Von Redaktion

Hepatitis B 2025: Erstmals deutlich weniger Faelle – aber Hunderttausende wissen nicht, dass sie infiziert sind

RKI Epi-Bull 29/2026: HBV-Infektionen sinken 2025 um 22,5%. Doch bis zu 650.000 Deutsche leben undiagnostiziert mit chronischer Hepatitis B.

Die Zahl der gemeldeten Hepatitis-B-Neuinfektionen in Deutschland ist im Jahr 2025 erstmals seit zehn Jahren deutlich gesunken. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die aktuellen Meldedaten im Epidemiologischen Bulletin 29/2026 ausgewertet und meldet einen Rueckgang von 22,5 Prozent gegenueber dem Vorjahr. Die Zahlen kommen rechtzeitig vor dem Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli 2026 – einem jaehrlichen Aktionstag der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der auf die globale Hepatitis-Belastung aufmerksam macht. Trotz der guten Nachricht: Hunderttausende Deutsche leben vermutlich mit einer unerkannten chronischen Hepatitis-B-Infektion.

Was der neue RKI-Bericht zeigt

Nach einem kontinuierlichen Anstieg der gemeldeten Hepatitis-B-Faelle in Deutschland seit 2015 kehrte sich der Trend im Jahr 2025 erstmals um. Laut Epidemiologischem Bulletin 29/2026 gingen die Neudiagnosen um 22,5 Prozent zurueck – das entspricht rund 5.082 Faellen weniger als im Jahr zuvor. Auch die Hepatitis-D-Infektionen, die nur gemeinsam mit Hepatitis B auftreten koennen, nahmen deutlich ab: um 43 Prozent, was 53 Faelle weniger bedeutet.

Zum Vergleich: Der starke Anstieg der Vorjahre hatte verschiedene Ursachen. Das RKI nennt darunter den Nachholeffekt nach der COVID-19-Pandemie – viele Diagnosen, die 2020 und 2021 ausgeblieben waren, wurden 2022 und 2023 nachgeholt. Ausserdem spielten die Einfuehrung des elektronischen Meldesystems DEMIS sowie ein neues HBV-Screening im Rahmen des Gesundheits-Check-ups 35 eine Rolle: Seit Oktober 2021 koennen gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren im Rahmen dieses Vorsorgetermins auf Hepatitis B und C getestet werden.

Trotz des Rueckgangs bleibt die Gesamtlage ernst. Hepatitis B gehoert weltweit zu den haeufigsten Infektionskrankheiten mit schwerwiegenden Folgen. Die WHO schaetzt, dass global rund 254 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-B-Virus leben – die meisten ohne es zu wissen. Deutschland liegt im europaischen Vergleich im mittleren Bereich, verzeichnet aber nach wie vor eine relevante Krankheitslast, die durch gezielte Impfung und Frueherkennungsangebote weiter gesenkt werden koennte.

Das unterschaetzte Problem: Chronische Hepatitis B

Die guten Neuigkeiten aus dem RKI-Bericht duerfen nicht darueber hinwegtaeuschen, dass Hepatitis B in Deutschland ein ernstes, oft unsichtbares Gesundheitsproblem bleibt. Schaetzungsweise 300.000 bis 650.000 Menschen in Deutschland leben mit einer chronischen Hepatitis-B-Infektion – die meisten von ihnen ohne Diagnose.

Hepatitis B verlaeuft bei Erwachsenen haeufig ohne eindeutige Symptome. Die akute Infektion erzeugt zwar in manchen Faellen Beschwerden wie Muedigkeit, Gelbsucht oder Oberbauchschmerzen – doch viele Betroffene bemerken sie kaum. Bei rund zehn Prozent der infizierten Erwachsenen geht die akute Infektion in eine chronische ueber. Das Virus bleibt dann dauerhaft im Koerper und kann ueber Jahre hinweg still die Leber schaedigen. Am Ende steht in schweren Faellen eine Leberzirrhose oder ein Leberzellkarzinom – beide schwer zu behandeln, oft erst spaet erkannt.

Bei Neugeborenen und Saeuglingen, die sich bei der Mutter anstecken, ist das Chronifizierungsrisiko hingegen extrem hoch: Bis zu 90 Prozent der Betroffenen entwickeln eine chronische Infektion. Deshalb gehoert die Hepatitis-B-Impfung in Deutschland seit 1995 zum regulaeren Impfkalender fuer Saeugliche. Die Durchimpfungsrate bei Kindern liegt inzwischen bei ueber 90 Prozent – ein Erfolg, der zeigt, wie wirksam Impfprogramme sein koennen.

Wer ist besonders gefaehrdet?

Laut RKI sind bestimmte Bevoelkerungsgruppen besonders stark von Hepatitis B betroffen. Dazu zaehlen Menschen mit Migrationshintergrund aus Laendern mit hoher Hepatitis-B-Praevalenz – etwa Teilen Afrikas, Suedostasiens, Osteuropas und des Nahen Ostens. In diesen Regionen ist die Uebertragung von Mutter auf Kind oder unter Kindern wesentlich haeufiger als in Deutschland.

Weitere Risikogruppen sind Menschen, die intravenoes Drogen konsumieren, sowie Personen mit wechselnden Sexualpartnern. Das Virus uebertraegt sich durch Blut, Sexualkontakt und von der Mutter auf das Kind bei der Geburt – nicht durch Husten, Niesen oder Haendeschuetteln. Dieses Wissen ist wichtig, um unnoetige Stigmatisierung Betroffener zu vermeiden.

Auch Menschen, die vor 1995 geboren wurden und in der Kindheit nicht geimpft wurden, haben haeufig keinen Impfschutz. Die Staendige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Hepatitis-B-Impfung fuer Erwachsene ohne Schutz, sofern sie einer Risikogruppe angehoeren – etwa Gesundheitspersonal, Personen mit haeufig wechselnden Sexualpartnern oder Menschen, die in ein Hochpraevalenzland reisen. Die Impfserie umfasst in der Regel drei Dosen ueber sechs Monate und bietet danach einen langjaehrigen Schutz.

Was jetzt konkret helfen kann

Die wichtigste Botschaft zum Welt-Hepatitis-Tag 2026: Wer seinen Hepatitis-B-Status nicht kennt, kann ihn mit einem einfachen Bluttest klaeren. Seit Oktober 2021 uebernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen die Testung auf Hepatitis B und C als Teil des Gesundheits-Check-ups 35 – eines kostenlosen Vorsorgetermins fuer alle Versicherten ab 35 Jahren, der alle drei Jahre in Anspruch genommen werden kann.

Wer einer Risikogruppe angehoert, sollte diesen Check nicht aufschieben: Ein frueh erkannter chronischer Hepatitis-B-Befund laesst sich heute mit antiviralen Medikamenten wie Tenofovir oder Entecavir gut kontrollieren. Diese Wirkstoffe hemmen die Vermehrung des Virus im Koerper dauerhaft und schuetzen die Leber vor fortschreitenden Schaeden – das Risiko fuer Leberzirrhose und Leberkrebs wird erheblich gesenkt.

Wer sich unsicher ist, ob der eigene Impfschutz noch besteht, kann das ebenfalls per Bluttest pruefen lassen. Bei Erwachsenen ohne ausreichenden Schutz steht eine gut vertraegliche und hochwirksame Impfung zur Verfuegung. Telemedizinische Angebote ermoeglichen eine unkomplizierte Erstberatung: Im Videogespraech laesst sich klaeren, ob ein Test oder eine Impfung sinnvoll ist, ohne sofort in eine Praxis zu muessen. Auf bestes.com findest du passende Anbieter fuer genau solche Gespraeche.

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