Von Redaktion

Gehirnerschütterung im Fußball: FIFA stellt neues 3-Minuten-Protokoll vor

Ein internationales Team hat ein neues Protokoll entwickelt, das Gehirnerschütterungen im Fußball in unter drei Minuten erkennt – pünktlich zur WM 2026.

Während die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko die Welt in Fußballfieber versetzt, hat ein internationales Forschungsteam ein Problem gelöst, das Mannschaftsärzte seit Jahren beschäftigt: Wie erkennt man eine Gehirnerschütterung während eines laufenden Spiels – schnell genug, um den Spieler zu schützen, ohne die Partie unnötig zu unterbrechen? Das neue FOCUS-Protokoll (Football-Specific Standardised On-Pitch Concussion Assessment) liefert jetzt eine Antwort. Das Ergebnis erschien im Fachjournal JAMA Neurology 2026.

Warum Gehirnerschütterungen im Fußball so gefährlich sind

Gehirnerschütterungen sind im Fußball häufiger als viele denken. Beim Kopfball, beim Zusammenprall zweier Spieler oder bei einem harten Sturz auf den Rasen kann das Gehirn kurzzeitig gegen die Schädelwand stoßen. Die Folge: kurzfristige Verwirrtheit, Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit – klassische Zeichen einer Gehirnerschütterung.

Das eigentliche Problem ist die Dunkelziffer. Schätzungen zufolge wird mindestens die Hälfte aller Gehirnerschütterungen entweder nicht erkannt oder nicht gemeldet. Spieler, die trotz Symptomen weiterspielen, riskieren das sogenannte Second-Impact-Syndrom: Eine zweite Erschütterung kurz nach der ersten kann zu schwerwiegenden, in seltenen Fällen sogar lebensbedrohlichen Hirnschäden führen. Bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren ist Gehirnerschütterung durch Fußball die häufigste sportbedingte Krankenhausdiagnose.

Bisher dauerten standardisierte Beurteilungsverfahren für Gehirnerschütterungen zwischen zehn und fünfzehn Minuten – eine Zeitspanne, die im Spielbetrieb praktisch nicht umsetzbar ist. Viele Entscheidungen trafen Ärzte deshalb auf Basis von Bauchgefühl oder einzelnen Beobachtungen.

Das FOCUS-Protokoll: 45 Punkte in unter drei Minuten

Genau hier setzt das FOCUS-Protokoll an. Das Forschungsteam um Kerry Peek von der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) in Zürich – unterstützt von 17 Spezialistinnen und Spezialisten aus 14 Ländern – entwickelte einen strukturierten Beurteilungsbogen mit 45 Punkten, aufgeteilt auf elf Bereiche. Er umfasst die Krankengeschichte des Spielers, Gleichgewichts- und Orientierungstests sowie eine gezielte Symptomabfrage.

Das Entscheidende: Die gesamte Untersuchung dauert laut einer Studie in JAMA Neurology weniger als drei Minuten. Das Protokoll liefert dabei keine endgültige Diagnose, sondern beantwortet eine einzige Frage: Kann eine Gehirnerschütterung sicher ausgeschlossen werden? Zeigt der Spieler auch nur ein einziges auffälliges Zeichen, muss er sofort ausgewechselt werden – ohne Wenn und Aber.

Das Protokoll wurde gemeinsam mit den sechs kontinentalen Fußballverbänden entwickelt und soll weltweit zum Standard werden – vom Profifußball bis zum Amateurverein. Die Veröffentlichung pünktlich zur WM 2026 ist kein Zufall: Das Turnier gilt als Schaufenster für globale Standards im Spielerbetrieb.

Kinder und Frauen tragen ein höheres Risiko

Zwei Gruppen sind besonders gefährdet: Kinder und Jugendliche sowie Frauen und Mädchen. Junge Gehirne reagieren empfindlicher auf Erschütterungen als erwachsene – Erholungsphasen nach einer Gehirnerschütterung dauern bei Kindern oft länger, und das Risiko von Langzeitfolgen ist höher. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Mädchen im Fußball häufiger Gehirnerschütterungen erleiden als Jungen – möglicherweise durch Unterschiede in Nackenmuskulatur und Hormonstatus.

In Deutschland spielen mehr als sieben Millionen Menschen in einem der rund 24.000 Fußballvereine des DFB – und viele von ihnen im Kinder- und Jugendalter. Für Eltern stellt sich die Frage: Woran erkenne ich eine Gehirnerschütterung beim Kind, und wann muss ich zum Arzt?

Was tun nach einer Gehirnerschütterung?

Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung gilt die klare Regel: Raus aus dem Spiel, sofort. Kein Weiterspielen, auch wenn sich das Kind nach wenigen Minuten besser fühlt. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Konzentrationsprobleme oder kurzzeitige Verwirrtheit. Weniger offensichtlich sind Schlafveränderungen oder Stimmungsschwankungen in den Tagen danach.

Die Rückkehr zum Sport sollte in Abstimmung mit einem Arzt schrittweise erfolgen – ein Prozess, der je nach Schwere mehrere Wochen dauern kann. Eine digitale Ersteinschätzung von Symptomen bietet die App Ada Health. Für eine telemedizinische Beratung, wenn kein Facharzt kurzfristig verfügbar ist, stehen Angebote wie Kry und TeleClinic zur Verfügung. Für die spätere körperliche Rehabilitation – zum Beispiel zur Stärkung der Nackenmuskulatur und Rückkehr zur sportlichen Belastung – bieten digitale Physiotherapieplattformen wie Kaia Health und Vivira strukturierte Programme. Weitere digitale Gesundheitsangebote zu Sport und Rehabilitation finden sich auf bestes.com.

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