FSME 2026: 693 Erkrankungen – fast alle waren ungeimpft
693 FSME-Erkrankungen in 2025 – dritthöchster Wert seit 2001. Zwei neue Risikogebiete, 185 insgesamt. Und 98 % der Betroffenen waren nicht geimpft.
Ein Zeckenstich dauert weniger als eine Sekunde – seine Folgen können ein Leben lang bleiben. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, ist eine Virusinfektion des Gehirns und der Hirnhäute, die durch infizierte Zecken übertragen wird. Im schlimmsten Fall hinterlässt sie dauerhafte Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen oder kognitive Einschränkungen. Das Robert Koch-Institut hat Ende Februar in seinem Epidemiologischen Bulletin 9/2026 neue Daten veröffentlicht – und die sollte kennen, wer in Deutschland Natur und Freizeitaktivitäten im Freien genießt.
693 Erkrankungen in 2025 – drittschlechtester Wert seit Beginn der Aufzeichnung
Im Jahr 2025 wurden dem RKI 693 FSME-Erkrankungen in Deutschland gemeldet. Das ist der dritthöchste Wert seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001 – übertroffen nur von 2020 mit 718 Fällen. Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr, abhängig von Witterung, Zeckenpopulation und menschlichem Verhalten im Freien, doch der langfristige Trend ist eindeutig: FSME breitet sich in Deutschland aus, und die Erkrankungszahlen bleiben auf erhöhtem Niveau.
Besonders betroffen sind weiterhin Bayern und Baden-Württemberg, wo die meisten Risikogebiete liegen. Aber auch Sachsen, Thüringen und Teile Hessens und des Saarlandes zählen laut RKI seit Jahren zu den Regionen mit erhöhtem Übertragungsrisiko.
185 Risikogebiete – Zecken dringen weiter nach Norden vor
Mit dem Epidemiologischen Bulletin 9/2026 aktualisierte das RKI seine FSME-Risikokarte: Zwei neue Kreise wurden als Risikogebiete ausgewiesen. Der Landkreis Nordsachsen in Sachsen und der Stadtkreis Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt kommen hinzu – womit Deutschland nun 185 Land- und Stadtkreise mit erhöhtem FSME-Risiko zählt.
Die Ausweitung folgt einem Muster, das Experten bereits seit Jahren beobachten: Wärmere Winter und mildere Frühlinge sorgen dafür, dass Zecken früher aktiv werden und in Regionen vordringen, die bisher als risikoarm galten. Wer in Sachsen oder Sachsen-Anhalt wandert, radelt oder im Garten arbeitet, sollte die aktualisierte Karte des RKI kennen – und idealerweise bereits geimpft sein.
98 Prozent der Betroffenen waren nicht ausreichend geimpft
Das erschreckendste Ergebnis aus dem RKI-Bulletin ist nicht die Fallzahl, sondern der Impfstatus der Betroffenen: Von den 693 gemeldeten FSME-Erkrankten waren 98 Prozent entweder gar nicht oder unvollständig gegen FSME geimpft. Das bedeutet: Nahezu alle Erkrankungen des Jahres 2025 wären mit einem vollständigen Impfschutz vermeidbar gewesen. FSME ist eine der wenigen schweren Infektionskrankheiten, gegen die eine hochwirksame Impfung existiert – und trotzdem bleibt sie massenhaft ungenutzt.
Die Schutzwirkung der zugelassenen FSME-Impfstoffe liegt bei über 98 Prozent, sofern die Grundimmunisierung vollständig abgeschlossen ist. Sie besteht aus drei Impfungen: Die ersten beiden werden im Abstand von ein bis drei Monaten verabreicht, der dritte Piks folgt nach neun bis zwölf Monaten. Auffrischimpfungen sind danach alle drei bis fünf Jahre empfohlen.
Impfquoten dramatisch niedrig – trotz STIKO-Empfehlung
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die FSME-Impfung für alle Personen, die in Risikogebieten leben oder diese besuchen – Touristen, Pendler und Freizeitsportler eingeschlossen. Die Realität sieht anders aus: Laut RKI-Bulletin lagen die Impfquoten in den Hauptrisikogebieten zuletzt bei nur 22,6 Prozent in Bayern, 17,2 Prozent in Baden-Württemberg, 27,6 Prozent in Thüringen und 18,0 Prozent in Hessen. In einem Land, in dem viele Menschen in oder nahe einem Risikogebiet leben oder regelmäßig dorthin reisen, ist das eine erschreckend niedrige Schutzrate.
Als Hauptgründe für die niedrigen Impfquoten nennen Befragungen vor allem eine geringe Risikowahrnehmung und Unsicherheit über Nebenwirkungen. Viele Menschen unterschätzen das FSME-Risiko, weil sie den Zusammenhang zwischen Zeckenstich und Hirnhautentzündung nicht kennen – oder weil sie FSME mit der ebenfalls durch Zecken übertragenen Borreliose verwechseln. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung; gegen FSME sehr wohl, und dieser Unterschied ist im Alltag kaum bekannt.
Was jetzt zu tun ist
Die FSME-Saison läuft von März bis November, mit Hochphase im Sommer. Wer noch nicht geimpft ist, kann die Grundimmunisierung jederzeit beginnen – auch mitten in der Zeckensaison. Die Impfung schützt spätestens zwei Wochen nach der zweiten Dosis zuverlässig. Einen Arzt für Beratung und Impfung erreicht man über die Hausarztpraxis oder digitale Wege wie APPzumARZT und Avi Medical. Telemedizinische Anbieter wie Kry oder TeleClinic bieten ärztliche Erstberatung per Video an – hilfreich bei Unsicherheit nach einem Zeckenstich. Wer Symptome einordnen möchte, kann einen digitalen Symptom-Check über Ada Health nutzen.
Neben der Impfung helfen helle Kleidung, Insektenschutzmittel mit DEET oder Icaridin und das gründliche Absuchen der Haut nach Aufenthalten in der Natur. Wichtig zu wissen: FSME-Viren werden bereits beim Stich übertragen, nicht erst nach Stunden. Das schnelle Entfernen einer Zecke hilft gegen Borreliose – gegen FSME ist die Impfung der einzige zuverlässige Schutz.