Von Redaktion

Gesundheitsreform 2026: Neun von zehn Deutschen wollen grundlegenden Umbau

Bertelsmann-Stiftung-Studie 2026: 90 % fordern Gesundheitsreform. Was die Deutschen konkret wollen – unabhängiger Überblick auf Bestes.com.

Neun von zehn Deutschen halten grundlegende Veränderungen im Gesundheitssystem für dringend notwendig. Das ist das zentrale Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die die Bertelsmann Stiftung und der Bosch Health Campus im Mai 2026 unter dem Dach des Health Transformation Hub veröffentlicht haben. Befragt wurden 2.301 Erwachsene zwischen Februar und März 2026 – die Ergebnisse überraschen weniger durch das klare Votum für Reformen als durch die breite Zustimmung über Partei- und Altersgrenzen hinweg.

Zufrieden, aber besorgt: Wie die Deutschen ihr Gesundheitssystem sehen

Das Bild ist widersprüchlich. Etwa zwei Drittel der Befragten gaben an, mit dem deutschen Gesundheitssystem insgesamt zufrieden zu sein. Gleichzeitig erwarten fast genauso viele, dass sich die Situation in den nächsten fünf Jahren verschlechtern wird. Und jeder Zweite hat das Gefühl, dass sich das System bereits in den vergangenen fünf Jahren zum Negativen verändert hat.

Das erklärt, warum die Forderung nach Reform so eindeutig ausfällt, obwohl die aktuelle Zufriedenheit noch vergleichsweise hoch ist. Die Menschen erleben keine akute Krise, aber sie sehen die Zeichen: zu lange Wartezeiten, Ärztemangel auf dem Land, zu viel Bürokratie. Das System funktioniert noch – aber nur knapp. Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, formuliert es direkt: "Das Gesundheitssystem ist ein zentraler Pfeiler eines funktionierenden Staatswesens – der jedoch immer mehr bröckelt."

Was die Menschen konkret wollen: Hausarzt, Ambulanz, Teammedizin

Die Studie fragte nicht nur nach der allgemeinen Reformbereitschaft, sondern auch nach konkreten Maßnahmen. Das Ergebnis ist eindeutig: 71 Prozent sprechen sich für das Prinzip "Hausarzt vor Facharzt" aus – der Hausarzt soll als erste Anlaufstelle gestärkt werden, bevor Spezialisten hinzugezogen werden. 63 Prozent befürworten außerdem, ambulante Eingriffe grundsätzlich zu bevorzugen, wenn das medizinisch möglich ist. Stationäre Aufenthalte also nur dann, wenn sie wirklich nötig sind.

Besonders stark ist die Zustimmung zu flexibleren Versorgungsformen. 79 Prozent würden mobile Sprechstunden in kleineren Gemeinden begrüßen – also Ärzte und Pflegefachkräfte, die zu den Menschen kommen, statt umgekehrt. 77 Prozent wünschen sich Vorsorgeangebote in Alltagseinrichtungen wie Schulen, Betrieben oder Einkaufszentren. Gesundheitszentren als Alternative zur klassischen Einzelarztpraxis würde die Mehrheit akzeptieren, auch wenn die Anfahrt etwas länger wäre.

Offen zeigen sich die Befragten auch für eine neue Aufgabenteilung in Praxen. 61 Prozent sagen, es spiele keine Rolle, wer Symptome abklärt – solange es schnell geht. 77 Prozent sagen, es spiele keine Rolle, wer eine Behandlung durchführt – solange sie gut ist. Das ist ein klares Signal, dass die Bevölkerung bereit wäre, bestimmte Aufgaben von Ärzten auf geschultes Pflegepersonal oder medizinische Fachangestellte zu übertragen.

Digitalisierung: Ja – aber mit klaren Grenzen

Beim Thema Digitalisierung differenzieren die Befragten genau. Videosprechstunden und Telefonkonsultationen als Ergänzung zum persönlichen Arztgespräch finden breite Zustimmung. Künstliche Intelligenz zur Auswertung von Gesundheitsdaten, um Diagnosen besser zu unterstützen, befürwortet die Mehrheit ebenfalls. Anders sieht es aus, wenn KI direkt Krankheitssymptome einschätzen soll – hier überwiegt die Skepsis.

Das ist ein differenziertes Bild, das die tatsächliche Stimmung in Deutschland gut widerspiegelt: Digitale Werkzeuge ja, aber als Unterstützung, nicht als Ersatz für den Arzt. Jüngere Befragte sind erwartungsgemäß offener für digitale Lösungen als ältere – aber auch bei den Jüngeren gilt: Die menschliche Beurteilung hat Vorrang.

Warum Partei und Alter kaum eine Rolle spielen

Bemerkenswert an der Studie ist die politische Breite der Zustimmung. Die Forderung nach Gesundheitsreformen ist keine Frage der Parteipräferenz: Unabhängig davon, wen jemand wählt, hält die große Mehrheit strukturelle Veränderungen für notwendig. Das gibt der Politik theoretisch viel Spielraum – und macht Blockaden schwerer zu rechtfertigen. Mark Dominik Alscher, Geschäftsführer des Bosch Health Campus, betont: "Eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung wird nur mit einer belastbaren Primärversorgung funktionieren, die nah bei den Menschen ist."

Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt der Politik, die hohe Reformbereitschaft jetzt zu nutzen. Das Bundesgesundheitsministerium hat bereits eine unabhängige Finanzkommission Gesundheit beauftragt, bis Ende 2026 konkrete Vorschläge für strukturelle Verbesserungen vorzulegen. Die Bevölkerung hat ihr Ja-Wort gegeben – ob mutige Maßnahmen folgen, entscheidet sich in den nächsten Monaten.

Einen ersten Hinweis, wie ernst die Politik das nimmt, liefert der Herbst 2026: Dann soll die Finanzkommission ihren Zwischenbericht vorlegen. Parallel laufen bereits erfolgreiche Modellprojekte – von Gemeinschaftspraxen an der Ostsee bis zu integrierten Gesundheitszentren in Baden-Württemberg, die zeigen, dass ein anderes System möglich ist. Was dort funktioniert, könnte bundesweit zum Standard werden – wenn die Politik den Schritt wagt.

Was das für Patienten jetzt bedeutet

Für Menschen, die heute mit dem Gesundheitssystem zu tun haben, bedeuten diese Ergebnisse zweierlei. Erstens: Sie sind nicht allein mit ihrer Frustration. Die Wahrnehmung, dass etwas nicht stimmt, teilen Millionen Menschen in Deutschland. Zweitens: Wer sich im System gut orientiert, kann trotzdem gute Versorgung finden. Wer weiß, welche digitalen Gesundheitsangebote für sein konkretes Problem geeignet sind, muss nicht endlos warten. Vergleichsportale wie Bestes.com zeigen unabhängig, welche Apps, Telemedizin-Dienste oder digitalen Gesundheitsangebote für welche Situation passen – vom Hautarzt per Video bis zur DiGA auf Rezept. Das ist kein Ersatz für den Arzt, aber ein konkreter erster Schritt, das System klüger zu nutzen.

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