menschen mit Migrationsgeschichte aus Ländern mit hoher Hepatitis-B-Verbreitung – etwa Teilen Afrikas, Asiens und Osteuropas – sowie Menschen, die Drogen injizieren. In diesen Gruppen bleibt das Risiko einer Ansteckung deutlich erhöht, da das Virus in Regionen mit hoher Prävalenz häufig bereits in der Kindheit übertragen wird, lange bevor ein schützender Impfstoff verfügbar war.

Hepatitis D tritt nur bei Menschen auf, die bereits mit Hepatitis B infiziert sind. Diese sogenannte Superinfektion oder Koinfektion kann den Krankheitsverlauf erheblich verschlimmern und das Risiko einer Leberzirrhose deutlich erhöhen. Der Rückgang um 43 Prozent bei Hepatitis D spiegelt daher auch den Erfolg bei der Hepatitis-B-Bekämpfung wider. Wer bereits weiß, dass er Hepatitis-B-Träger ist, sollte sich von seinem Arzt informieren lassen, ob eine Schutzimpfung gegen Hepatitis A und regelmäßige Leberwertkontrollen sinnvoll sind.

Impfung ist der wirksamste Schutz

Die wichtigste Maßnahme gegen Hepatitis B ist die Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für alle Säuglinge im ersten Lebensjahr sowie für Risikogruppen – darunter medizinisches Personal, Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern und Personen aus Regionen mit hoher Hepatitis-B-Prävalenz. Drei Impfstoffdosen reichen in der Regel für einen lebenslangen Schutz aus. Kombinationsimpfstoffe schützen gleichzeitig gegen Hepatitis A.

Laut dem Paul-Ehrlich-Institut stehen in Deutschland mehrere sichere und wirksame Impfstoffe zur Verfügung. Die Grundimmunisierung im Säuglingsalter – seit 1995 von der STIKO empfohlen – hat die Fallzahlen bereits in der Vergangenheit erheblich gesenkt. Der aktuelle Trend bestätigt diesen Effekt: Eine höhere Durchimpfungsrate in der Bevölkerung führt schrittweise zu weniger Neuinfektionen auch in Altersgruppen, die von der Säuglingsimpfung noch nicht profitiert haben.

Das WHO-Ziel: Hepatitis bis 2030 eliminieren

Die WHO hat sich 2016 das Ziel gesetzt, virale Hepatitis bis 2030 als öffentliches Gesundheitsproblem zu eliminieren. Das bedeutet konkret: 90 Prozent weniger Neuinfektionen und 65 Prozent weniger Todesfälle im Vergleich zu 2015. Die deutschen Zahlen von 2025 zeigen, dass dieses Ziel erreichbar ist – aber nur, wenn die Anstrengungen bei Impfung, niedrigschwelligen Testangeboten und Therapiezugang konsequent fortgesetzt werden.

Ein wichtiger Baustein ist die Früherkennung. Viele Menschen wissen nicht, dass sie mit Hepatitis B infiziert sind – denn die Infektion verläuft häufig über Jahre ohne Beschwerden. Erst wenn die Leber bereits geschädigt ist, zeigen sich Symptome wie Müdigkeit, Gelbfärbung der Haut oder Oberbauchschmerzen. Ein einfacher Bluttest kann eine Infektion zuverlässig nachweisen und den Weg zur Behandlung ebnen.

Häufige Fragen zu Hepatitis B

Bin ich geimpft? Wer vor 1995 geboren wurde, hat möglicherweise keinen vollständigen Impfschutz erhalten – die allgemeine Säuglingsimpfung wurde erst ab diesem Jahr empfohlen. Ein Blick in den Impfausweis oder ein kurzes Gespräch mit dem Arzt schafft Klarheit. Ein Titerabnahme (Antikörpertest) zeigt zuverlässig, ob ein Immunschutz besteht.

Muss ich mich testen lassen? Wer zu einer Risikogruppe gehört – etwa durch Herkunft aus einem Hochprävalenzland, beruflichen Kontakt zu Blut, häufig wechselnde Sexualpartner oder frühere Drogennutzung – sollte einmal auf Hepatitis B getestet werden. Viele Infektionen verlaufen anfangs symptomlos und werden erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt, wenn Leberschäden bereits eingetreten sind.

Gibt es eine Behandlung? Akute Hepatitis B heilt in den meisten Fällen von selbst aus. Bei chronischen Verläufen stehen seit Jahren wirksame antivirale Medikamente zur Verfügung, die das Virus dauerhaft kontrollieren und schwere Leberschäden verhindern können. Für gesetzlich Versicherte sind diese Medikamente in der Regel ohne Aufzahlung erhältlich. Telemedizinische Dienste können bei der Beratung helfen und – wo nötig – Überweisungen für Labortests und Spezialisten ausstellen.

Der diesjährige Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli steht unter dem Motto „Hepatitis: Keine Ausrede mehr". Das Motto soll verdeutlichen: Die Mittel zur Bekämpfung von Hepatitis B existieren – Impfstoff, Tests und Medikamente sind vorhanden. Was es braucht, ist die konsequente Umsetzung. Die sinkenden Fallzahlen in Deutschland sind ein ermutigender Schritt in diese Richtung. Sie zeigen, dass öffentliche Gesundheitsmaßnahmen wirken – wenn sie flächendeckend, niedrigschwellig und auf alle Risikogruppen ausgerichtet sind.

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